Hitzige Spätromantik, klimaneutral: Jonas Kaufmanns Pläne in Erl

„Es spricht sich herum, wie es bei uns ist“, sagt Jonas Kaufmann. Künstlerinnen und Künstler, die in Erl waren, gefällt die ruhige und konzentrierte Atmosphäre im Inntal kurz vor Kufstein und gleich hinter der bayerisch-österreichischen Grenze. Und sie kommen gerne zurück – wie etwa Irene Roberts, die in Erl bereits die Kundry in „Parsifal“ gesungen hat und im Sommer 2027 als Isolde debütieren wird.

Im Oktober geht das Jahr der Tiroler Festspiele mit dem traditionellen „Ausklang“ zu Ende, der Volksmusik, Jazz, Pop und Weltmusik zusammenbringt. Im Mittelpunkt steht wie immer die osttiroler Musikbanda Franui, die auch im Sommer 2027 das Nachfolge-Projekt ihres Thomas-Bernhard-Projekts „Holzfällen“ mit Nicholas Ofczarek vorstellen wird.

Die Winterspielzeit widmet sich traditionell der italienischen Romantik: Donizettis „Anna Bolena“ und Verdis „Nabucco“ werden konzertant aufgeführt, „La traviata“ in der Regie von Mariame Clément szenisch. Kaufmann wagt mit Rücksicht auf bisherige Erfolge vier Vorstellungen und setzt zugleich seine Linie fort, mindestens eine Produktion einer Regisseurin anzuvertrauen.

Kaufmann singt wieder den Parsifal, aber nicht den Tristan

An Ostern wird Philipp Krenns „Parsifal“-Inszenierung wiederaufgenommen. Der Erler Musikchef Asher Fisch dirigiert, Gerald Finley (Amfortas), John Rylea (Gurnemanz) und Irene Roberts (Kundry) übernehmen diesmal die Hauptrollen. Kaufmann singt die Titelrolle, will aber weiter an seinem Grundsatz festhalten, nicht bei jeder Tenorpartie „Hier!“ zu rufen und sich auf die künstlerische Leitung zu konzentrieren.

Irene Roberts debütiert als Isolde,
Irene Roberts debütiert als Isolde,
© Tiroler Festspiele
Irene Roberts debütiert als Isolde,

von Tiroler Festspiele

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Das gilt auch für den „Tristan“, das Hauptstück des Sommers: Er habe durchaus überlegt, selbst die Hauptrolle zu übernehmen. Aber das sei so fordernd, dass er für nichts anderes mehr den Kopf frei hätte. Kaufmann hat John Matthew Myers für die schwierigste aller Tenorrollen gewonnen, Irene Roberts debütiert als Isolde, René Pape singt den Marke. Die Inszenierung im Passionstheater übernimmt Johannes Erath. Premiere ist am 3. Juli.

Schreker und eine moderne Kammeroper

Als zweiten Programmpunkt verspricht Kaufmann noch einen weiteren spätromantischen Klangrausch: Franz Schrekers immer noch eher selten gespielte Oper „Der ferne Klang“. Calixto Bieito inszeniert im Festspielhaus, die musikalische Leitung hat Christian Blex. Außerdem gastiert als Koproduktion mit dem Festival von Aix-en-Provence die Kammeroper „Accabadora“ von Francesco Filidei. Kaufmann setzt damit seine Reihe mit zeitgenössischen Opern fort, um die Lebendigkeit der Gattung zu betonen.

Der Akkordeonist Martynas Levickis spielt im „Tiroler Konzert“.
Der Akkordeonist Martynas Levickis spielt im „Tiroler Konzert“.
© Tiroler Festspiele
Der Akkordeonist Martynas Levickis spielt im „Tiroler Konzert“.

von Tiroler Festspiele

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Im Beiprogramm gibt es wie üblich Konzerte und Oratorien. Der Akkordeonist Martynas Levickis bestreitet mit dem Stuttgarter Kammerorchester das „Tirol Concerto“. Zwischen Ostern und dem Sommer gastiert das Gärtnerplatztheater ab 20. Mai 2027 mit drei Aufführungen der „Fledermaus“ und einem Operettenkonzert. Neu ist außerdem ein Gesangswettbewerb: die „Jonas Kaufmann Competition“ im Juni 2027.

Erl ist zwar relativ einfach über die Bahnhöfe Oberaudorf und Kufstein erreichbar. Wer trotzdem mit dem Auto anreist und die geräumige, kostenlose Parkgarage nutzt, kann sein ökologisches Gewissen beruhigen: Dank einer neuen Fotovoltaik auf den Dächern und der Nutzung von Erdwärme sind die Tiroler Festspiele nahezu klimaneutral.

Infos zum Programm unter www.tiroler-festspiele.at