
AUDIO: St.-Pauli Coach Blessin: „Hätte mir mehr Elan und Galligkeit gewünscht“ (3 Min)
Bundesliga
Stand: 23.01.2026 23:35 Uhr
Der FC St. Pauli und der HSV haben sich im 113. Hamburger Stadtderby 0:0 getrennt. Im mit 29.546 Zuschauern ausverkauften Millerntor-Stadion hatten nennenswerte Strafraumszenen am Freitagabend Seltenheitswert. Beide Teams bleiben im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga.
Insbesondere für St. Pauli, das in der Hinrunde einen 2:0-Erfolg beim HSV feierte, war das Remis eigentlich zu wenig. Das Team von Trainer Alexander Blessin verbesserte sich zwar zumindest vorübergehend auf Rang 16, kann bei Punktgewinnen des 1. FSV Mainz 05 und 1. FC Heidenheim aber wieder auf den letzten Platz zurückfallen. Die Hausherren investierten trotz ihrer prekären Tabellensituation lange zu wenig in das Spiel. Erst in der Schlussphase besaßen sie gegen den bis dahin etwas besseren HSV zwei gute Torchancen.
St.-Pauli-Coach Blessin: „Von uns ist zu wenig gekommen“
„Am Ende weiß man nie, wofür der Punkt gut ist. Aber klar ist, jeder kann die Tabelle lesen, das drei Punkte für uns sehr wichtig gewesen wären, weil es ein direktes Duell war und wir gerne näher rangekommen wären. Das haben wir heute leider verpasst“, sagte St. Paulis Verteidiger Hauke Wahl dem NDR. Mit Blick auf das spielerische Niveau der Partie befand er: „Das war kein gutes Derby.“
Noch deutlicher wurde Wahls Trainer Alexander Blessin. „Ich hätte mir schon ein wenig mehr Elan und Galligkeit gewünscht“, sagte der 52-Jährige. Er gab freimütig zu: „Ich bin sauer, weil das Spiel nicht gut war. In der Summe ist heute zu wenig von uns gekommen.“
„Das war heute kein gutes Derby.“
St.-Pauli-Verteidiger Hauke Wahl
Ganz anders war die Gemütslage bei HSV-Coach Merlin Polzin. „Ich habe selten so einen Auftritt einer Hamburger Mannschaft hier gesehen, was die Kontrolle und die Unbekümmertheit angeht, das Ding hier locker herunterzuspielen“, schwärmte er. Sein Team habe einen „kontrollierten Auftritt“ gezeigt, so der 35-Jährige. Was seine Stimmung ein wenig trübte, war nur das nackte Ergebnis. Denn: „Es gab genug Chancen, die zu einem Tor gereicht hätten. Da muss dann einfach mehr bei rauskommen. Das sind die Momente, die du in einem Derby nutzen musst. Was das Ergebnis angeht, sind wir deswegen heute enttäuscht.“
Keine Chancen vor der Pause – Pyrka mit Kopfball-Luftloch
Fußballerische Höhepunkte waren im Duell der beiden erfolglosesten Angriffsreihen der Bundesliga im ersten Abschnitt rar gesäht. Weder der HSV (17 Treffer in den vorausgegangenen 17 Partien) noch St. Pauli (16 Tore in 17 Spielen) vermochten es, den Ball überlegt in die gegnerische Hälfte zu tragen. Viele Quer- und Fehlpässe prägten das Geschehen – garniert noch mit ein paar langen Bällen ins Nirgendwo. Nennenswerte Chancen? Gab es nicht!
Ein Schuss von Gäste-Routinier Bakery Jatta aus einer knappen Abseitsposition, den Keeper Nikola Vasilj aber ohnehin parieren konnte (23.), sowie der vielleicht seltsamste Kopfball-Versuch der Derby-Geschichte durch Arkadiusz Pyrka waren die einzigen erwähnenswerten Offensivszenen vor der Pause.
