
Doch ist der Bayern-Gegner vom Samstagnachmittag auf ein so kleines Maß geschrumpft, dass dieser SV Werder Bremen dem BVB keinerlei Unterstützung bieten konnte in dem, was man nur mit viel Wohlwollen „Meisterschaftsrennen“ nennen kann: Das 3:0 (2:0) der Bayern an der Weser stellte die Kräfteverhältnisse nur undeutlich dar; erst nutzte Trainer Vincent Kompanys Elf Fehler der Bremer aus (Senne Lynen), dann entschieden sie die Partie in die einzig gute Werder-Phase hinein durch den dritten Treffer.
Harry Kane und Leon Goretzka treffen für FC Bayern
Am Ende, als auch Jamal Musiala mitmachen durfte, versprühten die Münchner viel Spielfreude gegen sich aufgebende Bremer, verpassten aber weitere Treffer, weil sie manche Konter zu verschnörkelt beendeten.
Doch auch so war dieser deutliche Sieg dank zweier Treffer Harry Kanes (22. und 25. Minute) und Leon Goretzkas Tor zum Endstand in der 70. Minute ein Ausweis von Souveränität – gerade gegen den Ball wirkte der FCB viel griffiger als noch vor zwei Wochen beim 2:2 in Hamburg.
Kane hat nun 26 Treffer nach 22 Spielen erzielt: „Ihm wird die Meisterschale wichtiger sein als die Torjägerkanone“, sagte FCB-Trainer Vincent Kompany und lachte, „aber ich kann das nicht beurteilen, ich war nur Verteidiger.“
Das Spiel war also sehr zur Freude der Bayern verlaufen, wie Sportvorstand Max Eberl mit Blick auf die „Vorlage“ vom Vorabend in der eisigen Bremer Interviewzone sagte: „Nach dem Freitag hatten alle die Hoffnung, dass etwas passiert. Aber wir haben die Hoffnung gecrasht.“ Das war ja vor einer Woche ähnlich gewesen, als das sonntägliche Münchner 5:1 gegen Hoffenheim die Tabellennachbarn an der Spitze wieder sechs Punkte voneinander getrennt hatte.
Es war von der zehnten Minute an ein Auftritt mit guten A- und B-Noten. Kompany applaudierte seinem Team in vielen Szenen, nachdem er zunächst manche Schlampigkeit hatte sehen müssen. Werder begann im ersten Heimspiel des neuen Trainers Daniel Thioune einigermaßen mutig. Die Bayern fanden dann aber rasch ins Spiel.
Kane ließ sich zurückfallen, Lennart Karl wirkte spritzig und spielfreudig und dribbelte diesmal auch nicht ins Aus. „Er ist ein Talent mit viel Qualität. Er hat gar keinen Druck, soll nur machen, was er kann. Er hat heute offensiv und defensiv gut gearbeitet“, lobte Trainer Kompany.
Jonas Urbig ersetzt Manuel Neuer im Münchner Tor
Auch Serge Gnabry arbeitete viel nach hinten, und Joshua Kimmich ordnete das Ganze. Als Karl einen Elfmeter herausholte, stellte Kane seine Qualitäten vom Punkt unter Beweis und war drei Minuten später nahe dem Strafraum am Ball – eine Szene, in der man schon in dem Moment „Tor!“ dachte, als das Spielgerät seinen Fuß verließ. So war es: Die Bayern führten nach 25 Minuten 2:0 – und hätten durch Luis Diaz und Josip Stanisic weitere Treffer folgen lassen können.
Werder drängte nach den beiden verhängnisvollen Fehlern Senne Lynens vor der Pause auf einen Treffer, aber man sieht dieser nun zwölfmal hintereinander sieglosen Mannschaft den fehlenden Glauben an. Thioune coachte an der Seitenlinie leidenschaftlich. Doch der Energieübertrag blieb aus.

Zur zweiten Halbzeit blieb Manuel Neuer mit leichten Wadenproblemen in der Kabine. „Manuel war entspannt, ich sehe da keine schwere Verletzung“, sagte Kompany. Nach Kanes Pass vergab Gnabry in der 63. Minute das 3:0. Jonas Urbig im Bayern-Tor nahm auch am Spiel teil und hatte in der 64. Minute seine beste Szene, als er Schmids zentralen Schuss abwehrte. Diese ordentliche Phase hätte mit erfolgreichem Abschluss noch einmal Feuer unters Dach des ausverkauften Weserstadions gebracht.
So aber wurde es ab dem 3:0 durch Goretzkas schnörkellosen Flachschuss sechs Minuten später ein Verwaltungskick, bei dem viele Wechsel das Bremer Spiel eher noch harmloser machten. Den Pass hatte der eingetauschte Alphonso Davies gegeben.
Der vertragsverlängerte Dayot Upamecano hingegen durfte sich im Bremer Winter ausruhen. Die Bayern liefen sich in den letzten 20 Minuten mit Ball gefällig für die nächsten Aufgaben aus. „Es war ein harter Kampf gegen einen voll motivierten Gegner – wir haben das gut gemacht heute“, lobte Vincent Kompany abschließend.
Werder hingegen war eine Packung entgangen – und hat nun die Hoffnung, beim FC St. Pauli und gegen den 1. FC Heidenheim Schritte aus dem Keller zu machen.
