
Zwei Frauen haben Strafanzeige gegen den weltbekannten spanischen Sänger Julio Iglesias wegen sexueller Belästigung gestellt. Wie die Zeitung eldiario.es berichtet, bezichtigen ehemalige Mitarbeiterinnen, unter ihnen eine Hausangestellte und eine Physiotherapeutin, den Weltstar, sie während der Corona-Zeit beschimpft und zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Die Vorfälle sollen sich 2021 in den Karibik-Residenzen des Sängers ereignet haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft beim obersten spanischen Strafgericht hat laut Medienberichten bestätigt, mögliche Ermittlungen in der Sache zu prüfen.
Nach eigenen Angaben hat eldiario.es gemeinsam mit einer TV-Redaktion den Fall drei Jahre lang recherchiert. Die Zeitung zitiert eine der beiden anonym gehaltenen Ex-Angestellten des Sängers. Demnach sei es ihr Ansinnen, die Taten nicht ungestraft zu lassen und Iglesias „die Konsequenzen seines Tuns vor Augen zu führen“. Unterstützt werden die Frauen von der Organisation Women’s Link Worldwide. Nach Angaben von eldiario.es hat Iglesias trotz zahlreicher Kontaktversuche zu den Vorwürfen nicht Stellung genommen.
Weil er spanischer Staatsbürger ist, kann Iglesias in Spanien angeklagt werden, auch wenn die mutmaßlichen Taten in anderen Ländern stattfanden. Neben seinen Wohnsitzen in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas hat der 82-jährige Sänger auch ein Anwesen in der spanischen Region Galicien.
Die juristischen Vorwürfe lauten nun auf Menschenhandel, sexuelle Nötigung und Arbeitsrechtsverstöße
In ihrer schriftlichen Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft beantragen die Anwälte laut eldiario.es die Identität der Frauen zu schützen, aufgrund ihrer „prekären sozioökonomischen Lage“ und Iglesias’ einflussreicher und mächtiger Stellung. Die Frauen, so die Anwälte, „fürchten um ihre Sicherheit, ihre Privatsphäre und ihre seelische Stabilität, falls ihre Identitäten offengelegt werden“.
Die Frauen berichten, wiederholt beleidigt und ungewollt berührt worden zu sein. Auch sei es zu nichteinvernehmlichen sexuellen Handlungen gekommen. Die juristischen Vorwürfe lauten nun auf Menschenhandel, sexuelle Nötigung und Arbeitsrechtsverstöße.
Iglesias ist abseits seiner weltweiten Bekanntheit in Spanien eine nationale Identifikationsfigur. Wenige Stunden nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe am Dienstag meldeten sich diverse Politikerinnen und Journalisten des Landes zu Wort. Die spanische Gleichstellungsministerin Ana Redondo forderte, die Vorwürfe „bis zum Ende“ zu untersuchen. Der Verlag Libros del Asteroide hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe angekündigt, „angesichts dieser neuen und relevanten Information“ so bald wie möglich eine aktualisierte Ausgabe seiner Iglesias-Biografie („Der Spanier, der die Welt verzauberte“) zu veröffentlichen. Die konservative Ministerpräsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso erklärte, Madrid werde „niemals zur Geringschätzung des universellsten aller Sänger beitragen“.
Der 1943 in Madrid geborene Sänger musste in jungen Jahren nach einem Autounfall eine erfolgversprechende Karriere als Profifußballer aufgeben. Mit dem Lied „La vida sigue igual“ gewann er 1968 den spanischen Liederwettwerb in Benidorm. Der Hit begründete seinen Aufstieg zum Musiker von Weltrang. Einige seiner bekanntesten Lieder veröffentlichte er auch auf Französisch, Englisch und Deutsch („Ein bisschen Liebe“). Mit mehr als 300 Millionen verkauften Alben in 14 Sprachen prägte Julio Iglesias die internationale Schlagerszene über fünf Jahrzehnte hinweg.
