Ganz in weiß, mit Haube auf dem Kopf, die Augen entrückt geschlossen, so zeigt sich die Sängerin Rosalía auf dem Cover ihres Erfolgsalbums Lux: ein Weltstar, inszeniert als Nonne. „Wenn ich noch ein schlechtes Date erlebe, gehe ich ins Kloster!“, schallt es zeitgleich aus den Accounts junger Frauen auf Social Media, die müde vom Dating sind und sich mit Nonnen-Content ironisch von der Männerwelt verabschieden, während auf TikTok echte Ordensschwestern zu Internetpersönlichkeiten werden, indem sie ihren Alltag im Kloster zwischen Beten, Singen und Hostienbacken für ihre Followerschaft erklären.
Nonne sein, das trendet, die Vorstellungen klösterlicher Abgeschiedenheit und Schwesterlichkeit sind zu wahren Sehnsuchtsorten gestresster Gegenwartsmenschen geworden. Warum? Wie kann es sein, dass ausgerechnet die strenge Unterordnung in einer stark hierarchisch organisierten Institution, die oft von Männern dominiert wird, heute als positiver Akt weiblicher Freiheit gedeutet wird? Und was ist eigentlich mit dem Keuschheitsgelübde? Dem Versprechen, als Bräute Jesu zu leben? Und wo ist Gott dabei?
Diesen Fragen widmen sich Nina Pauer und Ijoma Mangold in der neuen Episode von Die sogenannte Gegenwart.
Shownotes:
- Carmen Urbita und Ana Garriga: Convent Wisdom. Wie Nonnen aus dem 16. Jahrhundert dein Leben verändern können. Gutkind Verlag, 2026.
- Nicht mit uns! Die unglaubliche Geschichte der Nonnen von Goldenstein. Edition Lauter, 2025.
- Text von der ZEIT: Warum lieben jetzt alle Nonnen von Ivana Sokola
- Eva Schlotheuber und Henrike Lähnemann: Unerhörte Frauen. Die Netzwerke der Nonnen im Mittelalter, Propyläen, 2023.
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