Italien und die Modewelt trauern um Valentino Garavani

Zum Ende, als am Donnerstagabend die „Camera ardente“ mit dem aufgebahrten Sarg von Valentino Garavani geschlossen wurde, hatten mehr als 10.000 Trauernde dem großen Modeschöpfer die letzte Ehre erwiesen. In langen Warteschlangen hatten sie zuvor, am Sitz der „Fondazione Valentino Garavani e Giancarlo Giammetti“ an der Piazza Mignanelli 23, entlang der Absperrgitter ausgeharrt. Valentino war am Montag im Alter von 93 Jahren im „Kreise seiner Lieben“, wie es hieß, in seiner Villa an der Via Appia Antica gestorben. Dort hatte er die letzten Jahre zurückgezogen gelebt.

Ihre Stiftung hatten Garavani und sein langjähriger Geschäfts- und auch Lebenspartner Giammetti 2016 gegründet. Sie gaben ihr den Namen „PM23“ – nach dem Akronym der Adresse im Herzen Roms nahe der Spanischen Treppe statt nach ihren Eigennamen. Es ist dies auch eine Hommage der beiden Römer an ihre Heimatstadt als Stadt der Mode, die Mailand dessen Rang als Italiens Hauptstadt der Mode freilich nie wird ablaufen können.

Seit 2025 sind die Ausstellungs- und Verwaltungsräume der Stiftung PM23 mit dem Motto „Wo Schönheit Kultur wird“ in dem famosen Palazzo aus dem späten 19. Jahrhundert untergebracht. Den hatten Garavani und Giammetti aufwendig renovieren lassen – mit allem Geld und allem Geschmack, die ihnen nun einmal zu Gebote standen. Erbaut wurde das vierstöckige Gebäude übrigens im Auftrag des Vatikans, als Ausbildungsstätte und Druckerei für die „Congregatio de Propaganda Fide“, die Kongregation (heute: das Dikasterium) für die Verbreitung des Glaubens. Da passt es schon, dass jetzt die Stiftung PM23 dort ihren Sitz hat: als eminentes Institut für die Verbreitung des Glaubens an die Kultur der Schönheit.

Persönliche Anordnung von Valentino

Überhaupt scheinen Garavani, Jahrgang 1932, und Giammetti, Jahrgang 1942, in den vergangenen Jahren alles penibel vorbereitet zu haben für den Zeitpunkt, da das Lebenslicht Valentinos, eines weiteren großen Couturiers der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts, erlöschen würde. Wie zuvor schon bei Gianni Versace, Gianfranco Ferré, Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld und zuletzt, im vergangenen September, Giorgio Armani. Der marmorweiße Raum mit den weißen Stühlen, den weißen Blumengebinden und -gedecken sowie dem Schwarz-Weiß-Porträt Valentinos schien wie geplant und geschaffen vom Meister selbst als Ambiente für den schlichten Sarg in hellem Holz, der auf einem weißen Katafalk ruhte.

Giancarlo Giammetti kommt zur Trauerfeier für seinen Partner Valentino.
Giancarlo Giammetti kommt zur Trauerfeier für seinen Partner Valentino.Reuters

Und tatsächlich, so wollten es die Zeitungen erfahren haben, habe Valentino persönlich angeordnet, wie man die zu seinem Gedenken eingerichtete „Camera ardente“ im Erdgeschoss des Stiftungsgebäudes von PM23 zu gestalten habe. Weiß war, neben dem berühmten Valentino-Rot des Klatschmohns im Sommerlicht, schließlich die zweite bevorzugte Farbe des großen Schneidermeisters.

Tom Ford und Donatella Versace unter den Gästen

Alles, was in Italiens Mode- und Showgeschäft einen Namen hat, auch Politiker der maßgeblichen Parteien sowie Kabinettsmitglieder erwiesen Valentino an dessen aufgebahrtem Sarg die letzte Ehre. Auch der ägyptische Politiker und Investor Raschid Mohamed Raschid war gekommen. Raschid ist Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Mayhoola, die dem Herrscher von Qatar gehört und seit 2012 Besitzerin der Valentino Fashion Group ist. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte Valentino noch am Tag von dessen Tod als „ewiges Symbol der italienischen Haute Couture“ gewürdigt.

Auch Schauspielerin Anne Hathaway war unter den Gästen.
Auch Schauspielerin Anne Hathaway war unter den Gästen.AP

Die Trauerfeier fand dann am Freitag in der Basilika Santa Maria degli Angeli e dei Martiri an der Piazza della Repubblica statt, keine anderthalb Kilometer vom Stiftungssitz der PM23 entfernt. Der Sarg wurde unter den Klängen von Mozarts Requiem in die Basilika getragen, es zelebrierte Don Pietro Guerini, Priester der Basilika. An der Totenmesse nahmen neben anderen Anna Wintour, Anne Hathaway und Ehemann Adam Shulman, Suzy Menkes, Hamish Bowles, Tom Ford, Pierpaolo Piccioli, Donatella Versace, François-Henri Pinault und Antoine Arnault teil. Die Stadt Rom war durch Bürgermeister Roberto Gualtieri und weitere Mitglieder des Magistrats vertreten.

Im Stil eines großen Stilisten

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden die sterblichen Überreste Valentinos zum Friedhof Flaminio im Norden Roms gefahren. Der ausladende Friedhof vor den Toren der Hauptstadt ist weniger überlaufen und auch weniger überladen als der Monumentalfriedhof Campo Verano in Rom selbst. In seiner ruhigen, ja schlichten „Funktionalität“ mag der Friedhof Flaminio gerade deshalb der richtige Ort für die letzte Ruhestätte Valentinos sein.

Anna Wintour verlässt die Basilika nach der Trauerfeier.
Anna Wintour verlässt die Basilika nach der Trauerfeier.AFP

Auch für die Errichtung des kleinen Mausoleums hatten Garavani und Giammetti längst Sorge getragen. Seit mehr als einem Jahr steht inmitten eines kleinen Platzes ein mittelgroßes Grabmal, das sich harmonisch in die vielen anderen Mausoleen des Friedhofes einfügt. Es ist kreisrund, glatte Säulen mit flachen Kapitellen tragen eine schlichte Kuppel. Durch die Glastüre und die Fenster mit schmiedeeisernen Rahmen strömt Licht ins Innere des Grabmals. Auf der linken Seite des Eingangs steht der Name Garavani, rechts gegenüber Giammetti. Gesäumt wird das Ensemble von zwei Zypressen und immergrünen Formsträuchern.

Nun ist der ältere Partner eines kongenialen Paares, das geschäftlich und privat stets harmonierte, das sich ungeachtet gelegentlichen Streits und amouröser Irrungen immer treu blieb, dem Jüngeren vorausgegangen. In der „Camera ardente“ war Giancarlo Giammetti der Erste am aufgebahrten Sarg Valentino Garavanis.

Beim Trauergottesdienst in der Basilika der Heiligen Maria der Engel und der Märtyrer saß er dem Sarg seines Lebensweggefährten am nächsten. Bei der Grablegung im gemeinsamen Mausoleum stand er auch vor seiner eigenen letzten Ruhestätte, die noch lange auf ihn warten möge. Italien hat im Stil eines großen Stilisten von diesem Abschied genommen.