
Stand: 27.01.2026 09:48 Uhr
Haut und Haare werden im Winter strapaziert: Die Haut wird trocken und juckt. Lippen werden spröde und reißen ein und Haare laden sich statisch auf. Welche Pflege hilft? Tipps einer Expertin.
Kalte Witterung draußen, warme und trockene Heizungsluft drinnen – der Winter ist für Haut und Haare eine echte Belastungsprobe. Viele Menschen kämpfen jetzt mit trockener, juckender Haut, spröden, rissigen Lippen oder statisch aufgeladenen Haaren. Was steckt dahinter? Und vor allem: Was hilft wirklich? Hautärztin und Haarexpertin Prof. Dr. Natalie Garcia Bartels erklärt, worauf es in der kalten Jahreszeit ankommt – und welche Pflegefehler man besser vermeidet.
Warum Haut und Haare im Winter besonders leiden
Im Winter sinkt die Luftfeuchtigkeit deutlich – draußen durch Kälte, drinnen durch Heizungsluft. Die Folge: Haut und Haare verlieren mehr Feuchtigkeit als in anderen Jahreszeiten. „Die reduzierte Feuchtigkeit in der Luft führt dazu, dass sowohl Haut als auch Haare austrocknen“, erklärt Garcia Bartels. Die natürliche Schutzbarriere der Haut wird geschwächt, Wasser verdunstet schneller, die Haut spannt, juckt oder rötet sich.
Auch die Haare reagieren sensibel auf diese Bedingungen. Sie nehmen weniger Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und laden sich leichter statisch auf – vor allem durch Mützen, Schals, synthetische Kleidung und zu heißes Föhnen.
Feuchtigkeitsspendende Pflege nicht bei Kälte anwenden
Viele haben im Winter automatisch das Bedürfnis, feuchtigkeitshaltige Cremes oder Seren aufzutragen. Doch genau das kann bei Kälte zum Problem werden. „Bei frostigen Temperaturen sollte man möglichst keine sehr feuchtigkeitsreiche Pflege auf die Gesichtshaut auftragen“, sagt Garcia Bartels. Der hohe Wasseranteil kann auf der Haut unangenehm wirken und sie zusätzlich reizen. Bei extremer Kälte kann sich die Haut durch zu feuchtigkeitsreiche Creme sogar leicht angefroren anfühlen, so Garcia Bartels weiter.
Mit fettreichen Cremes die Haut vor dem Austrocknen schützen
Fettreichere Cremes schützen die Haut besser vor Wasserverlust und stärken die Hautbarriere. Hinweise darauf liefern Begriffe wie „Creme“, „Fettcreme“ oder ein ausgewiesener Lipidgehalt von zehn Prozent oder mehr. Sehr flüssige Produkte wie Lotionen, Emulsionen oder Seren sind dann eher ab Frühling wieder angesagt.
Natürliche Fette wie Sheabutter sind laut Garcia Bartels besonders empfehlenswert: Sie sind meist gut verträglich, kommen oft ohne Duftstoffe aus und können sowohl für Gesicht als auch Lippen verwendet werden.
Auch im Winter an Sonnenschutz denken
Außerdem braucht die Haut auch im Winter einen Lichtschutzfaktor. „Wenn man draußen keine Taschenlampe braucht, braucht man einen Lichtschutz„, erinnert Dermatologin Ev-Charlott Walter ihre Patienten, denn die Kraft der Sonne wird im Winter häufig unterschätzt.
Trockene, aufgerissene Lippen: Machen Lippenpflegestifte süchtig?
Spröde, rissige Lippen gehören zu den Klassikern im Winter. Lippenpflegestifte sind deshalb ständig im Einsatz – oft im Minutentakt. Manche fühlen sich regelrecht süchtig. „Eine echte Abhängigkeit der Lippenhaut gibt es nicht“, beruhigt Garcia Bartels.
Problematisch ist eher das häufige Ablecken der Lippen, denn das kann sogar zu einem sogenannten Lippenleckekzem (Cheilitis sicca) führen. Ein Teufelskreis, denn das verdunstende Speichelwasser trocknet die Haut um den Mund herum zusätzlich aus.
Ihr Tipp: Lippenpflegeprodukte ohne Duftstoffe verwenden und am besten vor dem Schlafengehen auftragen. Dann bleibt die Pflege länger auf der Haut und kann besser einziehen.
Eingerissene Mundwinkel können auf einen Nährstoffmangel hindeuten
Wer zusätzlich unter eingerissenen Mundwinkeln leidet, sollte genauer hinschauen. Neben trockener Haut und mechanischer Belastung können auch Eisen– oder Vitamin-B12-Mangel eine Rolle spielen. Reißen die Mundwinkel häufiger auf, ist eine Abklärung beim Hausarzt sinnvoll.
Conditioner hilft bei statisch aufgeladenen Haaren
Fliegende Haare sind nicht nur nervig, sondern eine typische Wintererscheinung. „Das hat viel mit trockener Heizungsluft und statischer Aufladung durch Kleidung zu tun“, erklärt Garcia Bartels. Die Haare verlieren Feuchtigkeit und stoßen sich elektrisch gegenseitig ab. Die Folge: Sie machen, was sie wollen, fliegen in alle Richtungen, die Frisur ist dahin.
Abhilfe schaffen feuchtigkeitsspendende Shampoos und vor allem Conditioner. Sie legen sich wie eine feine Schutzschicht um das Haar und reduzieren die statische Aufladung. Auch Materialien haben Einfluss auf fliegende Haare. Naturfasern laden Haare weniger auf als synthetische Stoffe.
Weniger ist mehr: Pflegefehler im Winter
Ein häufiger Fehler ist übertriebene Pflege. Zu häufiges Waschen, aggressive Tenside, die die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten senken, oder stark parfümierte Produkte können die Haut zusätzlich reizen. Besser ist eine reduzierte, aber gezielte Winterroutine: milde Reinigung, reichhaltige Pflege und möglichst reizarm.
Winterpflege bedeutet vor allem Schutz – vor Kälte, Trockenheit und Reizstoffen. Wer seine Hautbarriere stärkt, fettreicher pflegt und bei Haaren auf Feuchtigkeit und Schutz setzt, kommt deutlich entspannter durch die kalte Jahreszeit. Oder wie Prof. Garcia Bartels es auf den Punkt bringt: „Im Winter braucht die Haut einfach mehr Unterstützung – und manchmal weniger Aktionismus.“
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