Karin Bergmann wird Intendantin der Salzburger Festspiele


Das war, was man landläufig wohl eine „schwere Geburt“ nennt: Karin Bergmann übernimmt die Leitung der Salzburger Festspiele. Also just jene Kandidatin, die der unlängst zurückgetretene Intendant Markus Hinterhäuser als seine Favoritin für die Leitung der Schauspielsparte nominiert hatte – an den festgelegten Gremien und Verfahren vorbei, wie von der „Kronen Zeitung“ Ende Januar kolportiert wurde. Eine Entscheidung, die ihn am Ende seinen Posten gekostet hat, die nun aber paradoxerweise von Hinterhäusers Widersachern sogar noch bekräftigt wird. Denn Bergmann wird nun eben nicht nur Schauspielchefin, sondern Gesamtintendantin des international renommierten Mehrsparten-Festivals.

Ohne Eitelkeit, ohne Selbstdarstellungsdrang

Bergmann wird ihr Amt „voraussichtlich“ bis Herbst 2027 innehaben, dann soll die Position nochmals über eine Ausschreibung nachbesetzt werden. Bergmann wurde schon einmal als Feuerwehrfrau gerufen, als nämlich das Wiener Burgtheater nach der Intendanz von Matthias Hartmann in Schwierigkeiten geraten war.

Nun soll die 1953 in Recklinghausen geborene Theatermanagerin, die ihre Laufbahn 1979 als Direktionsassistentin bei Claus Peymann am Schauspielhaus Bochum begann und seit 1983 als Pressereferentin erst in Hamburg, dann in Wien arbeitete, bevor sie an der Burg zur stellvertretenden Intendantin aufstieg, wieder einen drohenden Ansehensverlust abwenden. Dass ihre Expertise sich auch auf die ja durchaus unübersichtliche Welt der klassischen Musik in ihrer hochkulturellen Ausprägung erstreckt, war bisher nicht bekannt. Aber Bergmann hat sich in ihren Jahren als Burgtheater-Intendantin einen guten Ruf als besonnene Organisatorin ohne Eitelkeit und Selbstdarstellungsdrang erarbeitet, der ihr nun zugutekommt und möglicherweise sogar über fehlende Detailkenntnis hinweghilft.

Sehr gute Entscheidung

Die Entscheidung ist also eine gute, auch wenn man ihr Engagement in Salzburg einfacher gehabt haben könnte – und ohne das Ansehen des Festivals sowie das Ansehen des bisherigen Intendanten zu beschädigen. Bergmann wird sehr wahrscheinlich eine gemäßigte, den Salzburger Publikumsgewohnheiten zugewandte Programmpolitik verfolgen, die Ruhe in den durch Umbaumaßnahmen und Finanzfragen sowieso schon unruhigen Salzburger Laden bringen könnte.

Sie übernehme ihre neue Aufgabe „mit großem Respekt vor ihrer Verantwortung und mit großer Anerkennung für die künstlerische Leistung von Markus Hinterhäuser“, so Bergmann in einer ersten Reaktion. Wichtig seien ihr dabei vor allem „Sorgfalt, Verlässlichkeit und eine Kultur von Würde, Respekt und Vertrauen“.

Damit machte sie unmissverständlich klar, dass sie von allen Beteiligten, insbesondere auch von den politischen, eine Veränderung ihrer Umgangsformen erwarte. Ob sich diese Erwartung erfüllt, bleibt abzuwarten. Salzburg und alle Liebhaber seines Festivals sollten sich jedenfalls freuen, eine so erfahrene wie bescheidene neue Leiterin zu bekommen.