Iran-Krieg: Angriffe Israels und der USA wecken Hoffnung der iranischen Community in Frankfurt


Wenn in zehn Tagen das Iranische Filmfestival in Frankfurt beginnt, wird Siamak Poursharif auf einige Gäste verzichten müssen. Der Festivalleiter ist sich auch nicht sicher, ob überhaupt Onlineschaltungen zu Regisseuren in Iran möglich sein werden. Aber die Filme, die alle ohne offizielle Genehmigung in Iran gedreht worden sind, wurden schon vor längerer Zeit aus dem Land geschleust und können gezeigt werden. Sie werden Bilder eines Landes im Umbruch zeigen, das nicht nur von Mullahs dominiert wird, sondern in dem es Opposition und den großen Willen zu Veränderung gibt. „Das Regime hat es nicht geschafft, alle Stimmen zum Verstummen zu bringen“, sagt Poursharif.

Aus seinem Geburtsland hört er, dass die Menschen sich zurzeit kaum auf die Straße wagten. Sie hätten Angst vor den Revolutionsgarden, aber ebenso vor den amerikanischen und israelischen Angriffen. Außerdem herrsche eine große Unsicherheit, wie es nun weitergehe und ob das Regime mit ähnlicher Härte wie im Januar jede Opposition niederschlagen werde. Damals waren mutmaßlich Zehntausende Demonstranten von Sicherheitskräften getötet worden.

Ende Juni 2026 zählte das Statistik-Amt der Stadt etwas mehr als 4200 Menschen mit iranischer Staatsangehörigkeit in Frankfurt sowie knapp 7000 Deutsche mit iranischem Migrationshintergrund. Die iranische Community in Frankfurt ist vielfältig. An einem Samstag im Januar hatten vier verschiedene Gruppen in Frankfurt Demonstrationen gegen das Regime in Teheran angemeldet. Eine Zersplitterung der Kräfte, die Außenstehende überrascht. Für Mona Jazmyne, Sprecherin der „Generation Azadi“, ist sie jedoch Ausdruck einer innergesellschaftlichen Vielfalt, die sie sich für ein demokratisches Iran wünscht. „Liberale, Linke, Monarchisten: All diese Stimmen sollten gehört werden. Diese Vielfalt ist ein Zeichen von Stärke, nicht Schwäche.“

Vielfältige iranische Community

Eine Gruppe Studentinnen hatte „Generation Azadi“ 2022 als Reaktion auf die iranische Protestbewegung unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ gegründet. „Wir sind in Deutschland geboren, aber wir wollen den Kampf unserer Eltern, die aus Iran fliehen mussten, weitertragen“, sagt Jazmyne. Sie möchten jenen Menschen eine Stimme geben, die sie nicht erheben können – etwa, weil wie jetzt die Internetverbindung in Iran immer wieder unterbrochen ist. Die Gesellschaft in Iran sei jung, gebildet und wach. Die Bürger hätten ihre Angst verloren und seien bereit für Veränderungen im Land.

Rund 2000 Menschen hatten am Samstag an einer Kundgebung in der Frankfurter Innenstadt teilgenommen und den Tod des „Tyrannen Khamenei“ gefeiert. Die Stimmung war ausgelassen, man habe getanzt und Süßigkeiten verteilt, schildert Nasrin Jalali vom Verein Hamgaraie. „Natürlich sind wir uns auch der zivilen Opfer dieser Angriffe bewusst“, sagt sie. Aber die Mullahs würden niemals von alleine, also ohne Intervention von außen, auf die Macht verzichten. Sie sieht wie viele andere den Sohn des früheren Schahs, Reza Pahlavi, als mögliche Integrationsfigur für einen Umbruch in Iran, der das Land in eine säkulare, demokratische Zukunft führen könnte. Dazu müsste sich aber auch ein Großteil der Sicherheitskräfte von Gewalt distanzieren und sich zu Pahlavi bekennen. Doch die Entscheidung für die Art der politischen Veränderung liege einzig beim iranischen Volk. „Wir geben nur Hinweise.“

Auch Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen), die vor 41 Jahren mit ihrer Tochter aus Iran geflohen war, hat die Nachrichten der vergangenen Tage intensiv verfolgt. „Die Hoffnung auf einen Regimewechsel ist größer denn je“, schreibt sie in einer Mitteilung. Für viele Menschen sei dieser Krieg die letzte Hoffnung. Sie macht aber auch deutlich, dass es in dieser militärischen Auseinandersetzung viele Seiten zu betrachten gelte: „Meine Gedanken sind bei den mutigen Menschen im Iran, aber auch bei den Menschen in unseren Partnerstädten in Israel und Dubai sowie in den Ländern, die von Raketen des Regimes angegriffen werden.“