Künstliches Kniegelenk: Arthrose-OP mit Knie TEP

Stand: 17.02.2026 21:27 Uhr
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Das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks ist dank moderner Implantate und OP-Verfahren relativ schonend und präzise. Doch statt einer Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) sind oft Alternativen möglich.

Die Kniegelenke werden durch das Körpergewicht sehr belastet und verschleißen – sie können aber auch durch Entzündungen oder Verletzungen (Trauma) stark geschädigt werden. Ist der Knorpelverschleiß (Arthrose) im Knie schon sehr weit fortgeschritten, kann das Kniegelenk ganz oder teilweise ersetzt werden. Ein künstliches Kniegelenk sollte jedoch immer die letzte Option sein, denn die OP lässt sich nicht mehr rückgängig machen und bis zu 20 Prozent der operierten Personen sind anschließend nicht zufrieden.

Künstliches Kniegelenk: Wie funktioniert die OP?

Zur Planung von OP und Narkose sind Voruntersuchungen wie Röntgen und Blutentnahmen sowie Aufklärungsgespräche notwendig. Der Eingriff selbst wird häufig in Teilnarkose durchgeführt, bei der nur das Bein betäubt wird. Die operierte Person bleibt wach und atmet selbständig, die Schmerzbekämpfung nach der OP gelingt so oft besonders gut. In einigen Fällen wird zusätzlich ein Dämmerschlaf eingeleitet, in anderen eine Vollnarkose.

Eine Knie-TEP ersetzt das Kniegelenk vollständig. Die Gelenkflächen werden bei der OP dabei durch künstliche Gleitflächen ersetzt: Ein Teil der Prothese bedeckt das Ende des Oberschenkelknochens, der andere Teil das Ende des Schienbeinknochens.

Die Gleitflächen bestehen in der Regel aus Metall, wobei der schienbeinseitige Teil mit einer Schicht aus Polyethylen versehen ist. Das Metall ist zumeist eine Legierung aus Chrom, Kobalt und Molybdän. Da diese Legierung Spuren von Nickel enthalten kann, wird bei einer Allergie eine nickelfreie Metallprothese eingesetzt.

Die Operation dauert etwa eine Stunde. Währenddessen werden die entscheidenden Winkel immer wieder nachgemessen, damit die Prothese gut sitzt. Meist können und sollen die Patientinnen und Patienten schon am OP-Tag mit Hilfe aufstehen, spätestens am ersten Tag nach OP beginnt die Physiotherapie. Der Krankenhausaufenthalt nach dem Einsetzen der Knie-TEP dauert in der Regel fünf bis sieben Tage.

Reha: Wie geht es nach der Kniegelenk-OP weiter?

Nach der Operation müssen Betroffene für etwa sechs Wochen schmerzlindernde Medikamente einnehmen und etwa drei bis sechs Wochen lang an Unterarmstützen gehen. Bei der anschließenden mehrwöchigen Reha wird mit Gangschulung, Physiotherapie und Koordinationstraining die Muskulatur im Kniegelenk gekräftigt und das Gehen mit dem neuen Knie trainiert. Verboten sind Bewegungen mit abruptem Richtungswechsel, schwere körperliche Tätigkeiten, das Heben und Tragen von schweren Lasten sowie Arbeiten auf Leitern und Gerüsten. Außerdem müssen Betroffene Stoßbelastungen sowie das Knien und Hocken vermeiden.

Vor- und Nachteile der Knie-TEP

Die Vorteile eines künstlichen Kniegelenks sind:

  • Schmerzlinderung: Eine Knie-TEP kann die enormen Schmerzen im Kniegelenk lindern oder sogar vollständig beseitigen, die durch Arthrose oder andere Probleme verursacht wurden.
  • Verbesserung der Mobilität: Nach einer erfolgreichen OP können Betroffene ihre Bewegungsfreiheit und Mobilität deutlich verbessern. Viele Alltagsaktivitäten sind dann wieder möglich.
  • Erhöhte Lebensqualität: Mit einer schmerzfreien und funktionsfähigen Kniegelenksprothese können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich steigern und wieder am sozialen Leben teilnehmen.

