
Deutschland hat im vergangenen Jahr zwar seine Klimaziele eingehalten, allerdings nur knapp. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 wurden im Jahr 2025 insgesamt 0,1 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen. Das geht aus der deutschen Klimabilanz 2025 hervor, die Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mit dem Umweltbundesamt vorstellte. Der Rückgang klimaschädlicher Emissionen habe sich verlangsamt, teilte das Umweltbundesamt mit.
Der Rückgang fiel damit noch geringer aus als nach vorläufigen Zahlen vom Januar angenommen. Nach den UBA-Daten emittierte Deutschland im vergangenen Jahr rund 649 Millionen Tonnen sogenannter CO₂-Äquivalente. Damit wurde die nach Klimaschutzgesetz zulässige Gesamtmenge um rund 12,8 Millionen Tonnen unterschritten. Die Emissionen sanken damit um 0,9 Millionen Tonnen.
„Der Blick auf das Jahr 2025 zeigt ein gemischtes Bild“, sagte Minister Schneider. „Bei den Emissionen waren die Fortschritte zu langsam“, sagte er. Positiv wertete er „eine gestiegene Akzeptanz für Klimaschutztechnologien“ wie Elektroautos und Wärmepumpen. „Und es gibt so viele neu genehmigte Windkraft-Projekte wie nie zuvor. Das macht Hoffnung, dass die Fortschritte in den nächsten Jahren wieder größer werden“, fügte Schneider hinzu.
Grüne und Umwelthilfe werfen Regierung Scheitern bei Klimazielen vor
Für das Jahr 2030 und vor allem für die Zeit danach sind die Klimaziele demnach nur durch zusätzliche Anstrengungen erreichbar. Bis 2030 will die Bundesregierung den Ausstoß an Treibhausgasen um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 verringern. Dieses Ziel sei „noch zu erreichen“, sagte Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamts. „Das geht, aber wir müssen uns anstrengen.“
Kritik an der vorgelegten Klimabilanz kommt von den Grünen der Deutsche Umwelthilfe (DUH). Die Klimaleistung von Schneider erschöpfe sich im Lob vergangener Erfolge, sagte die klimapolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Badum. Die Erfolge der vorherigen Ampelkoalition für die Energiewende seien akut gefährdet, da die neue Bundesregierung die Dynamik massiv ausbremse.
„Der Ball war auf dem Elfmeterpunkt und wird aktuell von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundeskanzler Friedrich Merz ins Aus geschlagen“, sagte Badum. Das Klimaziel 2030 werde mit dem „Abwürgen der Energiewende“ definitiv nicht erreicht.
Lücken sind besonders groß beim Verkehr und Gebäude
Auch die Deutsche Umwelthilfe warnte, Deutschland werde seine Klimaziele deutlich verfehlen. Der neue Projektionsbericht der Bundesregierung zeige eine drohende Gesamtverfehlung von 255 Millionen Tonnen CO₂ bis 2030 in den Sektoren außerhalb des Emissionshandels. Besonders gravierend sei die Lücke in den Sektoren Verkehr und Gebäude. Dadurch drohten Deutschland nach dem EU-Regelwerk für verbindliche Emissionsziele Strafzahlungen in Milliardenhöhe. „Der Projektionsbericht belegt schwarz auf weiß die Klimablockadepolitik der Bundesregierung“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Besonders umstritten ist das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) der Koalition. Nach einer Berechnung des Öko-Institut, auf die sich Badum bezog, könnte allein dieses Gesetz Klimafolgekosten von bis zu 186 Milliarden Euro verursachen.
„Der Gebäudesektor ist und bleibt die größte klimapolitische Herausforderung für die Bundesregierung“, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz. Außerdem verwies die DUH auf ein früheres Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das die Regierung bereits verpflichtet hat, zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen vorzulegen.
