
Der deutsche Einzelhandel hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr deutlich steigern können. Die Einnahmen seien um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Inflationsbereinigt liegt der Anstieg demnach bei 2,4 Prozent. Damit fiel er doppelt so hoch aus wie 2024 und war zudem der größte Zuwachs seit Beginn der Coronapandemie 2020.
Den Wiesbadener Statistikern zufolge trug ein starkes erstes Halbjahr zum Umsatzplus bei. Dabei kam demnach ein Sondereffekt zur Geltung: Durch die Umstrukturierung eines größeren Unternehmens im Internet- und Versandhandel kamen Umsätze dazu, die in Deutschland bisher nicht erfasst worden seien.
Handelsverband warnt vor Optimismus
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Verweis auf Brancheninsider, dass es sich bei dem Unternehmen um den US-Konzern Amazon handelt. Insgesamt seien dadurch die Einnahmen des Einzelhandels im ersten Halbjahr inflationsbereinigt um 3,8 und im zweiten um 1,1 Prozent gestiegen.
Der Sondereffekt lässt den Anstieg damit größer wirken, als er faktisch ist. „Insofern ist das noch keine solide Grundlage, um das Jahr 2025 für den Einzelhandel und seine Umsätze einzuordnen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth.
Zudem verwies Genth auf Erfahrungswerte, wonach das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung nachträglich häufig nach unten korrigiere. 2025 sei „für viele Handelsunternehmen ein eher schwieriges Jahr“ gewesen. „Die Konsumstimmung machte keine Fortschritte und konnte nie die Werte der Vor-Corona-Zeit erreichen.“
Einzelhändler enttäuscht von schwachem Weihnachtsgeschäft
Daten aus den letzten Monaten des Jahres stützen die Warnung des HDE. So war der Umsatz im November, der den Auftakt für das wichtige Weihnachtsgeschäft bildet, gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent geschrumpft, wenngleich der Rückgang inflationsbereinigt mit 0,6 Prozent milder ausfiel. Ökonomen waren jedoch von einem Wachstum von 0,2 Prozent ausgegangen. Auch viele Händler zeigten sich nachträglich mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäfts unzufrieden.
Der Verband fordert die Bundesregierung mit Verweis auf diese Werte zum Handeln auf. Für einen Stimmungswechsel beim Konsum sei etwa nötig, die Stromsteuer zu senken, Sozialabgaben zu deckeln und Haushalte mit mittlerem Einkommen zu entlasten, forderte HDE-Chef Genth.