Nachteile einer Knie-TEP können sein:

  • Operationsrisiken: Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen Risiken wie Infektionen, Blutungen oder Komplikationen durch die Narkose.
  • Eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Trotz moderner Implantate kann die Bewegungsfreiheit des Kniegelenks nach einer Vollprothesen-OP eingeschränkt sein.
  • Mögliche Lockerung: Im Laufe der Zeit kann sich die Prothese lockern und muss dann möglicherweise ausgetauscht werden.
  • Lebensdauer: Die Prothese hat eine begrenzte Lebensdauer und muss eventuell nach zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden.

Welche Arten von Knie-TEPs gibt es?

Es werden drei Hauptarten von Knie-Totalendoprothesen verwendet, um Kniegelenke zu ersetzen:

  • Ungekoppelte Prothesen: Dabei sind die obere und untere Prothesenkomponente nicht miteinander verbunden. Die körpereigenen Bänder (Innen-, Außen- und hinteres Kreuzband) sind noch intakt und können die Bewegung des Gelenks führen. Dieser Prothesentyp wird am häufigsten eingesetzt, in circa 85 Prozent der Fälle.
  • Teilgekoppelte Prothesen: Die obere und untere Prothesenkomponente sind hier teilweise miteinander verbunden. Einige Bänder sind noch erhalten, andere müssen entfernt werden. Dieser Prothesentyp bietet mehr Stabilität als die ungekoppelte Variante.
  • Gekoppelte Prothesen: Der obere und der untere Prothesenteil sind fest miteinander verbunden. Die Bänder müssen dazu komplett entfernt werden. Dieser Prothesentyp bietet die höchste Stabilität und wird eingesetzt, wenn die Bänder stark geschädigt oder instabil sind.

Individuelle Knie-TEP-OP: Maßarbeit statt Standardlösung

Die moderne Knieendoprothetik sieht sich mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert: Kein Knie gleicht dem anderen. So kann beispielsweise die Knochenform stark variieren, hinzu kommen Unterschiede bei Bändern, Stabilität und Bewegungsabläufen. Deshalb lässt sich eine Knieprothese nicht nach dem Prinzip „eine Lösung für alle“ einsetzen.

Früher orientierten sich Operateure in der Regel an einem Standard: Das Bein sollte nach dem Einbau eines künstlichen Knies möglichst gerade ausgerichtet sein – von der Hüfte bis zum Fuß. Doch viele Menschen haben von Natur aus leichte O- oder X-Beine. Moderne Konzepte berücksichtigen deshalb die individuelle Anatomie und Bandstabilität stärker. Insbesondere bei O-Beinen scheint es günstig, die Beinachse beim Einsatz des Gelenks nicht ganz zu begradigen, sondern ein leichtes O-Bein zu belassen. Das Material moderner Knieprothesen verträgt diese Unterkorrektur der Achse ohne vermehrt zu verschleißen.

Computergestützte Planung und Robotik im OP

Robotische Assistenzsysteme können die Implantation präziser machen. Sie unterstützen die Umsetzung der präoperativen Planung und liefern während der Operation zusätzliche Echtzeitinformationen. Die Operation selbst wird jedoch weiterhin von den Chirurgen durchgeführt. Das Ziel besteht darin, die Prothese möglichst genau an die individuelle Anatomie und Bewegungsfunktion des Patienten anzupassen.

Dr. Karina E. Bohlen zu Gast im Studio.

Eine Knieprothese ist immer die letzte Option nach gescheiterten Therapien. Sollte sie dann maßgeschneidert statt standardisiert sein?

Alternativen zum künstlichen Kniegelenk

Die meisten Menschen mit Knie-Arthrose brauchen keine Operation. Am Anfang steht immer eine konservative Therapie mit Bewegung, Physiotherapie und gezieltem Krafttraining. Auch Yoga hat nachgewiesene Effekte. Das kann zu Beginn schmerzhaft sein, aber durch den Aufbau von Muskeln sollen die Knochen entlastet werden. Wichtig ist dabei Aufklärung, damit die Betroffenen ganz genau wissen, was sie tun müssen und warum.

