Golden Globes 2026: Dresscode und Mode-Trends in Hollywood – Stil

Für sie: Diva von gestern

Chanel und Dior, die Giganten unter den Modehäusern, haben seit dieser Saison neue Designer. Ist die Modernisierung gelungen? Auf Laufstegen lässt sich das nicht so einfach beurteilen. Ob etwas wirklich frisch aussieht, merkt man erst später, im wahren Leben. Womit wir direkt auf dem roten Teppich der Golden Globes landen! Also im wahren Leben der ebenfalls von (Gesichts-)Modernisierung besessenen Hollywoodstars. Die gute Nachricht zuerst: Chanel (an Selena Gomez und Maya Rudolph) sowie Dior (an Jessie Buckley) machten eine hervorragende Figur. Gerade bei Abendroben ist die Gefahr, auszusehen wie die Statue einer gealterten Opernsängerin, schließlich groß. Moderne Glamour-Looks sind festlich, konzentrieren sich aber nicht zu sehr auf die weibliche Silhouette. Sie werden außerdem mit möglichst natürlichem Haar und Make-up kombiniert.

(Foto: Getty Images)

Das Ergebnis sieht dann nicht aus wie von einer stumpfen Künstlichen Intelligenz erstellt, wenn man das Wort Diva eintippt – also nicht so wie Jennifer Lopez in ihrem transparenten Vintage-Kleid mit Meerjungfrauen-Appeal von Jean-Louis Scherrer. Das ist ein Modehaus, das zuletzt 1977 mit Film-Looks für Raquel Welch für Begeisterung sorgte. Dieses aus der Zeit gefallene Ungetüm, kombiniert mit JLos berühmtem, ins Orange tendierenden „Glow“, den Frauen auch mal vor 20 Jahren gut fanden, ist das ultimative Beispiel für jemanden, der in seinen erfolgreichsten Zeiten stehen geblieben ist. Merke: Modernisierung ist wichtig, aber nicht im Gesicht, sondern im Kleiderschrank.

Für ihn: Alter Schwede

Die Golden Globes sind bekanntlich ein Black-Tie-Event, was die Sache für die männlichen Gäste eigentlich recht einfach macht. Es genügt ein passender Smoking, bei dem die Mode seit hundert Jahren alle Regeln vorgibt, damit er am Ende perfekt aussieht. Manche, wie der immer tadellos gekleidete Schauspieler Chris Pine etwa, hielten sich an dem Abend auch vorbildlich an die klassische Kleiderordnung und setzten nur mit ihren Uhren oder mal einer Brosche am Revers Akzente. Aber ein Hollywood-Klassentreffen ist eben kein Diplomatenball, und jeder zweite Mann fühlte sich mit der Vorgabe Smoking offenbar wieder nicht ausreichend in seiner Individualität gewürdigt. Die Jungen experimentierten bei ihren Anzügen mit Oversized-Schnitten und seltsamen Farben und manche der alten Haudegen demonstrierten: Ich lasse mir schon lang nicht mehr von einem Dresscode irgendwas vorschreiben.

(Foto: Getty Images)

Der schwedische Preisträger Stellan Skarsgård führte diese Kategorie an. Er trug sozusagen nur noch die Ruine eines Zegna-Smokings – mit offenem Hemdkragen wo eine Fliege sein sollte, einem Samtjacket, Schlaghose und seltsamem Stehkragen. Warum bei dieser Dekonstruktion ausgerechnet der Kummerbund überlebt hat, müsste man mal den Stylisten fragen. Die Botschaft des eleganten Ungehorsams ist natürlich leicht verständlich, zumal wenn Skarsgård dann bei den Fotos mit der Trophäe auch nicht mal die Hand aus der Tasche nimmt: Große, leicht verächtliche Lässigkeit feat. Silberrückenmentalität. Wenn’s pro Abend einer macht – gut! Aber wenn irgendwann alle Alten auf Alles pfeifen, wird’s albern.