
Die deutsche Handballnationalmannschaft hat das Finale der Europameisterschaft gegen Topfavorit und Gastgeber Dänemark verloren. Das DHB-Team von Trainer Alfred Gíslason unterlag in Herning mit 27:34. Deutschland musste sich im Finale mal wieder dem Topfavoriten geschlagen geben, kann sich aber über das
zweite Silber innerhalb von zwei Jahren freuen. Vor 15.000 Zuschauern, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, reichten eine starke
Leistung von Torwart Andreas Wolff sowie jeweils fünf Tore von Johannes Golla, Juri Knorr und Marko Grgić nicht, um sich den Goldtraum zu erfüllen.
Das deutsche Team lag nur in der ersten Halbzeit kurzzeitig in Führung, beim Stand von 4:5 und 5:6. Danach lagen die Dänen meist vorn, zur Pause führten sie mit 18:16. Die erste Vier-Tore-Führung schafften sie beim 26:22, und diesen Rückstand vermochten die Deutschen nicht mehr wettzumachen, im Gegenteil. In den Schlussminuten machten die Dänen das Ergebnis deutlich. Zwei Schiedsrichterentscheidungen schwächten das deutsche Team: Abwehrspezialist Tom Kiesler sah nach einem Foul an Gidsel schon in der Anfangsphase die Rote Karte, Kreisläufer Jannik Kohlbacher wenige Minuten vor dem Abpfiff ebenso.
Die Dänen konnten ihren EM-Fluch beenden und sich erstmals seit 2012 wieder zum Europameister krönen. Für das DHB-Team wäre es der dritte EM-Titel nach 2004 und 2016 gewesen. Deutschland wartet nun schon seit zehn Jahren auf einen Pflichtspielsieg gegen den amtierenden Olympiasieger und Weltmeister Dänemark. Das EM-Silber ist dennoch Beleg für den Aufschwung des deutschen Handballs
und dürfte die Vorfreude auf die Heim-WM im Januar 2027 noch mehr
anheizen. Auf einen Weltmeistertitel wartet die DHB-Auswahl dann genau
20 Jahre.
Golla: „Gehen erhobenen Hauptes hier raus“
Deutschlands Mannschaftskapitän Johannes Golla sagte: „Ich bin stolz auf die Leistung, auf das ganze Turnier. Wir haben uns
auch heute nicht aufgegeben. Das Ergebnis fällt
deutlicher aus, als es das Spiel hergegeben hat. Im Vergleich zum Finale
bei Olympia können wir heute erhobenen Hauptes hier rausgehen.“ Im olympischen Finale in Lille 2024 hatte es eine mit 26:39 sehr hohe Niederlage gegen die Dänen gegeben.
Ersten Trost spendete Bundeskanzler Merz: „Was für ein Finale,
was für eine starke Europameisterschaft. Ihr habt gekämpft, Nervenstärke
und Teamgeist gezeigt. Wir sind stolz auf euch“, schrieb der
CDU-Politiker bei X.
Vergangene Woche hatten sich beide Teams bereits in der Hauptrunde gegenübergestanden, und die Mannschaft um den dänischen Welthandballer Mathias Gidsel gewann mit 31:26 auch dieses Duell.
Deutschlands Handballer mussten im Finale kurzfristig auf Justus Fischer verzichten: Der 22 Jahre alte Kreisläufer fiel wegen eines Infekts aus. Fischer hatte mit einer überragenden Leistung beim 31:28-Sieg der DHB-Auswahl im Halbfinale gegen Kroatien großen Anteil am Einzug ins Endspiel.
Wolff und Golla ins All-Star-Team der EM gewählt
Mit Andreas Wolff und Johannes Golla stehen zwei deutsche Handballer im All-Star-Team der Europameisterschaft. Wolff wurde bei der Fan-Abstimmung zum besten Torwart des Turniers gewählt, Kapitän Golla zur Nummer eins am Kreis. Für Wolff ist es die dritte EM-Auszeichnung dieser Art nach 2016 und 2024. Auch der neue Europameister Dänemark ist mit zwei Spielern im Topteam der Endrunde vertreten: Simon Pytlick vom Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt wurde zum besten linken Rückraumspieler gewählt, Welthandballer Mathias Gidsel vom deutschen Meister Füchse Berlin, der mit 68 Turniertoren einen Allzeitrekord aufstellte, zum wertvollsten Spieler der EM.
