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Ich lästere ja
wirklich gern darüber, wie oft künstliche Intelligenz (KI) als großer
Alltagsverbesserer gepriesen wird, es am Ende aber oft nicht ist. Am
vergangenen Wochenende erwies sich die KI dann doch einmal als nützlich: Ein
Programm, das ich für den Großteil meiner persönlichen Buchhaltung nutze,
funktionierte nicht mehr. Bis der Hersteller eine offizielle Lösung
bereitstellt, sollen Monate vergehen. Also habe ich das Problem selbst in die
Hand genommen – und gevibecodet. Und siehe da, mit Claude und OpenAI Codex im
Verbund (niedlich, wie sich die Agenten gegenseitig korrigierten) lief mein
Programm wieder. Sollten Sie also beim Finanzamt Hamburg arbeiten, kann ich Sie
beruhigen: Meine Steuererklärung kommt. Bald.
Das müssen Sie wissen: Teenager verklagen xAI wegen Grok-Bildern
Hey Grok, zieh
ihr einen Bikini an: Das posteten um den Jahreswechsel Nutzer massenhaft auf
der Plattform X. Daraufhin generierte Grok, die KI von Elon Musks Unternehmen
xAI, Millionen sexualisierter Bilder von Frauen und wohl auch von Minderjährigen.
Teils soll Grok auch Nacktbilder produziert und veröffentlicht haben – eine Maschine
für sexualisierte Deepfakes.
Nun haben drei
Teenager in den USA eine Klage gegen xAI eingereicht. Bei allen dreien soll
Grok benutzt worden sein, um aus Bildern von ihnen, die in der Schule oder von
der Familie aufgenommen wurden, Nacktfotos zu machen. Der Klageschrift nach
wurden die Bilder auf Discord und Telegram weiterverbreitet, was, so die
Anklage, zu emotionalem Leid und öffentlicher Belästigung der Betroffenen
geführt habe. „Elon Musk und xAI haben Grok bewusst so konzipiert, dass es
sexuell eindeutige Inhalte zur finanziellen Bereicherung produziert, ohne
Rücksicht auf die Kinder und Erwachsenen, denen dadurch Schaden zugefügt wird“,
sagte Anwältin Annika Martin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Washington
Post hatte zuerst über die Klage berichtet. Der Zeitung nach wollte Musk
bewusst sexualisierte Inhalte auf Grok ermöglichen, um die Popularität
seines Chatbots zu steigern. In der Folge erschienen
auf der Plattform X von Elon Musk auch sexualisierte Bilder von Prominenten.
Das war Anfang des Jahres weltweit scharf kritisiert worden, etliche Länder
hatten Sperren und Ermittlungen angekündigt. Danach wurde die Funktion deutlich
eingeschränkt.
Derweil nimmt
die Europäische Union (EU) die Sache selbst in die Hand: Am Mittwoch einigten
sich die zuständigen Ausschüsse des EU-Parlaments auf eine Anpassung des Gesetzes
zur künstlichen Intelligenz. Künftig sollen KI-Anwendungen verboten sein, mit
denen sexualisierte Bilder von Menschen ohne deren Einwilligung hergestellt
werden können. Nächste Woche soll das EU-Parlament darüber abstimmen.
Darüber sollten Sie nachdenken: Nvidia begeistert und verstört
Immer wenn
ich diesen Newsletter schreibe, gibt
Nvidia die nächste steile Erfolgsmeldung bekannt. So auch diese Woche: Auf
seiner jährlichen Entwicklerkonferenz GTC teilte das Unternehmen mit, bis Ende
2027 mit Chipbestellungen im Wert von mindestens einer Billion US-Dollar zu
rechnen. Umgerechnet sind das rund 868 Milliarden Euro, die Nachfrage nach Rechenleistung
sei „um das Millionenfache“ gestiegen, sagte CEO Jensen Huang.
