Karolin Kandler und Jule Gölsdorf über Botox, Kinder und mehr

Frauen und grausame Verbrechen: Passt nicht zusammen? Doch. Das zeigen die beiden bekannten TV-Moderatorinnen Karolin Kandler (40, u. a. „Tagesschau„) und Jule Gölsdorf (50, „Newstime“). Die beiden Journalistinnen führen bereits einen erfolgreichen True-Crime-Podcast zusammen.

Ab 13. Februar startet zudem das neue TV-Format der Moderatorinnen „Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime“ bei Kabel Eins. Die AZ hat mit ihnen über den Druck auf Frauen im Scheinwerferlicht, Schönheitseingriffe und die Angst vor dem Altern gesprochen.

AZ: Frau Kandler, Frau Gölsdorf, warum lieben gerade Frauen True Crime so sehr?
KAROLIN KANDLER: Eine Theorie besagt, dass sich gerade Frauen auf brenzlige Situationen vorbereiten wollen, das heißt: Wie kann ich mich im Ernstfall schützen? Wobei das auf mich nicht zutrifft! Ich bin ja auch True-Crime-Konsumentin und mich fasziniert einfach, dass es „das Böse“ so häufig unter uns gibt. Wir wollen wissen, warum ein Mensch zum Mörder geworden ist.

Frau Kandler, Sie sind vor Kurzem 40 geworden, Frau Gölsdorf, Sie 50: Ein Klischee, das gerade Frauen gerne zugeschrieben wird, ist die „Angst“ vor runden Geburtstagen – wie war das bei Ihnen?
KANDLER: Wir beide haben mit diesen Zahlen absolut kein Problem. Ich fühle mich jetzt wohler in meinem Körper und mit mir selbst, als in meinen 20ern, in denen es viel mehr Dinge gab, mit denen ich gehadert habe. Man wird mit den Jahren einfach souveräner und ich bin eher dankbar, älter zu werden.
JULE GÖLSDORF: Ich finde die Zahl 50 eher unwichtig. Aber es stimmt schon: Es gibt diese Wahrnehmung, dass das Altern gerade für Frauen ein großes Thema ist. Ich wurde kürzlich häufiger gefragt – auch von Journalisten – „Sollen wir überhaupt thematisieren, dass du schon 50 bist? Man muss die Leute ja nicht mit der Nase darauf stoßen“. Auch auf Instagram gab es Glückwünsche, aber auch Kommentare wie: „Wow, für 50 siehst du aber noch gut aus“. Das sagt doch alles!
KANDLER: Oder die Kommentare zur Premiere des neuen „Bridget Jones“-Films bei TikTok: Es wurde eigentlich nur bei Renée Zellweger beurteilt, wie sie aussieht und wie sie gealtert ist, bei Hugh Grant gab es diese Kommentare nicht, oder nur ganz wenige. Bei uns Frauen scheint es das Wichtigste zu sein, wie wir aussehen, bei den Männern nimmt man das Altern als selbstverständlich hin.

Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime:  Karolin Kandler und Jule Gölsdorf posieren für ihr Podcastformat.
Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime: Karolin Kandler und Jule Gölsdorf posieren für ihr Podcastformat.
© Joyn/Ann-Sophie Wanninger
Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime: Karolin Kandler und Jule Gölsdorf posieren für ihr Podcastformat.

von Joyn/Ann-Sophie Wanninger

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Gutes Stichwort: Sie stehen beide regelmäßig vor der Kamera. Wie steht es um den Druck, immer gut aussehen zu müssen?
GÖLSDORF: Was ich bei mir beobachte: Ich habe mich an ein „On-Air-Gesicht“ mit tollem Make-up und gut gemachten Haaren gewöhnt. Und wenn ich dann manchmal morgens in den Spiegel schaue, denke ich: „Heute sehe ich aber müde aus“ – dabei bin ich nur ungeschminkt. Den Druck macht man sich aber meistens selbst. Deshalb habe ich mir Botox in die Zornesfalte spritzen und mir die Schlupflider operieren lassen, um möglichst frisch auszusehen. Mir ist mein Aussehen natürlich nicht egal, wir sollten aber weniger darauf achten, besonders perfekt auszusehen, sondern mehr auf den gesundheitlichen Aspekt schauen. Das ist mir beim Thema Altern sehr viel wichtiger, denn ich wäre mit 85 schon gerne in der Lage, einen Marathon zu laufen! Einfach weil ich das Leben liebe und möglichst lange fit bleiben möchte.

Apropos Druck: Noch so ein Thema, gerade bei Frauen, die beruflich erfolgreich sind, ist das Kinderthema. Frau Kandler, Sie haben zwei Kinder, sehen Sie sich damit konfrontiert? Mit diesem Drahtseilakt Karriere machen und gleichzeitig eine gute Mutter sein?
KANDLER: Absolut! Man ist ständig hin und her gerissen zwischen den unterschiedlichen Aufgaben: Ich möchte natürlich für meine Kinder da sein und sehen, wie sie aufwachsen, sie bei allen wichtigen Schritten begleiten. Aber gleichzeitig möchte ich natürlich auch meinen Job gut machen, den ich liebe und dem ich mit Leidenschaft nachgehe. Und ich möchte auf nichts verzichten. Das ist eine tägliche Challenge.

Frau Gölsdorf, Sie haben keine Kinder. Wie oft hören Sie umgekehrt die Frage, warum nicht?
GÖLSDORF: Oft genug – und auch da schwingt eine Bewertung mit – frei nach dem Motto: War dir die Karriere wichtiger? Und auch eine mögliche Schwangerschaft ist häufig Thema. Wenn ich im Fernsehen den Bauch mal nicht einziehe, schreiben Zuschauer: Bist du schwanger? In meinem Alter ja eher unwahrscheinlich. (lacht).

War das eine bewusste Entscheidung?
GÖLSDORF: Es hat sich einfach nicht ergeben. Ich hätte aber auch nichts dagegen gehabt, Mutter zu werden. Ich mag das Familienleben, verstehe mich total gut mit meinen Eltern und bin auch gern mit Kindern zusammen. Aber es ist gut so, wie es jetzt ist, jetzt bin ich glückliche Hunde-Mama (lacht). Aber schon bei ihm habe ich ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich zu wenig Zeit für ihn habe.

Gibt es etwas, das Sie im Rückblick auf Ihre bisherigen Karrieren gerne anders gemacht hätten?
GÖLSDORF: Es wäre schön, wenn wir uns früher kennengelernt und den Podcast schon vor Jahren gestartet hätten. Ansonsten bereue ich nichts und bin extrem dankbar für die vielen spannenden Jobs, die ich im Laufe meiner Karriere machen durfte.
KANDLER: Das sehe ich ganz ähnlich. Klar, jeder scheitert mal an irgendeiner Stelle, bekommt mal einen Job nicht oder erlebt eine Niederlage. Ich glaube aber, wenn dir alles nur so zufällt, dann kannst du das, was du erreicht hast, auch nicht wirklich wertschätzen.

Mit ihrem Podcast „Sisters in Crime“ sind die Journalistinnen auf Live-Tour auch in München: am 7. Mai in der Black Box. Tickets gibt’s online unter myticket.de.