Der Wecker als Störenfried: Christoph Ribbat betrachtet das Aufwachen aus kultureller Perspektive.
Von wegen kühlen Kopf wahren. Wer morgens aufwacht, dessen Gehirn hat eine niedrigere Temperatur als normal, dadurch ist man kognitiv noch nicht ganz auf der Höhe. Um richtig denken zu können, muss erst die erforderliche Betriebstemperatur erreicht werden.
Schlafträgheit nennt sich der Zustand, der einen leicht komatös ins Bad oder in die Küche schlurfen lässt, während man am liebsten noch einmal zurück ins Bett gehen würde. Bei manchen Menschen kann er für einige Stunden anhalten.
Der Amerikanist Christoph Ribbat schildert in seinem Buch „In den Tag“ das Aufwachen aus kultureller Perspektive. Kreative Menschen etwa wie die Schriftstellerin Toni Morrison fingen den Tag sehr früh mit Schreiben an, noch bevor ihre Kinder wach waren.
Christoph Ribbat: „In den Tag. Eine kurze Geschichte des Aufwachens“. Insel Verlag, Berlin 2026, 166 Seiten,
20 Euro
Ebenso lassen sich Träume, an die man sich nach dem Erwachen erinnert, mitunter kreativ nutzen. Paul McCartney soll eines Nachts einen Song geträumt haben, der „Scrambled Eggs“ lautete und, von ihm aufgeschrieben, für einige Zeit ein Entwurf blieb.
Heute steht frühes Aufstehen oft im Zeichen der Selbstoptimierung. Wer den Tag früher beginnt, gewinnt Zeit für Dinge wie Yoga. Weniger kreativitäts- als produktivitätsfördernd wirken hingegen die Anfang des 20. Jahrhunderts von der Firma Junghans fabrizierten Wecker mit Namen wie „Krawall“, „Radau“, „Terror“ oder „Störenfried“ – mit besonders lauten Glocken.
Zur Buchmesse in Leipzig 2026 erscheint wieder die Literataz – diesmal schon vorab in der wochentaz vom 14. März. Darin geht es um die neuen Bücher von Judith Hermann, Carla Hinrichs, Judith Holofernes, Siri Hustvedt, Michal Hvorecký, Hasan Kikić, Rinah Lang, Dorota Masłowska, Sophia Merwald, Quinn Slobodian, Eva von Redecker, Christoph Ribbat, Lukas Rietzschel, Kuku Schrapnell, Ben Tarnoff, Curtis Sittenfeld, Ronen Steinke, Yasemin Toprak, Michael Wildenhain. Alle Texte zur Buchmesse finden Sie in unserem Schwerpunkt auf taz.de.
Die Buchmesse in Leipzig geht von Donnerstag, 19.3, bis Sonntag, 22.3.
Die taz ist wieder mit einem eigenen Stand vor Ort, an dem in zahlreichen Talks mit Autor:innen diskutiert wird – live auf der Bühne in Halle 5 und als Stream im youtube-Kanal der taz.
Ausgeruht und in einfach gehaltenen Sätzen schildert Ribbat diese Phänomene, flaniert durch die Geschichte, die er anekdotisch verdichtet. Den Song aus McCartneys Traum spielten die Beatles später unter anderem Titel ein. Er lautet „Yesterday“.
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