Laali Lyberth war mal Miss Grönland, heute ist sie Leiterin des Inuit Verlages, der die Literatur ihres Heimatlandes auf Deutsch verlegt. Ein Besuch mit verstörenden Antworten auf die Frage, was es bedeutet, Grönländerin zu sein
© Sven Nieder/Inuit Verlag
Während draußen die Dämmerung einsetzt und US-Präsident Donald Trump mit dem Gedanken spielt, ihr Heimatland zu kaufen oder gar mit Waffengewalt zu besetzen, trinkt Laali Lyberth erst einmal entspannt lächelnd Kaffee aus der Thermoskanne. „Ich durchlebe gerade eine Welle unterschiedlichster Gefühle“, sagt sie, „aber wahrscheinlich ist das nur menschlich in dieser Situation.“
Laali Lyberth, geboren 1974 in Grönlands Hauptstadt Nuuk, ist die Miss Grönland des Jahres 1992 und außerdem Leiterin des Inuit Verlages – des einzigen Verlags im deutschsprachigen Raum, der sich ausschließlich der grönländischen Literatur widmet. Dessen Chefin trägt beim Gespräch auch einen original grönländischen Schulterüberwurf, der von einem Rentierknochen zusammengehalten wird. Dabei sitzt sie vor einer Bücherwand in einem ehemaligen Herrenfriseursalon in der Kreisstadt Daun in der Vulkaneifel. Denn dort, wo früher den Männern der Vulkaneifel ein neuer Haarschnitt verpasst wurde, hat der Inuit Verlag heute seinen Sitz.
