
Nachdem der Aufsichtsrat des Klubs im Dezember von den Vorwürfen erfahren hatte, sei „mit Unterstützung spezialisierter externer Anwälte die Aufklärung der Vorfälle eingeleitet“ worden, wie es weiter hieß: „Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat umgehend entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben. Aufgrund der expliziten Bitte der betroffenen Personen hatte bei der Trennung der Schutz der Betroffenen oberste Priorität, die auch weiterhin anhält.“
Laut HSV-Mitteilung habe Kuntz „insbesondere in Kenntnis der gegen ihn erhobenen Vorwürfe“ der Trennung zum Jahresende zugestimmt. „Er war dabei anwaltlich vertreten“, hieß es: „Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt.“
Der frühere Nationalspieler Stefan Kuntz hatte den Vorwürfen zuvor in einer öffentlichen Stellungnahme widersprochen. „Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen. Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!“, hieß es in einem Statement auf dem offiziellen Instagram-Profil von Kuntz. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung von Anschuldigungen durch HSV-Mitarbeiterinnen gegen den 63-Jährigen berichtet.
Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung sollen laut „Bild“-Zeitung der eigentliche Grund für die überraschende Auflösung seines Vertrages zum Ende des Jahres 2025 und seinen Abschied aus Hamburg nach anderthalb Jahren sein. Kuntz ließ in seinem Statement wissen, er habe „im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen“ seine Anwälte eingeschaltet. Diese sollten laut Kuntz „gegen diese falschen Vorwürfe und Vorverurteilungen“ vorgehen.
In der Woche vor dem letzten Spiel der Hamburger vor der Feiertagspause sollen „Bild“-Zeitung zufolge Mitglieder des Aufsichtsrats Kuntz über die Vorwürfe informiert haben. Der Sportvorstand wollte sich demnach vor dem Gremium dazu äußern, ein Treffen sei dann aber abgesagt worden.
Am 2. Januar hatte der Verein völlig überraschend verkündet, dass sich der HSV und Kuntz auf die Auflösung des Vertrages geeinigt haben. Laut Mitteilung hatte der 63-Jährige den Aufsichtsrat der AG nach den Weihnachtsfeiertagen aus persönlichen, familiären Gründen um eine sofortige Beendigung seiner Tätigkeit zum 31. Dezember 2025 gebeten.
„Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall. Mehr möchte ich dazu nicht sagen und bitte darum, dies zu respektieren“, war Kuntz in dem Statement zitiert worden. „Dem HSV danke ich für tolle anderthalb Jahre. Ich wünsche den Teams und der gesamten Geschäftsstelle weiterhin das Beste“, fügte er hinzu.
Auch in einem Post auf der Plattform Instagram hatte er zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Details genannt. „Es war mir eine große Ehre, Teil dieses besonderen Vereins zu sein. Die Zeit beim HSV war intensiv, emotional und geprägt von echten Werten“, hieß es in dem Beitrag auf Kuntz’ Profil unter anderem.
In seiner Karriere war Kuntz Profi unter anderem beim VfL Bochum, dem 1. FC Kaiserslautern, Arminia Bielefeld und in der Türkei bei Beşiktaş Istanbul. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister.
Nach seiner Spielerkarriere arbeitete er als Trainer bei mehreren Vereinen, für die deutsche U-21-Auswahl und die türkische Nationalmannschaft. Beim 1. FC Kaiserslautern war er von 2008 bis Januar 2016 Vorstandschef. Im Mai 2024 hatte er Jonas Boldt als Sportvorstand des HSV abgelöst. Unter Kuntz’ Führung kehrten die Hamburger nach siebenjähriger Abstinenz in die Bundesliga zurück.