In meinen
Timelines dominierte aber ein anderes Thema von der GTC: Nvidia stellte dort
nämlich auch die neueste Generation seines Deep Learning Super Sampling vor,
DLSS 5. Für Nicht-Gamer: Beim DLSS rechnet KI ein niedrig aufgelöstes Bild auf
eine höhere Auflösung hoch (upscaling), damit sind grafisch
anspruchsvollere, flüssigere Spiele möglich. DLSS 5 geht nun einen Schritt
weiter, es soll die gesamte Beleuchtung und Darstellung aufwerten. Die Unterschiede, die
der Konzern in ersten Demovideos zeigte, sind enorm. Nvidia spricht vom „bedeutendsten
Durchbruch in der Computergrafik“ in den vergangenen acht Jahren, von
Fotorealismus und einer Qualität wie bei „Hollywood-Spezialeffekten“.
Viele Gamer
sehen das allerdings anders. „Ist das schon ein Aprilscherz?“, „ein schlechter
KI-TikTok-Filter“ und immer wieder: „AI Slop„, also billig produziertes
KI-Zeug, lauteten die Vorwürfe bei YouTube, auf Reddit und anderen Plattformen.
Jensen Huang widersprach der Kritik natürlich: „Sie haben völlig unrecht“,
sagte er auf der GTC. Die Entwickler von Videospielen sollen die volle künstlerische
Kontrolle behalten, nicht die KI, versprach er.
Unabhängig
davon, wie fotorealistisch die Grafik nun wirklich ist: Womöglich drückt sich
in der Kritik der Gamingszene auch eine grundsätzliche Skepsis gegenüber KI
aus, die derzeit lauter zu werden scheint. Spiele, ihre Charaktere und ihre
Entwickler liegen vielen Gamern am Herzen – da möchte man sie nicht einfach
durch einen KI-Filter gezogen sehen. Nvidia hat noch bis zum Herbst Zeit, die
Gemüter zu beruhigen, dann soll DLSS 5 erscheinen.
Das können Sie ausprobieren: die neue Foto-KI im Samsung S26
Über die neuen
Samsung-Handys habe ich an
dieser Stelle schon einmal kurz geschrieben. Nun konnte ich die Smartphones
ausführlich testen. Während die neue sogenannte
„Now Nudge“-Funktion, die mir in meinen Chats Termine oder
Fotos vorschlagen soll, das im Test nie tat, fand ich die neuen KI-Fotooptionen
der Handys sehr bemerkenswert.
Schon länger kann
man bei Samsung störende Objekte mit einem Wisch entfernen. Das scheint nun immer
besser zu funktionieren. Bislang war das Hinzufügen einzelner Elemente – zum Beispiel
einer Person auf dem Foto einen Hut aufmalen – nur anhand von Skizzen möglich. Beim
S26 kann man jetzt auch sehr simpel mit Textprompts Bilder bearbeiten. In
meinem Test funktionierte das problemlos: „Entferne den Mülleimer“, „Hänge ein
Plakat an die Wand“, die KI tat’s im Handumdrehen. Auf der anderen Seite lädt
gerade das natürlich auch zu missbräuchlichem Verhalten ein. Siehe oben.
Ein paar
Sicherheitsschranken hat Samsung aber anscheinend eingebaut. Personen in
Bikinis zu stecken, gelang mir glücklicherweise nicht. Und doch gab mir die
Funktion ein mulmiges Gefühl. Von: ein Feature mit „Sie möchten
ein Outfit, das besser zu Ihrer Stimmung passt?“ zu bewerben, zu: jeder Person
ungefragt einen Bikini anziehen, ist es nicht furchtbar weit. Dazu lassen sich
KI-Systeme oft einfach austricksen. Einen brennenden Helikopter wollte mir die
KI verbieten, einen Helikopter „mit Flammen“ konnte ich aber in ein reales Bild
von einem Park in Hamburg hineinprompten.
Ich konnte auch
Bilder von Prominenten herunterladen und sie mit meinen eigenen Fotos kombinieren.
Die KI erzeugte problemlos ein Bild von mir, das mich Arm in Arm mit einem sehr
bekannten Sexualstraftäter zeigt. Oder ließ selbigen verurteilten
Sexualstraftäter dem derzeitigen US-Präsidenten einen Luftkuss zuwerfen. Ich halte
es für gefährlich, solche Möglichkeiten in die Hände aller zu legen. Und hoffe
ehrlich, dass Kameras auch künftig noch Linsen eingebaut haben. Und nicht nur
LLMs.
