J.D. Vance: Der Kriegsskeptiker ist Trumps Chefverhandler

Anders als Donald Trump wägt J. D. Vance seine Worte sehr genau. Vor seinem Rückflug nach Washington sagte der amerikanische Vizepräsident am Mittwoch in Budapest, er denke, Teheran habe „geglaubt“, dass Libanon Teil des Deals für eine Waffenruhe sei. Das sei aber nicht der Fall. Wenn die Iraner die Verhandlungen wegen dieser Frage scheitern ließen, sei es „letztlich ihre Entscheidung“. Trump habe militärische Optionen.

Dann fügte Vance aber hinzu: Israel habe angeboten, sein Vorgehen zu prüfen. Danach sah es am Donnerstag freilich nicht aus. Vance will die fragile Feuerpause retten, an deren Zustandekommen er durch zahlreiche Telefonate mit den Pakistanern mitgewirkt hatte. Das war auch der Bemerkung zu entnehmen, wenn Teheran gegenwärtig ein Problem mit drei Punkten der Vereinbarung habe, bedeute das eine Menge Übereinstimmung.

Vance war „weniger enthusiastisch“ über Irankrieg

Trumps Sprecherin hatte da gerade mitgeteilt, dass der Vizepräsident das amerikanische Verhandlungsteam anführen werde, das Ende der Woche nach Islamabad aufbrechen werde. Auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn des Präsidenten, würden der Delegation angehören.

Letztere leiteten vor dem Irankrieg die Verhandlungen in Genf, weshalb man ihnen in Teheran mit Skepsis begegnet. Dass dies bei Vance anders sein könnte, erklärt womöglich eine Bemerkung Trumps, die dieser zehn Tage nach Kriegsbeginn gemacht hatte: Vance sei anfänglich „womöglich weniger enthusiastisch“ über die Intervention gewesen.

Das war freilich eine Untertreibung: Der Vizepräsident, der Trumps Entscheidung, in den Krieg zu ziehen, öffentlich stets verteidigt, hatte Ende Februar intern seine Ablehnung bekundet. Leute im Weißen Haus sorgten später dafür, den Hinweis durchzustechen. Hintergrund ist: Die Frage, ob es Trump gelingen wird, den Krieg als Erfolg zu verkaufen, ist verknüpft mit dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur 2028, um die der Isolationist Vance und der Interventionist Marco Rubio konkurrieren. Der Außenminister ist der eigentliche Kopf hinter Trumps neuem Interventionismus.

Beide, Vance und Rubio, gehen öffentlich respektvoll miteinander um und lassen sich durch die Medien nicht gegeneinander in Stellung bringen. Rubio hat sogar gesagt, wenn Vance antrete, werde er nicht gegen ihn kandidieren. Letztlich ist es zu früh für diese Frage, bei der auch Trumps Präferenzen, Umfragen und Spendengelder eine Rolle spielen werden.

Und in Vances Leben spielen derzeit andere Zukunftsfragen eine Rolle: Der 41 Jahre alte Mann aus Ohio und seine Frau Usha, die er im Jurastudium in Yale kennengelernt und 2014 geheiratet hat, erwarten ihr viertes Kind.