Krebs: Verheiratete Paare erkranken deutlich seltener an Krebs – und was Sex damit zu tun hat

Ehepaare haben laut Studie ein geringeres Krebsrisiko als unverheiratete Menschen. Besonders bei vermeidbaren Krebsarten zeigen sich deutliche Unterschiede. Auch das Sexualverhalten spielt eine Rolle.

Verheiratete profitieren wohl gesundheitlich von ihrer Ehe: Einer neuen Studie zufolge haben sie ein niedrigeres Krebsrisiko als unverheiratete Menschen. Besonders ausgeprägt ist dieser Unterschied bei oft durch vermeidbare Risikofaktoren ausgelösten Krebsarten, die etwa in Zusammenhang mit Rauchen, Alkohol oder Infektionen stehen. Das berichtet ein Team der University of Miami Miller School of Medicine in der Fachzeitschrift „Cancer Research Communications“.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Faktoren wie der Familienstand auf Bevölkerungsebene als wichtige Indikatoren für das Krebsrisiko dienen können“, erklärt Co-Autor Paulo Pinheiro vom Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami.

Die Forscher analysierten zwischen 2015 und 2022 erhobene Datensätze von mehr als 100 Millionen Menschen aus zwölf US-Bundesstaaten, die Daten zum Familienstand sowie Patientendaten zu mehr als vier Millionen Krebsfällen umfassen.

Das sagt die Studie aus

Unter Erwachsenen, die noch nie verheiratet waren, lagen die Krebsraten höher als bei jenen, die – entweder zum Zeitpunkt der Erhebung oder zu einem früheren Zeitpunkt – verheiratet waren.

Stark zeigte sich der Zusammenhang des Krebsrisikos mit dem Familienstatus für jene Krebsarten, die unter anderem mit vermeidbaren Risikofaktoren wie Rauchen oder Trinken in Verbindung stehen – darunter etwa Lungenkrebs und Speiseröhrenkrebs.

Bei älteren Erwachsenen über 50 Jahren war der positive Zusammenhang stärker als bei Jüngeren. Je mehr Menschen alterten und ihr Krebsrisiko steige, desto stärker profitierten sie in dieser Hinsicht wohl von der Ehe, schreiben die Autoren.

Erstaunlicherweise ließ sich – entgegen den Ergebnissen ähnlicher Studien – auch analysieren, dass Frauen sogar etwas stärker profitierten als Männer: Unverheiratete Frauen hatten demnach eine 85 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Krebs als verheiratete oder vormals verheiratete. Bei Männern lag dieser Wert bei 70 Prozent.

Der Unterschied sei mutmaßlich teilweise dadurch zu erklären, dass Schwangerschaften und Stillen das Risiko für bei Frauen auftretende Krebserkrankungen – wie etwa Gebärmutterhalskrebs und teils auch Brustkrebs – senken, erklärt Forscher Pinheiro auf Nachfrage. Bei unverheirateten Frauen komme es häufiger vor, dass sie keine oder weniger Kinder bekämen. Allerdings erkläre dieser Effekt den Unterschied nur teilweise, weitere Forschung sei notwendig.

Besonders stark zeigte sich der Unterschied bei zwei Krebsarten: Bei erwachsenen, noch nie verheirateten Männern war die Analkrebsrate rund fünfmal so hoch wie bei den Verheirateten. Und bei noch nie verheirateten Frauen war die Gebärmutterhalskrebsrate fast dreimal so hoch wie bei den verheirateten. Beide Krebsarten können unter anderem durch HPV-Infektionen ausgelöst werden, weshalb sich hier der Studie zufolge mutmaßlich das tendenziell unterschiedlich gestaltete Sexualleben von Verheirateten und Unverheirateten bemerkbar machen könnte.

Auch der nicht an der Studie beteiligte Epidemiologe Volker Arndt vom Deutsches Krebsforschungszentrum vermutet die Gründe hierfür im Sexualverhalten – etwa durch eine höhere Anzahl an wechselnden Geschlechtspartnern sowie durch Analsex bei homosexuellen Männern. „Beides erhöht das Risiko für eine HPV-Infektion, die wiederum je nach Eintrittspforte das Risiko für eine Krebserkrankung im Bereich des Gebärmutterhalses, Anus, Penis, Vulva/Vagina und Mund-Rachen-Raums erhöht“, so der Experte.

Grundsätzlich gehen sowohl er als auch die Studienautoren von mehreren, ganz verschiedenen Faktoren aus, die für die Befunde der Studie eine Rolle spielen. So führt Arndt – wie auch die Forscher selbst – einen möglicherweise höheren Erfolg von gesünder lebenden Menschen bei der Partnersuche und damit auch bei der Eheschließung ins Feld.

„Auch Tiere suchen sich Partner, die körperlich fit und gesund sind und Potenzial für Nachwuchs bieten.“ Wer Kettenraucher sei und viel trinke, habe es bei der Partnersuche schwerer. „Da gibt es eine Art Selektion.“ Generell hält Arndt die Ergebnisse der Studie für auf andere westliche Länder übertragbar.

Das Forschungsteam der University of Miami betont, dass die Erkenntnisse nicht bedeuten, dass man heiraten müsse, um sein Krebsrisiko zu senken. Zudem sei die Aussagekraft der Studie dadurch begrenzt, dass unverheiratete Menschen in festen Partnerschaften nicht berücksichtigt wurden. Die Experten empfehlen Alleinstehenden jedoch, auf Risikofaktoren zu achten und regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen zu denken.

Larissa Schwedes, dpa/rc