Kommentar: Milliarde für den Sport? Gefährliche Verheißung

Kommt sie, oder kommt sie nicht? Ein bisschen wirkt es, als hätte der deutsche Sport unfreiwillig eine neue Disziplin für sich entdeckt: budgetäres Blümchenzupfen. Die Rede ist von der sogenannten Sportmilliarde, die in dieser Haushaltswoche auch im Bundestag in vieler Munde war, nur eben sehr unterschiedlich. Die einen sagten: Sie kommt. Die anderen fragten: Wo denn? Das darf man einerseits als das übliche politische Ritual begreifen. Aber andererseits ist es schon auch seltsam und aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger, die auf marode Sportplätze und Schwimmhallen blicken, ein wenig beunruhigend, wenn nicht einmal der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) so genau weiß, woran er damit ist.

Aber der Reihe nach: Als der Haushaltsausschuss vor zwei Wochen mit einem brandneuen Investitionsprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten aus seiner Bereinigungssitzung kam, klang das nach großem Wurf und eingelöstem Versprechen. „Die Sportmilliarde kommt“, hieß es von den Haushältern der Regierungsfraktionen, vom „Rückenwind“ für die 28 Millionen Vereinsmitglieder und damit „unsere ganze Gesellschaft“ sprach DOSB-Präsident Thomas Weikert, und auch Christiane Schenderlein, die Staatsministerin, stimmte in den Jubel ein, wenngleich die fraglichen Mittel gar nicht in ihrem Haus, sondern im Bauministerium bewirtschaftet werden: „Ein guter Tag für Sport-Deutschland.“

Kaum mehr als eine Absichtserklärung

Das war es in der gegenwärtigen Wirtschaftslage ohne Frage. Es ist nur so, dass das, was suggeriert und auch so rezipiert wurde, womöglich einen Haken hat. Im Haushaltsentwurf, den der Bundestag am Donnerstag verabschiedete, steht für das Programm nämlich nicht insgesamt eine Milliarde aus dem Sondervermögen des Bundes bis 2028 zu Buche, es sind 333 Millionen.

Staatsministerin Christiane Schenderlein (links) und Bundeskanzler Friedrich Merz beim Bundesausschuss der CDU im April 2025
Staatsministerin Christiane Schenderlein (links) und Bundeskanzler Friedrich Merz beim Bundesausschuss der CDU im April 2025dpa

Die Milliarde findet sich bislang lediglich im sogenannten Maßgabebeschluss, das ist zwar mehr als eine Absichtserklärung: ein konkreter Auftrag an die Regierung. Aber es ist eben noch keine Garantie. Zumal die Summe dort den kleinen, aber in der Politik nicht unwesentlichen Zusatz „bis zu“ trägt.

Begründet wird das mit haushalterischer Vorsicht: Man müsse ja erst einmal sehen, wie das Programm anläuft, ehe man die volle Summe verausgabt. Aber womöglich wird man haushalterische Vorsicht künftig auch noch auf etwas anderes beziehen müssen: Falls die kommenden Jahre unter völlig anderen wirtschaftlichen Vorzeichen stehen, als die Regierung sich das vorstellt.

Das Problem mit der „Sportmilliarde“ ist aber noch ein anderes: Dass sie schon einmal große Erwartungen geweckt hat, die dann nicht erfüllt wurden: Als sich im fertigen Koalitionsvertrag der kleine, aber ganz und gar nicht unwesentliche Zusatz „pro Jahr“ nicht mehr fand, der noch im Entwurf gestanden hatte – die stolze Summe also nurmehr geviertelt daherkam, als etwas bescheideneres Sümmchen. So droht das verheißungsvolle Wort, seit es in der Sportwelt ist, Enttäuschungen zu produzieren, selbst wenn eigentlich Erfreuliches zu berichten ist.

Käme die Milliarde nun auch in dieser Version nicht, wäre jedenfalls klar, wer sich die Hände reibt. Die AfD hat eine jährliche Auszahlung nur zu gern versprochen. Aus reiner Liebe zum Sport? Aus Enttäuschungen Gewinn zu ziehen, ist bekanntlich ihr Geschäftsmodell.