

Es ist noch keinen Monat her, da schrieb Donald Trump auf seiner Plattform, er habe Hunderte Millionen Dollar gesammelt, um das „Trump Kennedy Center“ zur besten Kulturinstitution der Welt zu machen. Vor einem Jahr sei das Konzerthaus finanziell und baulich marode gewesen, aber „wartet, wie es in einem Jahr aussieht“, schrieb der Präsident. Es werde wie ein Phönix aus der Asche auferstehen. Sechsundzwanzig Tage später kündigte Trump die Schließung des Kennedy Centers an – für etwa zwei Jahre. Offiziell geht es laut der Stellungnahme des amerikanischen Präsidenten dabei um Renovierungsarbeiten, die „nicht annähernd so gut“ und so schnell durchgeführt werden könnten, würde man das Konzerthaus nicht für Besucher schließen.
Doch die Schließung kommt auch zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Künstler die Zusammenarbeit mit der 1971 eröffneten Institution verweigern, die Trump unter seine Schirmherrschaft gestellt und nach einer Abstimmung des in weiten Teilen von ihm besetzten Verwaltungsrats nach sich selbst benannt hat. Schon im Herbst vergangenen Jahres wurden nach einer Analyse der „Washington Post“ so wenige Tickets verkauft wie seit drei Jahre nicht mehr. Im September und Oktober wurden demnach nicht einmal sechzig Prozent aller Tickets verkauft, inklusive Freikarten. Im Herbst 2024 waren es noch mehr als neunzig Prozent. Allein in den vergangenen vier Wochen gaben knapp ein Dutzend Künstler und Ensembles bekannt, ihre Zusammenarbeit mit dem „Trump Kennedy Center“ aufzugeben, unter ihnen die „Washington National Opera“, die nach 55 Jahren in eine vorübergehende Spielstätte umzog.
„Kein Platz für Politik in der Kunst“
In einer Stellungnahme hieß es, man habe das Kennedy Center einvernehmlich verlassen. Die Entscheidung sei wegen der neuen Richtlinie getroffen worden, dass alle Produktionen künftig vollständig vorfinanziert sein müssten. Das sei nicht realistisch. Richard Grenell, früherer amerikanischer Botschafter in Deutschland und seit vergangenem Jahr Interimsgeschäftsführer des Kennedy Centers, stellte das anders dar. Man habe die Zusammenarbeit beendet, um Opernensembles aus der ganzen Welt einladen zu können.
Andere Künstler wie der amerikanische Komponist Philip Glass wurden in ihrer Absage deutlicher. Glass schrieb in der vergangenen Woche, er ziehe die Weltpremiere seiner für das National Symphony Orchestra geschriebenen Oper „Lincoln“ zurück. Sie sei ein Porträt Abraham Lincolns, „und die Werte des Kennedy Centers stehen heutzutage in direktem Konflikt mit der Botschaft dieser Symphonie“. In einer Stellungnahme der Öffentlichkeitsarbeit des Konzerthauses hieß es daraufhin, man habe „keinen Platz für Politik in der Kunst“. Wer zu Boykotten aufrufe, treffe die falsche Entscheidung.
Trump hatte vor seiner zweiten Präsidentschaft nach eigener Aussage nie eine Vorstellung im Kennedy Center besucht. Doch die Übernahme des Hauses, das der Kongress nach John F. Kennedys Ermordung in seinem Gedenken als „lebendiges Denkmal“ geschaffen hatte, ist Teil von Trumps Bemühen, sich bis 2029 an möglichst vielen Orten in der amerikanischen Hauptstadt zu verewigen. Trumps Name wurde noch an dem Tag an dem weißen Marmorbau am Potomac angebracht, an dem der Verwaltungsrat für die Umbenennung stimmte. Der wiederum hätte eigentlich der Kongress zustimmen müssen. Doch Trump hat sich in seinem ersten Jahr mehrfach über Gepflogenheiten und Regeln für die Umgestaltung Washingtons hinweggesetzt.
Ein gigantesker Ballsaal und der größte Bogen der Welt
Im Falle des East Wings des Weißen Hauses hatte Trump öffentlich versichert, man werde die Geschichte des Baus ehren und ihn unangetastet lassen. Wochen später wurden seine Bauvorhaben bekannt, als amerikanische Medien Fotos von Bulldozern veröffentlichten, die den gesamten Flügel abrissen.
Trotz heftiger Kritik und einer Klage zum sofortigen Stopp der Bauarbeiten blieb der Präsident bei seinem Plan, dort einen gigantesken Ballsaal zu errichten, der in seinen Ausmaßen weit über die vorhandenen historischen Gebäudestrukturen hinausgehen soll. Vergangene Woche erst sprach er von dem „Geschenk“, das er dem Land damit mache. Die nach seiner Aussage etwa „300 bis 400 Millionen Dollar“ Baukosten werden ausschließlich von Spendern getragen. Es sei ohnehin zu spät, fügte der Präsident in seinen Bemerkungen an: Baumaterialien seien schon bestellt, es gebe keinen „vernünftigen Weg zurück“.
Trumps jüngstes Vorhaben für Washingtons Stadtbild ist offenbar ein Bogen nach dem Vorbild des Triumphbogens in Paris. Am Wochenende sagte er vor Journalisten, er habe vor, den größten Bogen der Welt zu errichten. Man sei die größte und mächtigste Nation, also müsse es auch das „größte Projekt aller Zeiten“ werden. Wenige Tage zuvor hatte er kommentarlos drei Entwürfe von Bögen auf seiner Plattform veröffentlicht, alle drei weiß, einer von ihnen mit Goldverzierungen.
Laut einem Bericht der „Washington Post“ soll der Bogen 75 Meter hoch werden, also 250 Fuß in Anspielung auf den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit in diesem Jahr. Und damit 25 Meter höher als der Arc de Triomphe. Er könnte demnach am Ufer des Potomac-Flusses auf der Achse des dreißig Meter hohen Lincoln Memorial zum Arlington National Cemetery stehen. In einer Stellungnahme des Weißen Hauses nach dem Artikel der „Washington Post“ hieß es, der Bogen würde zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Welt. Trumps „kühne Vision“ werde Amerikas Selbstverständnis prägen „und über Generationen hinweg“ zu spüren sein. Das dürfte ganz in Trumps Sinne sein.
