Auf einer Bonbon-Welt im All bandelt die introvertierte Saira, Tochter zweier Königinnen, mit einer kaltschnäuzigen Narzisstin an, um nicht in kauziger Schüchternheit zu verschmoren („Ich bin die langweiligste Prinzessin in der Geschichte von Clitopolis“, akzeptiert sie seufzend einen Volksentscheid). Die Narzisstin lässt Saira leider sitzen und wird kurz danach von drei ausgesucht flachen Burschen entführt, die Saira im Austausch gegen die Gefangene eine mystische Seelenwaffe von höchster Symbolschärfe abluchsen wollen (zweischneidige Axt! Feminismus!).
Baut man diese Waffe in ein spezielles Gerät ein, zieht der „Mädelsmagnet“ Paarungsoptionen für die drei Pfosten an Land. Saira aber besorgt sich ein denkendes Raumschiff mit Problempersönlichkeit („Meine früheren Piloten hatten recht, man kann einem Weibsbild nicht trauen!“), um die Exfreundin zu befreien, und liest unterwegs eine nichtbinäre Person namens Willow samt Pokémon-Öhrchen und Wandergitarre auf. Nach einer Bruchlandung manifestieren sich Selbstzweifel als zähe Plage („Gloom Goo“, in der vortrefflichen deutschen Synchronisation: „Depri-Glibber“), und auch das brutale Strahlenwaffen-Gefecht mit einer fliegenden Penis-Festung will überlebt sein. Zum Schluss findet Saira, die sich als Belohnung ihrer Heldinnentaten die erotische Erfüllung und einen höheren sozialen Status als bisher erhofft, stattdessen etwas Besseres.
Das ist (unter Auslassung vieler Freuden im Detail) die Handlung des Trickfilms „Lesbian Space Princess“, weder abstruser noch blöder als die von „Star Wars“, aber viel niedlicher inszeniert. Das Wort „liebevoll“ wird bunten, menschenfreundlichen Filmen gern automatisch angeklebt. Bei „Lesbian Space Princess“ passt es auch, jedenfalls dann, wenn man darunter eine zärtlich versponnene Pingeligkeit versteht, die viele Einfälle zum stimmigen Gesamtspaß zusammenpuzzelt: kurios ernsthafte und zugleich behutsam ironisierte Klampfenmusik, brettharte Breitwand-Flächigkeit mit eingedrehten Tiefen- und Raumdreh-Illusionen, Schummerschatten satter Farben und mancherlei Naschzeug mehr.
Emma Hough Hobbs und Leela Varghese haben ihr gemeinsam verfasstes Drehbuch im Duett als Herausforderung an das seelenlose Pointengeklapper umgesetzt, auf das ein marktgängiges Missverständnis die einst revolutionäre „Simpsons“- und „Futurama“-Ästhetik mittlerweile heruntergebracht hat. Der frische Wind, der ihre Komödie animiert, macht nicht nur gute Laune, sondern schüttelt sogar Erkenntnisse aus dem Stoff. Als Saira beispielsweise am Rand einer entgrenzten Dauerparty beinahe im Tränenstrom einer unglücklichen Heterosexuellen ersäuft, die schluchzend von der Unwucht ihrer Beziehung erzählt, muss sie sich im Leid der Fremden erschrocken wiedererkennen.
Die Szene weiß und zeigt: Sorgen und Seligkeiten, die von den Normen der Mehrheitsgesellschaft abweichen, sind für sich genommen keineswegs Impfungen gegen Verspießerung. Die widerfährt vielmehr auch Leuten, die kollektiv mies behandelt werden. Der kritische Blick Benachteiligter, vom Erlittenen geschärft, enthält jedoch die Chance zur (hier auf ansteckend witzige Weise erlebten) Selbstreflexion. Die mühsam eroberte und verteidigte Abweichung vom Vorgegebenen, so zwischen Bettelbohème, politischer Opposition, Furry-Fandom und Onlinespielsucht, muss das Leben und Lieben mühsam und unter mal freundlichen, mal furchtbaren Menschen lernen – wie alle anderen Sterblichen. In dieser Wahrheit steckt ein Universalismus, der bedeutsame Unterschiede nicht leugnet, sondern ihre wirkliche Tragweite erst fühlbar macht: Sie sind nur Kleinigkeiten, gemessen am Kosmos; aber ohne sie wäre der leer.
