Vier Mal Aluminium, Tore, ein Platzverweis, ein zurückgenommener Elfmeter – das Duell zwischen dem Hamburger SV und dem FC Augsburg hatte all das, aber keinen Sieger. Am Ende stand am 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga ein 1:1 (0:1) auf der Hamburger Anzeigetafel.
Durch das Remis behalten beide Kontrahenten ein passables Polster auf die Abstiegsränge, der Abstand auf den 17. Wolfsburg beträgt nun sogar zehn Zähler. Arthur Chaves war der Führungstreffer für den FCA gelungen (22. Minute), Ransford Königsdörffer hatte für den HSV ausgeglichen (60.), der nach Roter Karte für Miro Muheim in der 64. Minute lange in Unterzahl agieren musste.
Chaves stochert Augsburg zum 1:0
Der HSV, bei dem Robert Glatzel etwas überraschend nach seiner Suspendierung direkt in die Startelf zurückgekehrt war, hatte die erste Gelegenheit des Spiels: Philip Otele traf bei seinem Seitfallzieher den Ball aber nicht sauber (3.). Auf der anderen Seite hätte Michael Gregoritsch nach ausdauernden Zupf-Versuchen von Muheim gern einen Elfmeter gehabt, den es aber nicht gab (7.). Die Partie war direkt auf Betriebstemperatur.
Ein bisschen kühlte sie nach einer guten Viertelstunde dann zunächst ab: Augsburg gewährte den Gastgebern nicht mehr so viel Platz im Umschaltspiel, dadurch waren die Ballbesitz-Phasen auf beiden Seiten länger und weniger temporeich. Etwas überraschend fiel aber genau in dieser Phase das 0:1. Nach einem langen und eigentlich harmlos wirkenden Freistoß war Marius Wolf rechts im Strafraum deutlich zu ungestört, flankte auf den langen Pfosten, wo die Kugel vom Rücken des Hamburgers William Mikelbrencis vor die Füße von Chaves fiel, der sie gedankenschnell über die Linie stocherte (22.).
Fair-Play-Applaus für Augsburgs Gregoritsch
Das spielte den Augsburgern natürlich in die Karten, Manuel Baums Elf stand nun noch deutlich defensiver, sodass die Gastgeber überhaupt nicht mehr zu Konterchancen über ihre schnellen Angreifer kamen. Es dauerte bis zur 36. Minute, ehe ein letztlich leicht für Finn Dahmen zu parierender Freistoß von Muheim mal wieder so etwas wie Gefahr für das Gäste-Tor bedeutete.
Deutlich schwerer zu halten war der gespitzelte Abschluss Oteles in der 38. Minute, aber auch hier war Dahmen zur Stelle und lenkte die Kugel über die Querlatte. Der HSV arbeitete jetzt hart am Ausgleichstreffer, der durchaus verdient gewesen wäre: Glatzel verfehlte kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einem Drehschuss im Strafraum nur hauchdünn den rechten Pfosten (44.).
Eine Szene hatte der erste Durchgang noch: Nachdem Schiedsrichter Deniz Aytekin auf Freistoß für Augsburg vom Strafraumrand entschieden hatte, hielt Aytekin Rücksprache mit dem vermeintlich gefoulten Gregoritsch. Nach diesem Gespräch nahm Aytekin den Freistoß zurück, es gab „Fair-Play-Applaus“ für Augsburgs Stürmer. „Ganz viele Leute sagen ja, im Fußball gibt es keinen Respekt, keine Fairness und keine Menschlichkeit und das war ein Musterbeispiel für gegenseitige Wertschätzung“, meinte Aytekin nachher. Gregoritsch hatte zuvor gegenüber der Bild-Zeitung gesagt: „Ich bin auf ihm gelandet. Das habe ich ihm auch so gesagt. Ich bin raus und musste behandelt werden. Dann kam Deniz zu mir. Wir kennen uns ja seit 10 Jahren. Da kann man auch mal kurz quatschen.“
Tor HSV, Pfosten HSV, Rote Karte HSV – wilder Start in Halbzeit zwei
Wenige Minuten nach Wiederanpfiff vergaben die Gastgeber, bei denen Otele durch Rayan Philippe ersetzt worden war, die nächste Gelegenheit: Ransford Königsdörffer marschierte halbrechts in den Augsburger Strafraum, setzte sich gut durch und schoss flach auf die linke Ecke ab – auch hier pfiff die Kugel nur ganz knapp vorbei (49.). Doch auch die Fuggerstädter tauchten nun nach längerer Abstinenz wieder gefährlich in der eigenen Offensive auf: Anton Kade traf in der 53. Minute das Außennetz, Alexis Claude-Maurice verpasste mit einem Flachschuss ebenfalls das 2:0 nur um Zentimeter (55.).
Das nächste Tor der Partie lag definitiv in der Hamburger Nachtmittagsluft und nach exakt 60 Minuten fiel es dann auch endlich: Muheim bediente Glatzel, der legte vom Strafraumrand ab für Königsdörffer und der nagelte den Ball kompromisslos links oben ins Eck – 1:1.
Jetzt überschlugen sich die Ereignisse: Hamburgs Luka Vuskovic traf nach einem Eckball per Kopf nur den Pfosten und im direkten Gegenzug sah Muheim die Rote Karte, als er einen Ball selbst nicht sauber mitnehmen konnte und dann den heraneilenden Kade im Fallen an der Hacke traf. Unglücklich, aber berechtigt. Da tröstete die Hamburger auch nicht, dass der fällige Freistoß vom Strafraumrand zu einem der kuriosesten der Saison wurde: Fabian Rieder rutschte weg und jagte den Ball somit in einem Winkel zur Seite, den man so absichtlich niemals hinbekommen hätte.
In der Schlussphase geht es verrückt weiter – Augsburgs Dahmen überragend
Mit den nun anstehenden etwa 30 Minuten Unterzahl änderten sich die Vorzeichen für die Schlussphase natürlich, das Momentum, das der HSV sich erarbeitet hatte, war zunächst weg. Die Augsburger spielten die Kugel nun rund um den Strafraum der „Rothosen“, die sich in jeden Ball warfen und leidenschaftlich verteidigten. In der 73. hätte Gregoritsch nach Flanke von rechts mit dem langen Bein das 2:1 erzielen müssen, traf aber nur den Pfosten.
Doch der HSV war seinerseits dem potenziellen Siegtreffer noch mehrmals nah und letztendlich sogar näher als die in Überzahl spielenden Gäste: Dahmen musste einen üblen hohen Rückpass von Cedric Zesiger mit der Schulter in allerhöchster Not parieren und lenkte ihn an die Latte (83.). Direkt im Anschluss brachte Dahmen einen Distanzschuss des eingewechselten Albert Grönbaek mit den Fingerspitzen an den Außenpfosten. Dann gab es Handelfmeter für den HSV, den Deniz Aytekin nach Ansicht der Videobilder korrekterweise zurücknahm, weil Zesiger den Arm angelegt hatte – und nach 94 turbulenten Minuten stand ein Remis, das alle Beteiligten wohl erst einmal verarbeiten mussten.
HSV in Stuttgart, Augsburg gegen Hoffenheim
Der HSV ist nun am kommenden Sonntag beim VfB Stuttgart zu Gast (17.30 Uhr). Augsburgs Pause ist deutlich kürzer, der FCA empfängt am Freitag die TSG Hoffenheim (20.30 Uhr).
