Mitten in … Mexiko-Stadt
Eine Bootstour in den Kanälen von Xochimilco, einem Viertel in Mexiko-Stadt, gerät zur kulturellen Lehrstunde für mexikanischen Zeitvertreib. Zunächst wird Bingo gespielt, hier „lotería“ genannt. Danach der „Skorpion“: Man führt eine offene Tequila-Flasche dreimal um den eigenen Kopf herum, während die anderen laut mitzählen, legt sie dann mit dem Hals nach vorne auf dem Schädel ab und kippt, bis der Inhalt von oben in den Mund läuft. Oder daneben. Schließlich zeigt uns der Tourguide eine charmante Methode, um nach einer durchzechten Nacht denjenigen zu bestimmen, der das Bier zahlt: Alle fassen sich im Kreis an den Händen, zwei in der Runde halten die Enden eines Elektroschockers. Wer als Erstes loslässt, verliert. Beliebt in den Clubs von Mexiko-Stadt, sagt der Guide. Doch er rät, im Zweifel besser die Rechnung zu übernehmen: „Die benutzen gerne Autobatterien.“ Joshua Beer

Mitten in … Davos
Polizisten an jeder Ecke. Betonklötze und Wachtürme sichern die Straßen, Spürhunde durchsuchen Autos. Es ist Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Für eine Woche flaniert die Weltspitze aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft durch den Schweizer Skiort. Tech-Unternehmen führen ihre Roboter spazieren. Und immer wieder pflügt jemand umringt von Personenschützern durch die Menge. Um hier aufzufallen, muss man sich schon etwas einfallen lassen: zum Beispiel ein riesiges Holzkreuz über die Promenade schleifen, wie Jesus auf der Via Dolorosa. Was es damit auf sich hat? Jesus heißt eigentlich Stephan Maag. Seine Aktion erklärt er mit dem Glauben – und einer Nachricht an das WEF: „Auch wenn hier alle wichtig, groß und relevant sind: Es gibt Wichtigeres.“ Weiter kommt er mit der Erläuterung nicht. Achtung, Polizei. Personenkontrolle. Nicolas Freund

Mitten in … München
In Münchens öffentlichen Verkehrsmitteln muss man eigentlich immer damit rechnen, Menschen mit sperrigen Sportgeräten zu treffen. Surfbrettern zum Beispiel, wenn die Eisbachwelle nicht gerade lahmgelegt ist, oder auch Skiern, mit denen sich die Stadtbewohner auf den Weg in Richtung Regionalzug und Berge machen. Als die fünfköpfige Familie an einem sonnigen Sonntag samt Schlitten und zwei Rodeln in die U6 steigt, hat sie wohl eher einen der Parks zum Ziel. Geschickt verräumt sie sich mitsamt Ausrüstung in eine Vierersitzgruppe. Die beiden Mädchen und ihr Bruder sind schmal genug, um sich auch mit dicken Schneehosen eine Bank zu teilen, aber offenbar alt genug, um Filme mit Elyas M’Barek zu schauen: Es bricht große Heiterkeit aus, als der „nächste Halt Goetheplatz“ angekündigt wird. „Ob da die Goethe-Gesamtschule ist?“ Claudia Henzler
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