  • Anstatt das gesamte Kniegelenk zu ersetzen, kann eine Teilprothese aus Metall und Kunststoff, eine sogenannte Schlittenprothese (Hemischlitten), eingesetzt werden. Der Vorteil ist, dass Kreuzband und Muskulatur intakt bleiben, was für eine hohe Stabilität sorgt. Die Beweglichkeit ist oftmals besser und das Gefühl natürlicher als bei einer Knie-TEP. Mit einer Teilprothese lässt sich das Implantieren einer Vollprothese häufig 15 bis 20 Jahre hinausschieben oder ganz vermeiden.
  • Ist der Knorpel im Knie schon stark mitgenommen, aber der Schaden betrifft nur eine kleine Fläche, kann eine Knochenknorpeltransplantation die Alternative zum künstlichen Knie sein. Der beschädigte Knorpel wird zunächst mit einer Stanze entfernt. Aus einer wenig beanspruchten Stelle im Knie wird dann ein minimal größeres Stück entnommen und an der defekten Stelle wieder eingesetzt. Es sitzt dann nahtlos.
  • Ist der Knorpelschaden zu groß, um ihn noch mit Knorpel zu reparieren, aber zu klein, um eine Teil- oder Vollprothese zu nutzen, kann eine Knopfprothese eine Alternative zum künstlichen Kniegelenk sein. Die Miniprothese ersetzt nur den beschädigten Bereich, die gesunden Teile des Gelenkes bleiben erhalten. Über ein Fräsverfahren wird das Implantat in das Gelenk eingesetzt. Dort ersetzt es den erkrankten Teil des Knorpels und schließt mit dem gesunden Bereich geradlinig ab.

Ursachen für vorderen Knieschmerz nach der OP

Nach dem Einsetzen einer Knieprothese ist der Aufbau des Kniegelenks häufig verändert. Verschiedene Faktoren können dann einen vorderen Knieschmerz verursachen:

  • Das hintere Kreuzband hat nach der OP nicht immer die nötige Spannung, um den Oberschenkel bei der Beugung des Beins zu halten. Der Oberschenkel kann nach vorne rutschen und dabei gegen die Kniescheibe stoßen. Das führt zu starken Schmerzen, das Gelenk fühlt sich instabil an, so als würde die Kniescheibe nach vorn wegkippen.
  • Gleitet die knöcherne Kniescheibe nach der OP nicht mehr in der dafür vorgesehenen Rille am Oberschenkelknochen, entstehen beim Beugen und Strecken Schmerzen. Rutscht die Kniescheibe nur wenige Millimeter seitlich aus der Rille, schabt sie auf der Metallbeschichtung des künstlichen Kniegelenks. Das schmerzt und kann eine Arthrose der Kniescheibe auslösen.
  • Auch eine Infektion oder Metallunverträglichkeit können Schmerzen im Knie verursachen.

Kontinuierliche Physiotherapie nach Knieprothese wichtig

Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis das künstliche Kniegelenk beschwerdefrei funktioniert. Das Zusammenspiel der neuen Gleitflächen mit Sehnen, Bändern und Muskeln muss „trainiert“ werden, denn diese halten die Beinachse stabil. Ist die Muskulatur sehr abgebaut, kann die Beinachse beim Gehen nicht gehalten werden. Verschiebt sie sich, entstehen Belastungspunkte im Gelenk – Schmerzen sind die Folge. Daher ist es für den Erfolg einer Prothese entscheidend, dass Beinachse und Halteapparat gut zusammenpassen. Wichtig ist eine kontinuierliche Physiotherapie, um das Bein, den Rumpf und das Becken zu kräftigen.

Erneute Knie-Operation: Zweite Meinung einholen

Bleiben die Schmerzen trotz regelmäßiger Physiotherapie bestehen, kann eine erneute OP sinnvoll sein. Dies ist meist bei Instabilität und Fehlpositionierung der Prothese der Fall. Operiert werden sollte aber nur, wenn die Ursachen der Schmerzen bekannt sind und sicher behoben werden können. Sonst ist die OP überflüssig und kann die Beschwerden sogar verschlimmern. Vor einer erneuten Operation sollten Betroffene eine Zweitmeinung einholen, idealerweise von Knie-Spezialisten in einer Klinik, die viel Erfahrung mit sogenannten Revisions-Operationen haben.

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