Handball-EM, Deutschland – Norwegen: „Nicht von dieser Welt“ – Torwart Wolff gefeiert

Der Lauf der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM hält an. In der Hauptrunde tut sich das Team gegen Norwegen lange schwer, gewinnt aber dennoch. Torwart Andreas Wolff ist der überragende Mann und wird danach entsprechend gefeiert.

Dank einer Weltklasse-Gala von Torwart Andreas Wolff bleiben Deutschlands Handballer bei der Europameisterschaft auf Kurs Halbfinale. Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason kam gegen Norwegen zu einem 30:28 (15:17)-Sieg und führt die Tabelle in der Gruppe 1 mit 6:0 Punkten an.

Vor 10.117 Zuschauern in Herning war Rückraumspieler Marko Grgic mit sieben Toren bester Werfer für den Olympia-Zweiten, der bei der Endrunde zuvor schon Spanien und Portugal besiegt hatte. Am Montag steht für die deutsche Mannschaft um den überragenden Wolff, der 22 Würfe abwehrte, das Kracher-Duell mit Weltmeister und Olympiasieger Dänemark an.

„Überragend. Wenn du so einen Torwart drin hast, darfst du nicht verlieren. Das ist nicht von dieser Welt“, schwärmte Renars Uscins. Solches Lob kam von den Teamkollegen durch die Bank. „Ohne Andi hätten wir heute nicht die zwei Punkte mitgenommen“, sagte etwa Tom Kiesler, und Bundestrainer Alfred Gislason befand: „Eine phänomenale Leistung, er hat uns gerettet.“

Dänemark, das Team um Welthandballer Mathias Gidsel vom deutschen Meister Füchse Berlin, verfügt nach einem 36:31 gegen Spanien wie Frankreich über 4:2 Punkte. Der Titelverteidiger hatte zuvor Portugal mit 46:38 überrollt und ist am kommenden Mittwoch der letzte Gegner der DHB-Auswahl in der zweiten Turnierphase.

Deutschland gegen Norwegen mit Fehlstart

Durch den schwer erkämpften Sieg gegen Norwegen um Superstar Sander Sagosen hat die deutsche Mannschaft jetzt alle Trümpfe in der Hand, sich den Traum vom Halbfinale zu erfüllen. Dafür muss aber eine deutliche Steigerung her. Angesichts der engen Konstellation ist auch noch eine frühzeitige Heimreise nach der Hauptrunde möglich.

Wie schon zuletzt gegen Portugal tat sich das DHB-Team im Angriff enorm schwer. Gleich reihenweise wurden beste Chancen vergeben. Hinzu kamen einige technische Fehler. Zum Glück war Torwart Andreas Wolff von Beginn an hellwach. Doch auch der 34-Jährige konnte trotz einiger Glanzparaden nicht verhindern, dass Deutschland nach neun Minuten beim 2:5 mit drei Toren hinten lag.

Der Fehlstart veranlasste den Bundestrainer zu einer frühen Auszeit, die zunächst aber ebenso wenig bewirkte wie erste personelle Wechsel. Erst langsam kämpfte sich die DHB-Auswahl in die Partie und kam beim 8:8 (17.) zum Ausgleich. Wolff hatte zu diesem Zeitpunkt bereits acht Würfe abgewehrt. Mit einem Zwei-Tore-Rückstand ging es dann in die Halbzeitpause.

Zuschauern feiern überragenden Wolff

Nach dem Wechsel setzte sich das Fehlerfestival im deutschen Angriff zunächst fort. Nur auf Wolff war weiter Verlass. Der 34-Jährige erhielt von den Zuschauern für seine teils unglaublichen Rettungstaten immer wieder Szenenapplaus und hielt das DHB-Team im Spiel. Er wurde am Ende auch als bester Spieler des Spiels ausgezeichnet.

Wolffs Leistung färbte Mitte der zweiten Halbzeit endlich auch auf seine Vorderleute ab. Beim 26:21 (49.) führte Deutschland plötzlich mit fünf Toren, weil nun auch Rückraumspieler Grgic erstmals im Turnier sein Potenzial ausschöpfte und der Mannschaft mit seinen Treffern zusätzliche Sicherheit gab. So durfte die DHB-Auswahl am Ende jubeln.

Der Held selbst war weniger euphorisch als seine Mitspieler. Man spiele defensiv gut, „müsse aber insbesondere im Angriff eine Schippe drauflegen“, sagte Torwart Wolff und blickte auf den Montag. Die Dänen würden solche Fehler härter bestrafen: „Man kann den Dänen nur Paroli bieten, wenn du in der Abwehr knallhart und vorne eiskalt bist. Das ist eine durchweg mit Weltklasse besetzte Mannschaft, die keine Schwachpunkte hat. Wir müssen da ein ganz anderes Gesicht zeigen.“

SUF