
Witzig, witzig,
aber leider nicht ausreichend witzig, und darüber kann man auch mal ein Wort
verlieren: Klaus Lederer, früher Kultursenator in Berlin, absolviert in der Bar
jeder Vernunft, tief im Westen der Stadt, ein Kleinkunstprogramm. Die Vorfreude
ist groß. Begleitet vom Bratschenquartett der Staatsoper rechnet er der
Opernliteratur, besonders Richard Wagner und dem Ring des Nibelungen,
all jene ungezählten Rechtsverstöße vor, die wir im Parkett überhaupt nicht
schlimm finden und auf den Rängen sogar genießen. Raub, Mord, Totschlag,
Betrug, Ehebruch und so weiter, niedere Motive und besondere Verwerflichkeit.
Im Ring ist es am schlimmsten: Alberich klaut, Wotan trickst, Fafner brudermordet,
Siegfried killt ebenfalls, und Sigmund und Sieglinde tun das, was Geschwister
nie tun dürfen. So geht es sechzehn Stunden lang. Das ist alles
jugendgefährdend.
