Sebastian Stüber war richtig sauer. „Wir müssen reden“, sagte der Leiter der Mainzer Hochschulgastronomie in einem Video, das das Mainzer Studierendenwerk Mitte Januar auf Instagram teilte. Doch bevor wir uns der inhaltlichen Auseinandersetzung widmen, zunächst mal ein Kompliment an Herrn Stüber. Denn will man jungen Menschen, die bis vor Kurzem noch im Elternhaus gewohnt haben, die Dringlichkeit eines Themas bewusst machen, kann man wohl kaum bessere Worte wählen als diese: Wir. Müssen. Reden. Hernach weiß jedes Kind: Jetzt gibt’s Ärger.
Und Ärger gab’s. Laut Stüber klauen die Mainzer Studierenden, gerade die Erstsemester, nämlich „wie die Dummen“, so sagte er das dem Spiegel. Von den 500 Kuchentellern, die erst kürzlich angeschafft worden seien, fehlten rund 450. Von den mehr als 1500 Schälchen für Pommes seien nur noch ungefähr einhundert da. Messer und Gabeln fehlen angeblich sogar zu Tausenden. Sebastian Stüber, fassungslos: „Die denken wirklich, alles am Campus ist einfach da.“
Kurzzeitig, so berichtete die FAZ, seien als Reaktion auf diese Zustände die Pommes-Portionen rationiert worden, vordergründig weil die entsprechenden Schälchen nicht verfügbar waren. Es erscheint aber auch nicht völlig undenkbar, dass die Maßnahme erzieherischen Charakter hatte. Dazu muss man vielleicht wissen, dass die Pommes in Mainz immer mindestens okay schmecken. Alles andere ist, na ja, tagesformabhängig, so zumindest die Erfahrung des Autors dieser Zeilen, der immerhin vier Jahre lang an der Mainzer Universität studiert hat.
Wo aber sind sie denn jetzt, die Teller, die Schälchen und die Gabeln? Bei Sebastian Stüber klang das ja zunächst so, als stecke kriminelle Energie dahinter. Inzwischen differenziert das Studierendenwerk. Man gehe davon aus, dass viele der Gegenstände das Uni-Gelände gar nicht verlassen haben, sondern schlicht nie in die Mensa zurückgebracht worden sind, nachdem Studierende ihr Essen anderswo verzehrt haben. Aber, das soll ebenfalls Teil des Problems sein, einiges von dem Geschirr vermutet man auch in WG-Küchen. Klar, das wäre ärgerlich – und andererseits nicht völlig überraschend in einer Stadt, in der die Zimmerpreise für Studierende immer weiter steigen.
Jetzt aber zum Schönen an dieser Geschichte: Es ist Besserung in Sicht. Sein wütendes Video hat Sebastian Stüber inzwischen löschen lassen, und auch eine angedrohte Preiserhöhung fürs Essen scheint vom Tisch. Stattdessen hat das Studierendenwerk die Studis vergangene Woche zu einer Gesprächsrunde geladen. Und siehe da, es gibt erste Lösungsansätze. Fortan soll es zweimal im Jahr einen „Back-to-Mensa-Day“ geben, an dem Freiwillige den Campus nach verlorenem Geschirr durchkämmen. Außerdem will das Studierendenwerk künftig zu Semesterbeginn Geschirr-Sets zum Sonderpreis verkaufen, damit niemand mehr Teller aus der Mensa mit in die WG nehmen muss.
Gut, dass man geredet hat.
