Eins muss man dem Indischen Feuerfisch lassen: Er ist herrlich anzuschauen mit seinem prächtigen Streifenmuster und seinen majestätischen Hartstrahlen (vulgo Stacheln) an Rücken und Brust. Aber im östlichen Mittelmeer, in das er sich vor rund 35 Jahren vorgearbeitet hat, ist er als invasive Art mittlerweile eine Plage.
Dabei sind seine giftigen Stacheln noch das geringste Problem, obwohl sie bei Menschen schlimme Entzündungen und Schwellungen hervorrufen können. Viel gravierender ist, dass der gefräßige Räuber Unmengen von Jungfischen und Krustentieren vertilgt und dabei die Biodiversität seines neuen Lebensraums extrem zu reduzieren droht. Außerdem vermehrt er sich wie nichts Gutes, weil er keine natürlichen Fressfeinde hat.
Das Fleisch des Feuerfisches gilt als „weich und zart“
Doch hier kommt der Spitzenprädator sämtlicher Ökosysteme ins Spiel, Homo sapiens. Einerseits sind wir Menschen dafür verantwortlich, dass der Feuerfisch überhaupt in mediterranen Gefilden herumschwimmt: Ohne den Suezkanal hätte er gar keinen Zugang zum Mittelmeer gehabt, und ohne die Erd- und damit Wassererwärmung würde er sich dort nicht ganz so pudelwohl fühlen. Andererseits tun zumindest die Köche und Restaurantbetreiber auf Zypern, dessen Fischern besonders viele Feuerfische ins Netz gehen, das Ihrige, um der Invasion Herr zu werden: Sie haben das Fleisch des Eindringlings als Zutat entdeckt.
Wie der Sender Euronews meldet, erweist es sich als „weich und zart“. Tavernenbetreiber Stefanos Mentonis aus Larnaka etwa verarbeitet den Feuerfisch schon länger in seinen Meze. Das kommt bei den Kunden anscheinend sehr gut an. Nur beim Reinigen sei mehr Vorsicht geboten als bei anderen Arten, so Mentonis: „Man muss die Stacheln abschneiden – wenn man sich an ihnen verletzt, stirbt man zwar nicht, aber man hat schreckliche Schmerzen.“
Mit diesem kulinarischen Gegenschlag allein wird man des Problems wohl nicht Herr werden. Aber es ist die denkbar schmackhafteste Art, mit einer invasiven Art umzugehen. Wie heißt es so schön? Wenn das Leben dir Zitronen beschert, mach Limonade. Oder in diesem Fall: Beschert das Leben dir Feuerfische, mach Meze.
