In der kommenden Woche feiert der britische Schriftsteller Julian Barnes seinen 80. Geburtstag und in seinem neuen Buch „Abschied(e)“ feiert er sein Überleben nach einer Krebsdiagnose. Mit verblüffender Heiterkeit erzählt er davon, dass die Krankheit zwar tödlich, aber beherrschbar sei. Barnes, der 1984 mit „Flauberts Papagei“ schlagartig berühmt wurde, ist der Autor von 28 Büchern; außerdem hat er vier Krimis unter dem Pseudonym Dan Kavanagh veröffentlicht. Beim Gespräch in seinem Haus im Londoner Stadtteil Highgate gibt er zu, dass er sich bis in seine späten Dreißiger nicht wohl in seiner Haut gefühlt habe. Längst ist er weltberühmt, für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, auch im Pub „The Bull & Last“ um die Ecke gilt er als „Gigant“. Dennoch sollten Schriftsteller seiner Meinung nach bescheidener auftreten, „sie glauben vielleicht, sie verstünden die Welt, dabei verstehen sie bestenfalls einen kleinen Ausschnitt davon“. In „Abschied(e)“ geht es nicht nur um den nahenden Tod, sondern vor allem um etwas sehr Lebendiges: um die Liebe und wie selbst ein berühmter Schriftsteller damit scheitern kann. Beim Tee erinnert sich Barnes, sonst ganz der republikanische Antimonarchist, wie gerührt er war, als er beim Trauerkondukt für Queen Elizabeth sah, wie ihre geliebten Corgis von ihr Abschied nahmen.
