Konsolidierung, Kostendruck und neue EU Regeln

In der temperaturgeführten Lebensmittellogistik drängen zunehmend internationale Player nach Deutschland. Unternehmen wie NewCold, Constellation Cold Logistics sowie große US‑Konzerne wie Lineage Logistics oder Americold verfolgen ehrgeizige Wachstumsstrategien. Die Folge: Gerade mittelständische Familienunternehmen geraten verstärkt in den Fokus von Übernahmen.

Beispiele aus den vergangenen Monaten sind zahlreich: NewCold übernahm 2024 die Schüssler Spedition, während Constellation Cold Logistics im Dezember die Wohlert Spedition und Wohlert Kühl Logistik in Schleswig‑Holstein kaufte. Für die kommenden Jahre plant Constellation laut CEO Carlos Rodriguez bis zu zehn Standorte in Deutschland – durch Zukäufe und Neubauten.

  • Deutschland ist führender Absatzmarkt für temperaturgeführte Lebensmittel
  • Tiefkühlsegment wächst seit Jahren auf hohem Niveau
  • Internationale Finanzinvestoren wollen Strukturen bündeln und skalieren
  • Mittelstand steht vor Nachfolgefragen und Marktdruck

Parallel zur M&A‑Dynamik kämpft die Branche mit harten wirtschaftlichen Realitäten. Verbraucherrückgang, Handelsdruck und steigende Kosten treffen viele Dienstleister empfindlich. Preise des Handels geraten unter Druck, während Löhne, Energie und Diesel weiter steigen.
So berichten mittelständische Unternehmen von massivem Preisdruck durch den Handel, Kostensteigerungen, steigenden Dieselpreisen durch CO₂‑Bepreisung, volatilen Mengen durch mehr Aktionsgeschäft und Personalkosten, die durch Mindestlohnanhebungen weiter steigen.
Trotzdem gibt es auch optimistische Stimmen: Unternehmen wie Heidelmann und Ebeling prüfen neue Geschäftsfelder – etwa den Einstieg in die Pharmalogistik – oder setzen auf Digitalisierung, Automatisierung und Prozessoptimierung, um flexibel zu bleiben.

Kühlauflieger
Die EU fordert für Kühlauflieger CO2-Reduktionen von 10 Prozent bis zum Jahr 2030

© Foto: Kaufland

Neben wirtschaftlichen Faktoren sorgt die EU‑Verordnung 2024/1610 für zusätzliche Unsicherheit. Acht Trailer-Hersteller haben vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. Der Grund: Die neuen CO₂‑Ziele für Anhänger basieren auf dem Simulationsmodell VECTO‑Trailer, das aus Sicht der Hersteller praxisfern ist.Die EU fordert bis 2030 CO₂‑Reduktionen von 10 % bei Sattelaufliegern und 7,5 % bei anderen Anhängern. Obwohl Trailer selbst kein CO₂ ausstoßen, sollen sie durch Effizienzoptionen wie Aerodynamik, Leichtbau oder rollwiderstandsoptimierte Reifen die Emissionen der Zugmaschine senken.

Kritikpunkte der Hersteller

  • Aerodynamische Anbauteile sind im kombinierten Verkehr unbrauchbar
  • Simulation basiert auf einem generischen Standardtrailer
  • Echte Transportpraxis wird nicht berücksichtigt
  • Spezielle Fahrzeugtypen (z. B. Mega‑Trailer, Faltwand-Koffer) werden abgestraft
  • Schwerere, aber effizientere Multipurpose-Trailer schneiden schlechter ab
  • Gefahr von Mehrfahrten, statt CO₂‑Einsparungen
  • Absehbare Preissteigerungen von bis zu ca. 10.000 Euro pro Trailer
  • Risiko erheblicher Strafzahlungen ab 2030

Sollte die Verordnung bestehen bleiben, erwarten Branchenvertreter vor dem Stichtag X eine starke Vorziehnachfrage – gefolgt von einer jahrelangen Investitionsflaute. Für viele mittelständische Transportbetriebe könnte das zu einer finanziellen Belastungswelle werden.