
Erstmals haben Forscher in vier EU-Ländern untersucht, was Bauern so unzufrieden macht, dass es sie zum Protest auf die Straße gehen. Die Gründe sind national verschieden. Doch nur Trecker-Demos und Blockaden bringen noch lange keine Veränderung.
Bauern wissen zu protestieren. Das muss man ihnen lassen. Mit ihren Traktoren, frechen Bannern und gezielten Blockaden können sie sich der Aufmerksamkeit von Politik und Medien sicher sein – wie zuletzt vor dem Europäischen Parlament in Straßburg, wo sie ihren Unmut über das Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und lateinamerikanischen Staaten zum Ausdruck brachten.
Aber was macht die Bauern so unzufrieden, dass es sie auf die Straße treibt? Dieser Frage ist erstmals ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Göttingen nachgegangen. Im Rahmen von Online-Befragungen haben sie insgesamt 2232 Betriebe in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden erfasst. Über die Ergebnisse berichten sie im Fachmagazin „Food Policy“. Danach unterscheiden sich die jeweiligen Motive zwischen den Ländern deutlich.
In Frankreich stehen die finanziellen Belastungen im Vordergrund, in den Niederlanden herrscht Unmut über das politische Umfeld, in Belgien gibt es eine Mischung von Beschwerden. Und in Deutschland klagen Bauern vor allem über zu viel Bürokratie.
Die Forscher gaben an, mit einer KI-gestützten Textanalyse auch den emotionalen Tonfall der Antworten untersucht zu haben. Unzufriedenheit mit der Politik wurde demnach aggressiver formuliert als etwa konkrete Beschwerden über das Einkommen oder bürokratische Auflagen aus Brüssel.
Was die Forscher indes nicht erfassten: Oft richtet sich Wut der Bauern auch gegen die Gesellschaft insgesamt, und sie fordern mehr Wertschätzung von der Bevölkerung. Das ist umso unverständlicher, als die Bauern gerade in Deutschland in Rankings der angesehensten Berufe oft weit vorn liegen.
Die gerade von deutschen Bauern immer wieder erhobene Klage, die Prügelknaben und Sündenböcke der Nation zu sein, ist da nur schwer nachzuvollziehen. So fühlen sie sich zu Unrecht angegriffen, wenn ihnen etwa vorgeworfen wird, in manchen Regionen Deutschland durch den Einsatz von Dünger auf ihren Feldern das Grundwasser zu belasten.
Vielleicht sollten Bauern, statt wütend zu protestieren, erst einmal präziser formulieren, was sie wirklich wollen und wie sie sich gerade angesichts der sich dramatisch verändernden Weltlage ihre Zukunft vorstellen. Politik und Gesellschaft dürften gespannt sein – schließlich geht um die Versorgung mit Lebensmitteln.
