Im Februar, als die USA und Iran zuletzt am Verhandlungstisch saßen und sich die Gefahr eines Krieges schon abzeichnete, sagte Donald Trumps Sondergesandter Steve Witkoff einen Satz, der tief blicken ließ. Der Präsident wundere sich, warum die Iraner nicht längst kapituliert hätten. Damit gestand Witkoff ein, dass die USA mit falschen Prämissen in diesen Krieg gestolpert sind.
Trump hat den Gegner nicht verstanden. Das iranische Regime dagegen wusste sehr genau, wo die wunden Punkte des Präsidenten sind. Teherans Kalkül, wonach es so lange durchhalten kann, bis Trump wegen der Kosten und der nahenden Kongresswahlen einknickt, ist aufgegangen.
Im Vergleich zu Februar hat sich Irans Verhandlungsposition stark verbessert. Trump hat seine militärische Trumpfkarte mit dem Krieg schon ausgespielt. Das Regime hat dagegen mit der Kontrolle über die Straße von Hormus ein Druckmittel in der Hand, das in gewisser Weise sogar wirksamer ist als eine Atombombe, weil es sich flexibler kalibrieren lässt.
Teherans gestärkte Position kann man schon daran ablesen, dass es jetzt den Verhandlungspartner bekommt, den es sich gewünscht hat: den kriegskritischen Vizepräsidenten J. D. Vance. Mit Witkoff wollte das Regime nicht mehr umgehen. In Teheran hält man ihn für einen Wirrkopf, der in den Atomverhandlungen der Vergangenheit Mühe hatte, die Details zu durchdringen.
Wahrscheinlich begnügt sich Trump mit einer symbolischen Einigung
Auch Trump interessiert sich bekanntlich nicht für Details, was eine Einigung im Atomstreit illusorisch macht. Es sprach Bände, als sich im Februar der Generalsekretär der internationalen Atombehörde, Rafael Grossi, am Verhandlungsort für technische Fragen bereithielt. Offenbar fehlt es der US-Regierung an Fachwissen.
Zwanzig Monate haben die Verhandlungen über das Atomabkommen von 2015 gedauert. Jetzt liegen noch viel mehr Streitthemen auf dem Tisch: Irans Raketenarsenal, sein Bündnis mit Milizen in Libanon, im Jemen und im Irak – und vor allem die Zukunft der Straße von Hormus. Die nun angesetzte Verhandlungsperiode von zwei Wochen wird nicht ausreichen, um auch nur eines der Themen abschließend zu klären. Wahrscheinlicher ist, dass der amerikanische Präsident sich mit einer symbolischen Einigung begnügt, die es ihm erlaubt, die Mission Iran für erfüllt zu erklären.
Die Scherben werden dann andere aufkehren müssen. Allen voran die Golfstaaten, deren Wirtschaftsmodelle zerschossen wurden. Und die Europäer, die auf Öl- und Gaslieferungen vom Golf angewiesen sind. Die Straße von Hormus militärisch freizukämpfen, ist keine realistische Option. Sie werden also nicht umhinkommen, mit dem Regime in Teheran zu verhandeln, so wie es manche Länder längst getan haben, um ihre Schiffe durchzubekommen.
Aber auch im Teheraner Machtapparat dürfte auf den Siegestaumel bald Katerstimmung folgen. Die Wirtschaft des Landes lag schon vor dem Krieg am Boden. Israel hat mit seinen Angriffen auf Industrieanlagen und Infrastruktur dafür gesorgt, dass sie sobald nicht wieder auf die Beine kommt.
Das dürfte den Graben zwischen dem Regime und der Bevölkerungsmehrheit noch weiter vergrößern. Denn die Führung in Teheran wird aus ihren geschrumpften Pfründen zunächst ihre Anhänger bedienen, deren Loyalität das Überleben des Systems gesichert hat. Alle anderen im Land haben nicht vergessen, dass im Januar Tausende wehrlose Demonstranten willkürlich niedergeschossen wurden.
