Krise im Saisonendspurt?: FC Arsenal – wieder eine Frage der Nerven

Arsenals Trainer Mikel Arteta spricht mit seinen Spielern

Stand: 06.04.2026 • 14:12 Uhr

Der FC Arsenal kann seine starke Saison mit zwei Titeln krönen. Allerdings gab es jüngst zwei herbe Rückschläge, die Zweifel an der Nervenstärke des Teams aufkommen lassen – wieder einmal.

Mikel Arteta wirkte fast ein bisschen trotzig, als er erklären sollte, was eigentlich kaum zu erklären war. Sein Team, der FC Arsenal, Tabellenführer in der Premier League und Dauersieger in der laufenden Champions-League-Saison (9 Siege, 1 Unentschieden), war gerade gegen den Zweitligisten FC Southampton (1:2) im Viertelfinale des FA Cups ausgeschieden – und sorgte damit für die nächste Pokalpleite.

Schon im League Cup, rund zwei Wochen zuvor, hatten sich die „Gunners“ – allerdings erst im Finale – Manchester City (0:2) geschlagen geben müssen. „Es liegt die schönste Phase der Saison vor uns. Wenn das hier eine schwierige Phase ist, dann gibt es viele andere, die deutlich schwieriger sind“, sagte Arteta.

Langes Warten auf Titel

Doch die jüngste Niederlage gegen die Saints dürfte den Anhängern des Traditionsklubs aus dem Londoner Norden deutlich größere Magenschmerzen bereiten. Denn die große Frage, die seit vielen Jahren über den Gunners schwebt, lautet: Wann schafft es der Klub endlich mal wieder zu einem großen Titel?

In der Premier League ist es bereits 22 Jahre her, als sie den Siegerpokal zuletzt in die Höhe stemmen konnten. Für die hohen Ansprüche und Investitionen des Klubs eine viel zu lange Zeit. Zuletzt wurden sie unter Arteta drei Mal Vize-Meister. Die Champions League haben sie bei Arsenal, trotz oftmals guter Voraussetzungen, noch nie gewinnen können.

Thiery Henry (l.) und Arsene Wenger halten die letzte große Trophäe, die Arsenal gewinnen konnte: Den Premier-League-Pokal nach ihrer „Invincibles“-Saison 2003/04.

Viel zu gewinnen

Nicht zuletzt aufgrund der langen Durststrecke in der heimischen Liga und einiger knapp verpasster Chancen gilt Arsenal auf der britischen Insel geradezu als Meister darin, die Titel in letzter Sekunde doch noch zu verspielen. Ihnen eilt der Ruf voraus, dass es um ihr Nervenkostüm nicht gerade optimal bestellt ist.

Die große Angst einer neuerlichen Wiederholung dürfte die Anhänger des Klubs gerade wieder beschleichen. Wie er ein Formtief zu diesem schlechtest möglichsten Zeitpunkt der Saison verhindern möchte, wurde Arteta noch gefragt: „Indem wir unseren Spielern vertrauen und in das vertrauen, was wir tun.“

Ein Manchester City Fan spielt hämisch auf den Spitznamen an, den Arsenal durch die vielen verspielten Titel trägt: „Bottlers“ („Nervenversager“).

In der Liga und Königsklasse noch auf Kurs

Bislang hat die bisherige Herangehensweise sehr gut funktioniert. In der Premier League liegt das Arteta-Team acht Spieltage vor Schluss mit neun Punkten Vorsprung vor Manchester City, das allerdings noch ein Nachholspiel gegen Crystal Palace austragen muss.

In der Champions League geht der Bayer-Leverkusen-Bezwinger zudem als großer Favorit in das Viertelfinal-Hinspiel bei Sporting Lissabon. Es gibt also noch viel zu gewinnen für die Gunners – aber auch noch mehr zu verlieren.

Mikel Arteta kann im Saisonendspurt wieder auf den lange verletzten Kai Havertz zurückgreifen

Pressing als gegnerische Siegchance

„Wir werden so spielen wie in den letzten Wochen und nur die Anpassungen umsetzen, die jedes Spiel erfordert. Vor allem aber wollen wir Tempo, Einstellung und Energie auf dem höchstmöglichen Niveau halten“, sagte Arteta nach der Pleite gegen Southampton.

Auffallend ist, dass die Gunners gegen Gegner gespielt haben, die sie dauerhaft unter Druck gesetzt und frühes Pressing gespielt haben. Durch die geringen Entfaltungsmöglichkeiten konnten Declan Rice, Kai Havertz und Co.ihr schnelles Konterspiel nicht wie gewohnt aufziehen. Vor allem ihre größte Stärke, die Standardsituationen, mit denen sie ihre Gegner in dieser Saison schier zur Weißglut trieben, konnten sie nicht mehr so erfolgreich unterbringen.

Das dürften auch die kommenden Königsklassen-Gegner aus Lissabon genau beobachtet haben, deren Spiel es ebenfalls ist, den gegnerischen Aufbau schon im Ansatz zu stören. Und die es unter Trainer Rui Borges ebenfalls lieben, das schnelle Umschaltspiel als taktisches Mittel zu nutzen. Die Ansätze beider Coaches ähneln sich. So wird es darauf ankommen, wer diesen Ansatz über zwei Partien besser umsetzen kann.

Sporting drehte im Achtelfinale mit seinem leidenschaftlichen Offensivfußball einen 0:3-Hinspiel-Rückstand gegen Bodø/Glimt.

Vorgezogenes Saisonfinale

Es dauert nicht lang, dann steht bereits der nächste Showdown für die Gunners auf dem Programm. Bereits am Sonntag, 19. April, muss der FC Arsenal bei Manchester City zum vorgezogenen Liga-Saisonfinale antreten.

Im besten Fall könnte sich für die Citizens dann der Rückstand auf drei Punkte bei dann noch fünf verbleibenden Liga-Partien reduzieren. Allerdings ist die Partie zwischen Manchester und Crystal Palace noch nicht neu terminiert.

Aus vier möglichen Titeln sind noch zwei für den FC Arsenal verblieben. Die große Frage bleibt: Halten die Nerven der Gunners dieses Mal?