Gesund altern: Muskelkraft senkt das Sterberisiko bei Frauen über 60

Viele Frauen setzen beim gesunden Altern vor allem auf Ausdauertraining. Forscher zeigen nun, dass besonders ein anderer Faktor womöglich noch entscheidender für ein langes Leben ist.

Wer als Frau gesund altern will, sollte nicht nur auf Ausdauer setzen, sondern auch die Muskelkraft im Blick behalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich im Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie der Universität Buffalo.

Für die Analyse werteten die Forscher Daten von 5472 Frauen im Alter von 63 Jahren bis 99 Jahren aus. Zu Beginn absolvierten die Teilnehmerinnen zwei in der Geriatrie gängige Krafttests: die Griffkraftmessung mit der dominanten Hand sowie einen Stuhltest, bei dem die Frauen fünfmal hintereinander ohne Abstützen möglichst zügig vom Stuhl aufstehen mussten. Zusätzlich trugen sie eine Woche lang einen Beschleunigungssensor, um Bewegung und Sitzzeiten objektiv zu erfassen.

Das Ergebnis: Frauen im stärksten Viertel der Griffkraft hatten – nach Berücksichtigung zentraler Unterschiede wie Alter, Vorerkrankungen und Lebensstil – ein um rund 30 Prozent geringeres Sterberisiko als Frauen im schwächsten Viertel. Beim Stuhltest zeigte sich ebenfalls ein Zusammenhang: Wer die fünf Aufstehbewegungen am schnellsten schaffte, hatte auch ein klar geringeres Risiko als die langsamste Gruppe.

Der Zusammenhang zeigte sich auch dann noch, wenn die Forscher andere wichtige Faktoren berücksichtigten. Egal, ob die Frauen viel oder wenig in Bewegung waren, wie lange sie saßen, wie schnell sie gehen konnten und wie hoch ein Entzündungswert im Blut war – höhere Muskelkraft ging weiter mit einer geringeren Sterblichkeit einher. Das galt selbst bei Frauen, die die aktuellen Richtlinien für körperliche Aktivität für Erwachsene – 150 Minuten moderate aerobe Aktivität – nicht erfüllen konnten.

Tatsächlich war die Sterblichkeitsrate pro sieben Kilogramm Griffkraft im Durchschnitt um zwölf Prozent niedriger. Der Zusammenhang war beim Stuhltest schwächer als bei der Griffkraft.

Gesundes Altern lasse sich laut Studienleiter Michael LaMonte am ehesten erreichen, wenn Ausdauer und Krafttraining zusammenkommen: „Gesundes Altern lässt sich wahrscheinlich am besten durch eine angemessene Menge an aeroben und muskelstärkenden körperlichen Aktivitäten erreichen“, wird er zitiert. LeMonte warnt: „Wenn wir nicht mehr aus dem Sessel aufstehen und uns bewegen können, sind wir in Schwierigkeiten.“

Anders als viele frühere Arbeiten habe sein Team gleichzeitig Faktoren wie objektiv gemessene Bewegung, Entzündungen und kardiovaskuläre Fitness berücksichtigen können, um den Zusammenhang mit der Muskelkraft genauer einzuordnen.

Außerdem hätten die Analysen gezeigt, dass Unterschiede in Körpergewicht oder -zusammensetzung den Befund nicht erklären. „Als wir die Kraftmessungen auf das Körpergewicht und sogar auf die fettfreie Körpermasse skalierten, blieb die Sterblichkeit signifikant niedriger“, sagte LaMonte.

lkl