Kölner Dom kostet für Touristen ab Herbst Eintritt – Kultur

Der Dom. Es ist nicht allzu gewagt zu sagen, dass diese zwei Wörter genügen, um bei vielen Menschen in diesem Land rheinische Gefühle auszulösen. Augenblicklich fügen sie ein drittes Wort hinzu: Köln. Ja, Köln ist der Dom. Und der Dom gehört den Kölnern. Für sie ist er auch eine steinerne Erinnerung an ein Köln, das mal zu den größten und reichsten Städten Europas gehörte.

Zweifelsohne ist der Dom ein Geschenk für diese Stadt, die sich von den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bei Weitem nicht so ansehnlich erholt hat wie München oder Hamburg. Köln wurde zwar auf dem mittelalterlichen Stadtplan wiederaufgebaut, das Gewirr aus krummen Sträßchen und Gassen blieb erhalten, aber die Freiflächen wurde meist schnell und billig bebaut. Inmitten der bescheidenen Baukultur der Nachkriegsjahre erhebt sich dieses in sechs Jahrhunderten erschaffene gotische Wunderwerk, das jährlich mehr als sechs Millionen Besucher anzieht. Damit gehört der Dom zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Täglich vermischen sich die Ströme der Touristen mit denen der Gläubigen.

Das kostete bislang nur ein paar Minuten Wartezeit, wenn sich größere Reisegruppen am Eingang drängelten. In Zukunft aber soll es auch Geld kosten, wie das Domkapitel am Donnerstag bekannt gegeben hat. „Wir müssen unsere eigene Einnahmenseite steigern“, sagte Dompropst Guido Assmann. Der Dom verschlingt nämlich mehr Geld, als er einnimmt. Schon jetzt wird Eintritt für den Besuch der Domschatzkammer und für den Aufstieg in den Turm erhoben. Diese Einnahmen aber reichen dem Domkapitel nicht, um die Ausgaben auszugleichen: Die beliefen sich 2024 auf 14,2 Millionen Euro, die Einnahmen auf lediglich 14 Millionen. Das Minus soll nun mit dem Eintrittsgeld ausgeglichen werden. Für Gottesdienste und Gebete soll der Dom weiterhin frei zugänglich sein.

Werden Kölner ein Sonderbetretungsrecht erhalten?

Wie hoch der Eintritt sein wird, der von der zweiten Jahreshälfte an fällig werden soll, ist bisher nicht entschieden. Das Domkapitel arbeitet auch noch an der praktischen Umsetzung, wie man zwischen Menschen, die den Dom aufsuchen, um dort Zwiesprache mit Gott zu halten, und Touristen unterscheiden kann. Es soll ja Besucher geben, die nicht nur fotografieren, sondern auch beten. Nicht zu vernachlässigen bei diesen Überlegungen dürfte auch sein, wie mit Menschen zu verfahren sein wird, die irgendwann im Laufe des Tages einfach mal für ein paar Minuten die Atmosphäre des sakralen Raums aufnehmen wollen, als Inspiration, als kurzes Innehalten inmitten des täglichen Trubels, den diese abseits des Doms sehr lebendige Stadt zu bieten hat.

Werden Kölner vielleicht ein Sonderbetretungsrecht erhalten, auch wenn sie Protestanten sind oder Atheisten? Und was ist mit den anderen großen romanischen Kirchen dieser Bischofsstadt? Werden sie nachziehen? Oder lassen die Touristen den Dom links liegen und ziehen gleich nach St. Andreas weiter, um dort die Glasmalereien von Markus Lüpertz zu bewundern oder den Flügelaltar von Bartholomäus Bruyn dem Älteren in St. Severin? Der Dom wurde bekanntlich nicht an einem Tag erbaut. Mal sehen, wie lange es dauern wird, den kostenpflichtigen Eintritt zu organisieren.