
Mehr als 400 Menschen sind nach schweren Überschwemmungen und Erdrutschen in Indonesien, insbesondere auf der Insel Sumatra, ums Leben gekommen. Weitere Hunderte werden vermisst. Das meldete die Nationale Agentur für Katastrophenmanagement am Sonntag. Weit mehr als 100 000 Menschen sind demnach auf der Insel von den Fluten vertrieben worden, Tausende haben ihr Zuhause verloren.
Die indonesischen Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten weiter ansteigen könnte. Wegen tagelanger schwerer Monsunregenfälle waren viele abgelegene Gebiete für Rettungsteams kaum oder gar nicht erreichbar gewesen. „Es gibt noch Orte, die wir nicht betreten konnten“, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde. „Die Daten werden sich weiter ändern.“
Sumatra ist fast so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen und liegt am westlichen Ende des Inselstaats Indonesien auf dem Äquator. In der Monsunzeit zwischen November und März kommt es dort häufiger zu schweren Überschwemmungen. Wissenschaftler warnen aber, dass der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität solcher Wetterereignisse weiter erhöhen dürfte.
Der heftige Regen der vergangenen Tage hatte laut der Behörden auf Sumatra Flüsse zum Überlaufen gebracht sowie Sturzfluten und Schlammlawinen auf dem steilen Terrain ausgelöst. Unbefestigte Straßen wurden weggespült, Brücken beschädigt und wichtige Verkehrsverbindungen unterbrochen.

Auf Fotos sind Autos und Trümmerteile zu sehen, die im Wasser treiben. Am stärksten betroffen ist die Provinz Nord-Sumatra, wo die Behörden am Sonntag 166 Tote und 103 Vermisste meldeten. Priorität sei nun, durch Erdrutsche blockierte Straßen wieder passierbar zu machen, Brücken zu reparieren, Lebensmittel und medizinische Güter in isolierte Gebiete zu bringen und die Strom – und Mobilfunknetze wiederherzustellen, teilten die Behörden mit.
Hochwasser auch in anderen Teilen Südostasiens
Derzeit kämpfen große Teile von Südostasien mit in diesem Jahr besonders verheerenden Monsunregenfällen und Hochwasser, darunter Thailand, Malaysia, Vietnam und die Philippinen. Die Zahl der Todesopfer ist insgesamt auf mehr als 600 angestiegen. Besonders betroffen ist auch der Süden von Thailand, wo die Fluten ganze Orte eingeschlossen haben. Tausende mussten auf die Dächer ihrer Häuser fliehen, um auf Hilfe zu warten. Vielerorts kamen die Einsatzteams nur noch mit Booten voran.
Im ganzen Land sind laut Katastrophenschutz fast drei Millionen Menschen von dem Regen und dem Hochwasser betroffen, es gebe mindestens 170 Tote, wie die thailändische Regierung am Sonntag mitteilte. Die Zeitung Khaosod sprach vom schlimmsten Hochwasser in der Region seit Jahrzehnten. Eine Entspannung der Lage wird zunächst nicht erwartet. Es könne Wochen dauern, bis sich die Wassermassen aus dem besonders schlimm betroffenen Bezirk Hat Yai, einem beliebten Tourismusziel an der Grenze zu Malaysia, wieder zurückziehen. Das sagte Seree Supratid, Experte für Klimawandel und Katastrophenvorsorge, der Zeitung Bangkok Post.

Etwa 8000 Touristen, die meisten davon Ausländer aus Malaysia, Singapur und Indonesien, saßen in den vergangenen Tagen in Hotels und am Flughafen von Hat Yai fest.
Laut der thailändischen Wetterbehörde sind zwei Wettersysteme für die Hochwasser verantwortlich: der tropische Wirbelsturm Koto, der sich über der Sulusee zwischen den Philippinen und Indonesien gebildet hat, sowie ein tropisches Sturmsystem in der Straße von Malakka. Beide Systeme verursachten massive Niederschläge und starke Winde in der Region.
Auch auf der anderen Seite des Golfs von Bengalen im weiter westlich gelegenen Sri Lanka wurden weitere Tote gefunden. In dem südasiatischen Inselstaat hatte ein Zyklon gewütet. Die Behörden bestätigten bis Sonntag 153 Tote. 191 Menschen wurden noch vermisst.
