Insider-Bericht: IOC denkt über Olympia ohne Bob, Rodeln und Skeleton nach

Laura Nolte (Pilotin) und Anschieberin Deborah Levi

Stand: 23.02.2026 • 19:08 Uhr

Olympische Spiele ohne Rodeln, Bob und Skeleton? Für Deutschlands Olympia-Bilanz wäre das ein Albtraum. Beim deutschen Bob- und Schlittenverband bleibt man noch gelassen.

Die Olympischen Spiele in Italien haben viele Erkenntnisse geliefert. Eine wiederkehrende Erkenntnis aus deutscher Sicht: Ohne den Eiskanal sähe es düster aus. Die Deutschen Rolder, Bob- und Skeletonpiloten gewannen in Cortina d’Ampezzo 19 von 26 Medaillen, also rund 73 Prozent, davon sechs der acht goldenen.

Investigativ-Journalist Mackay: Ende der Schlittensportarten

Allerdings: Sollte sich bewahrheiten, was der Investigativ-Journalist Duncan Mackay behauptet, dann müsste Deutschland in Zukunft ohne seine Goldschmiede auskommen..

Die Vorschläge über eine Neuordnung des Olympischen Programms, schreibt Mackay in seinen „Zeus Files“, sähen unter anderem ein Ende der Sportarten im Eiskanal vor: „Rausfliegen könnten die Schlittensportarten – Bob, Rodeln und Skeleton.“

Die Gründe dafür lägen im schlechten Abschneiden der Sportarten in den Kategorien Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit. Der Bau einer Bahn ist teuer, sie muss wenig umweltverträglich in die Landschaft gestellt werden, auch der Unterhalt kostet und frisst Energieressourcen für die Vereisung.

Teure Olympiabahnen verrotten

All das hatte sich auch bei den Spielen 2026 gezeigt: Der Neubau in Cortina d’Ampezzo hat statt der zunächst angekündigten 42 Millionen Euro am Ende 118 Millionen Euro gekostet, der Unterhalt kostet laut italienischem Rechnungshof eine Million Euro jährlich und wird durch die Einnahmen nicht gedeckt werden.

Die Zukunft der Bahn ist unklar. Viele Olympia-Bauten verrotten weltweit, sind Mahnmale des jahrzehntelangen Gigantismus. Dazu gehört die Bobbahn von Turin 2006, sie wurde wegen der zu hohen laufenden Kosten stillgelegt.

BSD-Vorstand Schwab gibt sich optimistisch

Für Deutschlands Olympia-Ausblick und die Schlittensportler wäre das Aus der Schlittensportarten ein Albtraum. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) blickt noch gelassen auf die Berichte über ein mögliches Olympia-Aus der Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton.

„Wir sind optimistisch und entspannt, dass wir Lösungen anbieten können“, sagte BSD-Vorstand Thomas Schwab. Die Debatte habe ihn allerdings noch nicht erreicht. Argumente für eine Streichung zu widerlegen, sei „eine Aufgabe der internationalen Verbände“. Eine Lösung könne etwa die stärkere Entwicklung von kostengünstigeren Bahnen in Modulbauweise sein. Demnach könne eine olympiataugliche Bahn bereits für 40 Millionen Euro errichtet werden.

Es sei zudem denkbar, dass Module im Baukastensystem nach Winterspielen abgebaut und an einem anderen Ort erneut aufgebaut werden könnten, um für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen. An weiteren Innovationen werde gearbeitet.

2030 und 2034 zumindest auf dem Papier noch mit Schlittensport

Für die kommenden Winterspiele in den französischen Alpen 2030 und in Utah 2034 haben die Schlittensportler ihren Platz aufgrund der geltenden Ausrichterverträge zumindest auf dem Papier noch sicher. Wie es danach weitergeht, könnte sich bereits bei der IOC-Session in Lausanne am 24. und 25. Juni klären, wenn die ersten Ergebnisse der Programmkommission erwartet werden.

„Wir müssen ehrlich damit sein, was funktioniert und noch wichtiger, was nicht funktioniert„, hatte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry am Vorabend der Spiele in Italien gesagt – und die nahenden Erschütterungen im Programm bereits angedeutet. Sportarten, Disziplinen und Veranstaltungen müssten „mit neuen Augen“ betrachtet werden, sagte die 42-Jährige: „Wir werden vor schwierigen Entscheidungen und Gesprächen stehen – das gehört zum Wandel dazu.“

Auf die Dominanz und den technischen Vorsprung Deutschlands im Bobsport angesprochen hatte sie dann in der vergangenen Woche auf ihrer Abschluss-Pressekonferenz gesagt. Die entsprechende IOC-Arbeitsgruppe befasse sich mit den Fragen: „Wie global ist eine Sportart? Wie fair ist der Wettbewerb? Ist diese Sportart für alle zugänglich?“ Gerade der letzte Punkt sei wichtig. Vier der weltweit 16 international genutzten Eiskanäle stehen in Deutschland.

Bald auch Handball, Volleyball und Co. im Winter-Programm?

Im Rahmen des „Fit For The Future“ genannten Prozesses befassen sich seit September vergangenen Jahres vier Arbeitsgruppen mit der Zukunft der Olympischen Spiele, dazu zählt auch eine Programmkommission unter dem Vorsitz des Österreichers Karl Stoss. Insider Mackay zufolge gebe es bereits eine breite Akzeptanz, dass die Winterspiele von Mailand und Cortina die letzten gewesen sind, bei denen ausschließlich auf Schnee und Eis um Medaillen gekämpft wurde – auch wenn aus den sieben Verbänden, die das Programm derzeit aufstellen, noch Gegenwind komme.

Handball und Volleyball gelten etwa als Sportarten, die künftig in den Winter rücken und den Platz der Eiskanalsportarten einnehmen könnten. Dadurch sollen zum einen die aufgeblähten Sommerspiele, die in Los Angeles 2028 mit Rekordzahlen von 353 Medaillenentscheidungen in 36 Sportarten aufwarten, wieder verschlankt und zum anderen die fast ausschließlich in Nordeuropa, Nordamerika und Ostasien rezipierten Winterspiele für weitere Teile der Welt geöffnet werden.