

Universitätsmedizin hat vor allem zwei Aufgaben: Forschung und Lehre. Die Behandlung von Patienten folgt daraus, nicht umgekehrt. Gleichwohl profitieren Kranke und Verletzte täglich von Innovationen aus der Universitätsmedizin. Ein griffiges Beispiel für gute und in der Breite wirksame Ideen aus dem privatisierten Uniklinikum Gießen und Marburg ist das sogenannte Gießener Medical Intervention Car.
Dieses Spezialfahrzeug kann die Einsatzleitstelle in Mittelhessen ergänzend zum Rettungswagen seit gut einem Jahr zur Unfallstelle schicken. Es kommt in Fällen wie diesem zum Zuge: Nach einem Unfall verliert ein Autofahrer viel Blut. Der rasch eingetroffene Rettungswagen hat aber keine Blutkonserven an Bord. Und die Fahrt in die nächstgelegene Klinik könnte zu lange dauern, um das Leben des Patienten zu retten. Das ist Alltag in vielen Landkreisen. An Bord des kurz Gimic genannten Spezialfahrzeugs befindet sich ein erfahrener Oberarzt zusätzlich zu einem Notarzt. Zur Ausstattung des Autos gehört auch Spenderblut. In Fällen, in denen es um Minuten geht, kann das entscheidend sein. So lehrt es die Erfahrung.
In anderen Bundesländern, beispielsweise in Rheinland-Pfalz, gibt es ähnliche Spezialfahrzeuge schon länger. In Hessen aber ist das Gimic bisher beispiellos. Und ohne zwei Gießener Uni-Mediziner gäbe es dieses Pilotprojekt gar nicht. Wollten sie zunächst die Versorgung von kritisch erkrankten Kindern verbessern helfen, so nützt das Gimic auch und gerade Unfallopfern jeden Alters. Es könne flächendeckend eine exzellente Versorgung gewährleisten: So lautet die wissenschaftliche Erkenntnis nach dem ersten Jahr.
Das hessische Gesundheitsministerium tut gut daran, dieses Pilotprojekt zu verlängern. Bis mindestens Ende 2027 soll das Gießener Medical Intervention Car demnach weiter Leben retten helfen, und das nicht nur in Stadt und Landkreis Gießen. Auch umliegende Kreise profitieren davon.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, wenn der Landkreis Gießen auf eine dauerhafte Ergänzung der Rettungsdienste durch das Gimic hofft. Aus den bisherigen Erfahrungen leitet sich zudem die Frage ab, warum es solche Spezialfahrzeuge nicht auch bald in anderen ländlich geprägten hessischen Regionen geben sollte.
