Ist die Zeit von Trapp als Nummer eins vorbei?

Kevin Trapp lässt seine 1,7 Millionen Follower bei Instagram an seinem Leben fernab des Fußballs teilhaben. Er zeigt sich im Silvester-Outfit unter Palmen, als Kaffee-Connaisseur oder bei Werbeaufnahmen für einen Modekonzern. Seine neuesten Beiträge beschäftigen sich aber mehr mit seinem Beruf als Profisportler. Sie vermitteln in kurzen Szenen, die zu einem knapp halbminütigen Video zusammengeschnitten sind, dass sich der 34-Jährige mächtig ins Zeug legt, um Zweifel an seinem Fitnesszustand zu zerstreuen.

Trapp lässt die Muckis spielen und sich dabei filmen, wie er beim Gewichtstemmen die Schultern trimmt, mit blanker Brust an der Klimmzugstange hängt, bei Box Jumps die Explosivkraft in den Beinen steigert und in der Frühlingssonne den Bällen hinterherfliegt, die ihm um die Ohren geschossen, aber zur Beute des sprunggewaltigen Keepers werden.

Die Sequenzen sollen eine Botschaft transportieren: Trapp bringt sich körperlich (wieder) in Top-Form und macht sich bereit für den Kampf um die Nummer eins bei Eintracht Frankfurt, die an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) in Bremen spielt. Gegen Werder ist er wiederum noch nicht dabei. „Es macht nur Sinn, wenn er wirklich bei 100 Prozent ist“, sagte Dino Toppmöller. Der Trainer berichtete am Donnerstag von anhaltenden „Schmerzen“, vor allem bei „langen Bällen“. Wann Trapp zurückkehrt, sei dementsprechend offen: „Es ist schwer zu sagen, wie der weitere Fahrplan ist. Fest steht, dass Kauã Santos gegen Bremen im Tor stehen wird.“

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Seine bis dato letzte Partie bestritt Trapp am 9. März bei der Niederlage gegen Union Berlin (1:2); bei den Auftritten in Bochum (3:1) sowie gegen Stuttgart (1:0) und beim Achtelfinal-Rückspiel im Europapokal gegen Amsterdam (4:1) war er wegen einer Schienbeinverletzung außen vor. Und aus der Beobachterrolle heraus musste er, der nach Worten Toppmöllers „vom Ehrgeiz fast zerfressen“ ist, zuschauen, wie Ersatzmann Santos durch souveränes Zupacken Pluspunkte sammelte.

Kevin Trapp legt sich mächtig ins Zeug, um Zweifel an seinem Fitnesszustand zu zerstreuen.
Kevin Trapp legt sich mächtig ins Zeug, um Zweifel an seinem Fitnesszustand zu zerstreuen.Huebner

Der Brasilianer hatte Trapp in der Hinrunde schon viermal vertreten. Seinerzeit erledigte der 21-Jährige die Aufgaben nicht fehlerfrei und präsentierte sich kurz vor Weihnachten gegen Mainz (1:3), als sich Trapp wegen Grippesymptomen abgemeldet hatte, als Nervenbündel. Dass der Mannschaftskapitän unmittelbar im Anschluss online oberkörperfrei aus dem Urlaub auf der Karibikinsel St. Barth grüßte, sorgte bei manchen der Klub-Granden für Missfallen, die an der Professionalität des ehemaligen Nationalkeepers zweifelten.

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Trapp steht als Kapitän der Eintracht in der Verantwortung, der er in der Vergangenheit, oft überzeugend, gerecht wurde. Ohne seine Reflexe wäre es mit dem Europa-League-Triumph 2022 gegen die Glasgow Rangers nichts geworden. Sein Wort hat unter den Kollegen Gewicht, durch sein Sprachtalent ist der gebürtige Saarländer, der mit dem brasilianischen Model Izabel Goulart liiert ist, ein geschätztes Bindeglied innerhalb der Kabine, die Kicker aus zwölf Nationen vereint.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Zudem ist Trapp als Aushängeschild der Eintracht gern gesehen: Als er im Februar, als einer von einer Handvoll Spieler, an der Mitgliederversammlung des Vereins in der Jahrhunderthalle teilnahm, suchten die Menschen seine Nähe, um Fotos zu machen oder Autogramme zu erhalten. Die Absicht besteht, Trapp im Anschluss an seine aktive Zeit in administrativer Form einzubinden, um den Klub, der nach mehr internationalem Standing strebt, beim Networking zu unterstützen.

Spätestens im Sommer, wenn klar ist, ob sich die Eintracht auf eine Champions-League-Saison vorbereiten muss, wird die knifflige Konstellation wieder zum Thema werden. Trapps Vertrag ist gültig bis Ende Juni 2026. Und eine Botschaft transportierten seine Selbstbilder in den sozialen Medien über den Tag hinaus: Bereit für mehr fühlt er sich auf alle Fälle.