

Weil sie eine Krebserkrankung ihres Sohnes erfunden und mit öffentlichen Hilfsaufrufen zahlreiche Spenden eingenommen haben soll, soll sich eine 42 Jahre alte Mutter in Gießen vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihr gewerbsmäßigen Betrug in 13 Fällen zur Last. Sie hat die Anklageschrift beim örtlichen Landgericht eingereicht. Das Gericht muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat sich die Frau bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Frau sei aber einschlägig vorbestraft. Die Ermittler gingen anfangs auch gegen den Vater des Kindes vor, sie stellten ihre Recherchen aber zwischenzeitlich mangels hinreichenden Tatverdachts ein. Das Kind befindet sich seit Anfang 2024 in Obhut des Jugendamts, wie es weiter heißt.
Siegener Elterninitiative gab 100.000 Euro für angebliches Krebskind
Zu jener Zeit warb die Frau aber nach wie vor um Spenden, wie die Anklagebehörde mitteilt. Demnach ging sie von September 2021 bis Oktober 2024 mit der angeblichen Krebserkrankung ihres Sohns an die Öffentlichkeit. Über Aufrufe in einer Reihe von Medien und auf Onlineplattformen seien alles in allem 350.000 Euro zusammengekommen.
Der Fall wurde vor zwei Jahren von der Lokalpresse aufgegriffen. Geschildert wurde folgender Ablauf: Der kleine Junge, in der Anfangszeit der Spendenaufrufe fünf Jahre alt, habe zunächst einen seltenen Hautkrebs bekommen. Doch dank Spenden hätte ihm eine experimentelle und teure Behandlung in den USA das Leben gerettet, so die Botschaft. Ende 2023 kam dann die Nachricht, der Junge sei wieder erkrankt. Dieses Mal handele es sich um Leukämie.
Viele Einzelpersonen, aber auch der Gießener Kultursommer, das Deutsche Rote Kreuz Gießen und Marburg sowie die Elterninitiative für krebskranke Kinder Siegen unterstützten die Familie, wie die „Gießener Allgemeine“ berichtete. Allein die Elterninitiative spendete nach eigenen Angaben rund 100.000 Euro. Dafür wurden von der Mutter auch Rechnungen der behandelnden Klinik vorgelegt, wie ein Sprecher der Initiative dieser Zeitung sagte. Im März 2024 machte die Polizei dann Ermittlungen in dem Fall öffentlich. „Das Kind ist mutmaßlich nicht – wie behauptet – schwer erkrankt“, schrieb sie.
