Homosexualität im Fußball: St. Paulis U19-Trainer macht Homosexualität öffentlich

St. Paulis U19-Trainer Christian Dobrick hat seine Homosexualität öffentlich gemacht und den Umgang mit der sexuellen Orientierung im männlichen Spitzenfußball kritisiert. „Ich war mir lange unsicher, ob ich mir mit dem Bekenntnis, schwul zu sein, nicht die Karriere verbaue“, sagte der Nachwuchscoach des Hamburger Bundesligisten dem Stern und RTL. „Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische“, fügte er hinzu.

Zu dem Schritt, seine sexuelle Orientierung öffentlich zu machen, habe ihn auch Jürgen Klopp bewogen. „Du kannst als Trainer sein, wer du willst, aber du musst für etwas stehen. Du musst du selbst sein“, habe ihm Klopp, der unter anderem Borussia Dortmund und den FC Liverpool trainierte, bei einem Treffen gesagt.

St. Paulis Präsident sagte Dobrick Unterstützung zu

Weiter sagte Dobrick, er habe seine sexuelle Orientierung im Arbeitsumfeld nicht länger verschweigen wollen. „Dieses Versteckspiel hat mich zu viel Kraft gekostet“, sagte er. Oft habe er „Wortakrobatik“ und einen „rhetorischen Eiertanz“ aufführen müssen, um sein Leben als schwuler Mann zu kaschieren. Das hätte Energie gekostet, „die man eigentlich in den Beruf und den Sport investieren“ hätte können.

Der Verein begrüßte das Statement von Dobrick. „Als FC St. Pauli stehen wir selbstverständlich hinter ihm und seinem Coming-out. Denn eigentlich ist es ganz einfach und sollte für alle gelten: Lieb‘ doch, wen du willst!“, teilte der Klub mit. Auch Präsident Oke Göttlich habe Dobrick seine Unterstützung zugesagt.

In den höchsten drei deutschen Ligen hat es bisher kein Coming-out eines aktiven Fußballers gegeben – anders ist das beim Frauenfußball, bei dem sexuelle Orientierung kaum eine Rolle spielt. Im Profifußball der Männer gilt Homosexualität noch immer als Tabuthema, obwohl vor allem Vertreter der Fans für einen offeneren Umgang werben.