
Anfang des Monats waren Irans Fußballerinnen im eigenen Land noch „Verräterinnen“. Nun sind sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat euphorisch empfangen worden. Hinter der Inszenierung steckt auch politisches Kalkül.
Die Spielerinnen der iranischen Nationalmannschaft sind bei ihrer Rückkehr in die Heimat unter großem Jubel empfangen worden. Bei einer Zeremonie am Donnerstagabend auf dem Valiasr-Platz im Zentrum Teherans bekamen die Fußballerinnen Blumen und eine Trophäe überreicht. Tausende Menschen wohnten der Veranstaltung bei, wie Bilder zeigen.
Die Mannschaft war bereits am Mittwoch von ihrer aufsehenerregenden Reise zum Asien-Cup aus Australien in den Iran zurückgekehrt. Das letzte Stück absolvierte das Team nach der Landung in der türkischen Großstadt Istanbul per Bus.
Um den Auftritt des Teams in Australien hatte es großen Wirbel gegeben. Die Mannschaft hatte vor dem ersten Gruppenspiel Anfang März bei der Hymne geschlossen geschwiegen. Beobachter werteten dies als Zeichen gegen das Regime, im iranischen Fernsehen wurden die Spielerinnen als „Verräterinnen“ bezeichnet. Seitdem hatte es große Sorgen um die Sicherheit der Frauen bei ihrer Rückkehr gegeben. Umso bizarrer erscheint nun die plötzliche Inszenierung der Spielerinnen als Heldinnen.
Diese dürfte ihren Ursprung allerdings auch in politischem Kalkül haben. Immerhin startete nach dem Ausscheiden der Mannschaft ein kurioses Hin und Her um den Verbleib der Frauen, bei dem sich sowohl die australische Regierung als auch US-Präsident Donald Trump eingeschaltet hatten – zum Unmut des iranischen Regimes.
Insgesamt sieben Mitglieder der Delegation hatten zwischenzeitlich Asyl in Australien beantragt, fünf zogen ihren Antrag wieder zurück. Nur Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh blieben im Land. Sie trainieren mittlerweile beim Verein Brisbane Roar.
„Meine Wahl. Meine Heimat“, steht auf großem Banner
Der freundliche Empfang ist daher auch als patriotisches Zeichen in Richtung USA und Australien zu werten, denen der Iran vorwirft, die Spielerinnen zu einem Asylantrag gezwungen zu haben. Passend dazu war auf einer großen Plakatwand in Teheran der Spruch „Meine Wahl. Meine Heimat“ zu lesen. Dazu wurden Spielerinnen im Nationaltrikot und Hijab zu sehen, wie sie der iranischen Flagge salutierten.
„Zunächst einmal sind wir sehr glücklich, im Iran zu sein, denn der Iran ist unsere Heimat“, sagte Mittelfeldspielerin Fatemeh Shaban bei der Veranstaltung in der iranischen Hauptstadt: „Ich hatte nicht erwartet, dass so viele Menschen kommen würden, um uns zu begrüßen. Ich bin glücklich, eine Tochter des Iran zu sein.“
In Australien ist unterdessen eine Debatte um die öffentliche Begleitung des Falls entbrannt. Unter anderem hatten fünf der Frauen, die Asyl beantragt hatten, für ein symbolträchtiges Bild mit Innenminister Tony Burke posiert. Die Frauen hatten dabei ihr Kopftuch abgelegt.
Kylie Moore-Gilbert, Politikwissenschaftlerin an der Macquarie University in Sydney, sagte, der „Sieg im Propagandakrieg“ habe das Wohlergehen der Frauen in den Hintergrund gedrängt. „Hätten diese Frauen still und leise Asyl beantragt, ohne diese öffentliche Aufmerksamkeit, wäre es möglich gewesen, dass die Beamten der Islamischen Republik – wie sie es in der Vergangenheit bei anderen iranischen Sportlern getan haben, die geflohen sind – dies einfach zugelassen hätten“, sagte Moore-Gilbert zur Australian Broadcasting Corporation.
Kritiker argumentieren zudem, das Ergebnis hätte anders ausfallen können, wenn die Frauen früher unabhängige Rechtsberatung erhalten hätten und das Verfahren nicht so überstürzt abgelaufen wäre.
„Das Ergebnis ist sicherlich alles andere als ideal“, sagte Graham Thom, vom Refugee Council of Australia, einer gemeinnützigen Organisation, die Asylsuchende vertritt: „Hoffentlich erhalten die beiden, die noch dort sind, den Schutz, den sie brauchen, aber wir hoffen auch, dass diejenigen, die zurückgekehrt sind, in Sicherheit sind.“
luwi mit AP