St. Paulis Rechtsverteidiger stand nach einer perfekten Flanke von Mathias Pereira Lage in der 31. Minute völlig frei und hätte den Ball aus wenigen Metern normalerweise wohl ziemlich locker im Tor untergebracht. Doch ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel fehlte dem 30-Jährigen komplett das Timing. Er sprang erst hoch, als das Spielgerät bereits an ihm vorbeigeflogen war. Das im Fußball bis dato nur nach dem Verpassen des Balles mit dem Fuß bekannte Luftloch, der Pole hatte es geköpft.
Als Pyrka unfreiwillig Kurioses gelang, war der Arbeitstag für Alexander Røssing-Lelesiit längst beendet. Der 19 Jahre alte HSV-Angreifer, der etwas überraschend für Jean-Luc Dompé in der Startelf stand, hatte schon in der 14. Minute ausgewechselt werden müssen. Mit dick bandagiertem rechten Knöchel war er vom Platz gehumpelt. Der Grund: Ein hartes Einsteigen von Adam Dzwigala kurz zuvor. Dafür erhielt der Pole die Gelbe Karte, die allerdings einen leichten Rot-Stich hatte.
Mit Ausnahme dieses überflüssigen, weil auf Höhe der Mittellinie geschehenen Fouls, gab es kaum Grenzüberschreitungen in den Zweikämpfen. Ein sehr erfreulicher Aspekt in einem fußballerisch vor der Halbzeit sehr unerfreulichen Stadtderby. Wer beim alkoholfreien Pausen-Bier (Stichwort: Hochrisikospiel) den Darbietungen der Teams etwas Positives abgewinnen wollte, er konnte sich an der jeweiligen Abwehrleistung erfreuen.
Vuskovic mit Großchance zur HSV-Führung
Auf den Beginn des zweiten Durchgangs mussten die Fans dann satte 25 Minuten warten. Der Grund: die Fans. Denn Anhänger beider Clubs brannten Pyrotechnik ab, sodass dichter Nebel durch das Millerntor zog. Als die Sicht wieder frei und der Wiederanpfiff ertönt war, gab es tatsächlich die erste Torchance der Partie. Nach einem verlängerten Eckstoß kam Luka Vuskovic im Fünfmeterraum frei zum Kopfball, scheiterte mit seinem unplatzierten Abschluss aber an St.-Pauli-Keeper Vasilj (54.).
Die Hausherren waren bemüht, ihr Offensivspiel ebenfalls zu intensivieren. Durch die Einwechslung des pfeilschnellen Ricky-Jade Jones für den wirklungslosen Martijn Kaars war auch mehr Dynamik im Spiel des Kiezclubs. Fußballerische Lösungen fand St. Pauli gegen die defensiv sehr konzentriert arbeitenden Gäste jedoch zu selten.
St. Pauli drängt in Schlussphase auf den Sieg
In der Schlussphase erhöhten die Hausherren dann aber den Druck und waren der Führung plötzlich ganz nah. Zunächst scheiterte Danel Sinani mit einem Schuss aufs lange Eck an HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes (79.), kurz darauf fand Pyrka mit einem etwas zu mittigen Abschluss seinen Meister in dem Schlussmann (81.). Mehr interessante Torraumszenen gab es nicht. So blieb es am Ende beim leistungsgerechten Remis.
„Für die Zuschauer war es vielleicht langweilig. Aber hier bei St. Pauli einen Punkt zu holen, das ist auch nicht schlecht“, sagte HSV-Mittelfeldakteur Nicolai Remberg. Der Spatz in der Hand war dem Abräumer und seinen Teamkameraden am Freitagabend letztlich lieber als die Taube auf dem Dach. Nicht großartig verwunderlich bei einer Auswärtsbilanz von drei Remis und sechs Niederlagen in neun Partien.
19. Spieltag, 23.01.2026 20:30 Uhr
Vasilj – Dzwigala (65. Irvine), Wahl, Mets – Pyrka, Sands, Smith, Oppie – Fujita – Kaars (46. Jones), Pereira Lage (65. Sinani)
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Heuer Fernandes – Capaldo, L. Vuskovic, Torunarigha – Jatta, Fábio Vieira (87. Sambi Lokonga), Remberg, Muheim – Königsdörffer (68. Philippe), Downs (68. Glatzel), Rössing-Lelesiit (14. Baldé / 68. Dompé)
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