Im August 2026 ist die Sonnenfinsternis zu sehen

Gemächlich gleitet die Schmal­spurbahn von Oviedo, der Hauptstadt Asturiens, durch die grünen Wiesen und Weiden Richtung Küste. Der Himmel zeigt sich zartblau an diesem Samstagvormittag. Zur rechten Hand sind die Ausläufer des Kantabrischen Gebirges zu sehen, zur linken die Küste und der Atlantik. Hier und da wachsen Palmen. Asturien ist ein kleines Stück Land zwischen dem Baskenland und Galizien. Dank der Niederschläge, die höher ausfallen als im Rest des Landes, bilden sie zusammen den grünen Norden Spaniens.

Mit Regen ist ständig zu rechnen, doch in den Sommermonaten ist es trockener und die Aussicht auf klare Wetterverhältnisse ist zu dieser Zeit am größten. Gute Bedingungen für die totale Sonnenfinsternis also, die am 12. August dieses Jahres in Asturien zu sehen sein wird. Fast zwei Minuten wird der Mond die Sonne vollständig bedecken, bis er sie wieder ganz freigibt, vergehen knapp zwei Stunden.

Zurück zur Küste: Wer sie zu Fuß erleben möchte, wandert größtenteils auf Steilklippen. Etwas mehr als 200 Strände gibt es, die meisten aus Sand, nur wenige aus Kieselsteinen. Viele liegen in kleinen Buchten. Häufig säumen Mauern aus Bruchsteinen die Wege; aus ihren Fugen wachsen Efeu, Fingerhut und verschiedene Farnarten. Der kleine Hafenort Llanes liegt im Osten Asturiens. Er ist ein ideales Ziel für eine zwölf Kilometer lange Wanderung, die in Pendueles startet. Der Weg schlängelt sich durch saftige Weiden. Mit etwas Glück erlebt der Wanderer nach einigen Kilometern das Naturschauspiel der Bufones, das sind Wasserfontänen aus Meerwasser, die bei stärkerem Wellengang durch ausgewaschene Schlote im Kalkgestein aufstieben.

In Llanes gibt es Einiges zu entdecken: die Altstadt mit der Basílica de Santa María del Concejo, regionale Produkte in Spezialitätenläden wie zum Beispiel den Blauschimmelkäse Cabrales oder den Hafen und Strände. Gut 130 Kilometer weiter westwärts duckt sich der Fischerort Cudillero an die Steilklippen. Unten angekommen, öffnet sich die enge Straße zu einem Platz, der an ein Amphitheater erinnert. Er ist gesäumt von zahlreichen Res­taurants und Bars. In ihnen wird frisch zubereitete Paella oder Pulpo á la Gallega serviert, das sind Scheibchen von Krake, auf dem Grill gebraten, mit Öl und Paprikapulver gewürzt und auf Kartoffelscheiben drapiert.

In der Hauptstadt Oviedo lässt sich Asturien im Kleinen erleben. In der Nähe der Kathedrale nimmt eine Folkloregruppe in bunten Trachten auf einem Platz Stellung. Die Gruppe ist groß, auch viele Jugendliche und Kinder sind dabei. Einige Frauen und Männer bilden einen weiten Kreis und bringen die Gaita, den asturischen Dudelsack zusammen mit Trommeln zum Klingen. Nachdem die markanten Töne der Gaita abgeklungen sind, ziehen sie weiter. Folkloregruppen gehören in Oviedo zum Straßenbild. Nachwuchssorgen scheint keine von ihnen zu haben. Überhaupt: Die Asturier sind aufgeschlossen und freundlich. Sie fühlen sich sehr verbunden mit ihrer Heimat, auch die junge Generation, sie singen gerne und oft. Manolo, durch und durch Asturier, schildert: „Singen ist für uns sehr wichtig. Es macht viel Spaß. Ich kenne es von früher, als wir mit unseren Eltern Ausflüge ins Gebirge oder ans Meer machten: Während der Fahrt und beim Picknicken – gesungen wurde immer.“ In den Sid­rerías der Stadt lässt sich Asturien erschmecken. In ihnen wird Sidra, ein Apfelmost, ausgeschenkt – und zwar auf eine ungewöhnliche Weise: Die Flasche wird in weitem Bogen über den Kopf geführt, denn der Moststrahl soll möglichst viel Luft aufnehmen, bevor er in den breiten Becher fällt. An dem kleinen Spektakel haben selbst einheimische Gäste jedes Mal aufs Neue Spaß. Oviedo ist auch Ausgangspunkt des anspruchsvollsten aller Jakobswege, des Camino primitivo, der durch das Auf und Ab des Kantabrisches Gebirges führt. Im vergangenen Jahr haben sich nicht viel mehr als fünf Prozent aller Pilger, die in Santiago eine offizielle Urkunde erhielten, auf diesen beschwerlichen Weg begeben.

Auch das Kantabrische Gebirge prägt die Region, ganz besonders das Kalkmassiv Picos de Europa im Osten. In Poncebos startet die 26 Kilometer lange Wanderung (hin und zurück) Routa del Cares durch die Schlucht des Río Cares nach Caín. Das raue, helle Kalkgestein wird stellenweise von spärlichem Gras bedeckt, hier und da wachsen ein paar saftig-grüne Bäume und Sträucher, dazu das zart-türkise Wasser des Gebirgsflusses. Wer sich an einem Wochentag auf den Weg begibt, wandert fast alleine.

Im Westen Asturiens sind die Berge etwas niedriger, aber nicht weniger Wert erwandert zu werden. Insbesondere an der Küste macht sich im Westen der galizisch-portugisische Einfluss bemerkbar. Die Häuser sind mehrheitlich weiß gestrichen, und die traditionellen Getreidespeicher bestehen anstatt aus rustikalem Holz aus Granit. In den Gemüsegärten wird Caldo verde, Kohl auf hohen, dünnen Stängeln angepflanzt, der in Galizien und Portugal für die gleichnamige Suppe verwendet wird. In der Luft liegt schon etwas von der portugiesischen, schwermütigen Stimmung. Asturien hört nicht auf, abwechslungsreich zu sein.