In Bremen fährt eine Katze immer wieder mit dem Zug: Was sagen die Besitzer dazu? – Panorama

An diesem Montag veröffentlichte die Bundespolizeidirektion Bremen eine ungewöhnliche Pressemitteilung: Man habe einen „vierbeinigen Schwarzfahrer“ in der Obhut. Das zutrauliche Tier sei in einer Regionalbahn aufgegriffen und mit Wasser versorgt worden. Die Tierhilfe habe es später an die Halter übergeben. Was für viele Medien dieses Landes eine amüsante Meldung war, ist für die Katzenbesitzer, die Familie Tock aus Niedersachsen, durchaus ein kleines Problem.

SZ: Frau Tock, als der Anruf kam, bitte holen Sie Ihre Katze im 30 Kilometer entfernten Bremen ab, was haben Sie da gedacht?

Carolin Tock: Nicht schon wieder! Wir wussten ja, dass die Shila gern mal hier in Berne in den Regio steigt und Richtung Bremen oder Nordenham mitfährt. Normalerweise weiß sie, dass sie nur sitzenbleiben muss, bis der Zug umkehrt. Oder sie steigt unterwegs aus und nimmt den Zug in die Gegenrichtung, das hat man uns erzählt. Es sei denn, man lenkt sie ab.

Was passiert dann?

Manche Passagiere haben Leckerlis für sie dabei, und wenn sie vom Feinsten gestreichelt wird, verpasst sie den Ausstieg, obwohl sie den eigentlich am Geruch erkennt. Manche Menschen sind auch besorgt und nehmen sie einfach mit. Wir mussten sie schon einmal abholen. Ein Passagier hatte bei Facebook ein Foto von ihr im RS4 gepostet, später wurde sie bei der Bahn abgegeben. Mein Mann ist dann los und hat die Katze am Infoschalter abgeholt. Die wollten die gar nicht hergeben, sie lag da zusammengerollt auf dem Stuhl, ganz entspannt.

Warum liebt Shila die Deutsche Bahn so sehr?

Sie ist einfach superneugierig und liebt es durch die Gegend kutschiert zu werden, auch im Auto. Da schaut sie raus und chillt ihr Leben.

Wie ist das Tier zu Ihnen gekommen, wahrscheinlich nicht mit dem Zug?

Sie stammt aus einem großen Wurf in Polen. Sie ist in der Wildnis geboren. Über Freunde sind wir auf sie und ihre Geschwister aufmerksam geworden. Shila lebt eigentlich bei meiner Mutter ein paar Straßen weiter. Zwei ihrer Geschwister, Akira und Yona, leben bei mir. Ich liebe es, wenn sie bei mir im Bett schlafen, kuschelig und still. Die Liebe von Katzen muss man sich verdienen. Meine hören aufs Wort, aber Shila war schon immer anders.

Wie haben Sie das bemerkt?

Die Shila lässt sich gar nichts sagen, sie ist eine Draufgängerin. Sobald sie draußen ist, sucht sie ihren Weg und eben oft das nächstbeste Fahrmittel. Sie würde auch beim Hermes-Boten einsteigen. Sie ist erst zwei Jahre alt, aber fast jeder in Berne kennt sie. Sie schaut regelmäßig im Supermarkt, im Bürgerhaus und beim Friseur vorbei. Auch beim Blutspenden hat sie schon zugeguckt. Sie schläft gern in der Sparkasse oder der Volksbank. Der Koch im Altenheim füttert sie mit frischem Hühnchen.

Bei Facebook gibt es auch Kritik, Sie sollten besser auf das Tier aufpassen, damit nicht irgendwann etwas passiert.

Shila ist geimpft, kastriert und gechippt. Jeder Tierarzt, jede Rettungsstelle weiß dadurch, wo sie hingehört. Sie hat ein liebevolles Zuhause, meine Mutter ist mit Hunden und Katzen groß geworden, verwöhnt Shila mit frischem Fisch und Fleisch und versteht auch nicht, warum sie immer auf Achse geht. Nachdem es Beschwerden gab, hat meine Mutter versucht, sie drinnen zu behalten. Das Tier ist die Wände hochgegangen, ist gegen Schränke gesprungen. Man kann keine Freigängerin wieder zur Drinnenkatze umerziehen. Das macht keinen Sinn.

Haben Sie je überlegt, Shilas besonderes Talent zu fördern? Heute hat doch jeder Hamster seinen eigenen Instagramkanal.

Ich habe überlegt, ihr einen eigenen Facebook-Account zu machen, nicht damit sie berühmt wird, sondern damit sie wirklich jeder aus der Gegend kennt und sie nicht einfach mitnimmt. Vorhin lief die Nachricht ihrer Zugfahrt bei Hitradio Antenne, jetzt rufen auch noch Sie an, vielleicht wird Shila wirklich bald berühmt. Ich habe schon überlegt, Hund, Hahn und Esel zu organisieren, dann wären die Bremer Stadtmusikanten komplett.

Im Märchen wollten die nach Bremen, um „etwas Besseres als den Tod“ zu finden. Was glauben Sie, sucht Shila?

Wir wissen es nicht. Wir haben tolle Bilder, da liegt sie in ihrem Schuhkarton auf dem Schrank, im Schoß meiner Mutter oder auf dem Sessel mit den Pfoten auf ihrer Schulter. Ich bin sicher, sie fühlt sich wohl. Wir sind gerade am Überlegen, ob wir im Internet so eine kleine Kamera bestellen, damit wir bei ihren Abenteuern zusehen können oder zumindest wissen, wie groß ihr Revier wirklich ist. Aber im Grunde haben wir Vertrauen in Shila. Sie wird immer zu uns zurückkommen.