Mauro Icardi trifft bei Galatasaray auch in seiner Teilzeit-Rolle extrem zuverlässig. Gegen seinen Ex-Trainer, der ihm einst die Kapitänsbinde nahm, droht Icardi aber wieder die Bank.
Ist Mauro Icardi einer der am meisten unterschätzten Stürmer der vergangenen zehn Jahre? Die Frage darf man sich zumindest stellen, wenn man auf die nackten Zahlen des Kapitäns von Galatasaray Istanbul schaut. In 503 Pflichtspielen hat der Argentinier in seiner Laufbahn 279 Tore geschossen und 67 weitere vorbereitet. Zahlen, die vergleichbar sind mit Spielern wie Sergio Agüero, Lautaro Martinez oder Carlos Tevez, um nur ein paar von Icardis Landsleuten aufzuzählen.
Doch in einem Atemzug mit diesen Spielern wird Icardi selten genannt. Seine „nur“ acht Länderspiele lassen sich mit dieser prominenten Konkurrenz allerdings ganz gut erklären. Mit 14 wechselte der Stürmer in die Jugend des FC Barcelona, später spielte er für Sampdoria, Inter, Paris Saint-Germain und eben nun für Galatasaray. Und überall wo er spielte, traf er verlässlich, holte Meisterschaften, wurde mehrfach Torschützenkönig und Fußballer des Jahres.
Icardi galt als Querulant – auch unter Spalletti
Dass der heute 32-Jährige wohl nicht in die oberste Stürmerkategorie seiner Zeit einsortiert werden wird, hat auch Gründe, die jenseits des statistischen Outputs liegen. So galt er lange Zeit als Querulant. Seine langjährige Ehe mit Wanda Nara, die zuvor mit Icardis Mitspieler Maxi Lopez liiert gewesen war, produzierte immer wieder Boulevard-Schlagzeilen. Vor allem, weil Nara auch als seine Beraterin fungierte und gerne gegen Icardis Vereine ätzte, wenn diese nicht die erhofften Summen boten.
Einer, der das hautnah erlebt hat ist Juventus-Coach Luciano Spalletti. „Icardi hat mir geholfen, Tore zu schießen. Aber er hat auch familiäre Probleme mit in die Umkleidekabine gebracht. Es war, als würde er zwar in der Kabine sein, aber immer durch ein Fenster in eine andere Welt schauen“, berichtete der Italiener jüngst über seine gemeinsame Zeit mit Icardi bei Inter Mailand (2017-2019).
Spalletti lobt Icardi – ein Wechsel nach Turin ist aber wohl kein Thema
Spalletti hatte Icardi, nachdem dieser damals im Rahmen eines Vertragspokers nicht zum Spiel gegen Rapid Wien anreisen wollte, damals die Kapitänsbinde entzogen. Trotzdem lobte er seinen ehemaligen Schützling vor dem Playoff-Duell zwischen Juve und Galatasaray (Dienstag ab 18.45 Uhr hier im Live-Ticker) jetzt: „Er ist ein guter Kerl, ein fantastischer Stürmer.“
Dass Spaleletti über Icarid sprach hat auch damit zu tun, dass es im Winter hartnäckige Wechselgerüchte um den Stürmer gab. Juventus wurde von diversen „Transfer-Insidern“ als mögliches Ziel gehandelt. Spalletti wollte sein Lob aber nicht in diese Richtung interpretiert wissen: „Wir suchen nach einem Spieler mit bestimmten Eigenschaften, Icardi ist kein Entwicklungsspieler mehr“, erklärte er. In Lois Openda, Jonathan David und den gerade verletzten Arkadiusz Milik und Dusan Vlahovic hat Juventus tatsächlich genügend erfahrene Angreifer im Kader.
Alle 73 Minuten ein Tor – trotzdem startet Osimhen
Icardis Vertrag beim türkischen Meister läuft in diesem Sommer aus. Die Vertragsverhandlungen haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Längst kommen aus dem Lager Icardi aber keine großen öffentlichen Forderungen mehr, stattdessen lässt der Argentinier Tore sprechen – wenn er denn spielen darf: Am Wochenende gegen Eyüpspor erzielte er drei Treffer. 13 Saisontore hat Icardi in 21 Saisonspielen erzielt, in nur acht davon stand er von Beginn an auf dem Rasen.
Trainer Okan Buruk gibt Victor Osimhen den Vorzug. Der im Sommer für 75 Millionen Euro verpflichtete Nigerianer ist auch in der Champions League bisher der Stamm-Stürmer, hat dort in sechs Einsätzen sechs Tore erzielt (drei davon per Elfmeter). Icardi stand in der Königsklasse erst einmal in der Startformation, in den Playoffs gegen Juve droht dem Mann, der in der Liga alle 73 Einsatzminuten trifft (Osimhen traf dort alle 132), wieder die Joker-Rolle.
Spalletti dürfte darüber nicht unglücklich sein, schließlich hat Icardi in 13 Serie-A-Spielen gegen die „Alte Dame“ acht Tore erzielt und zwei weitere vorbereitet. „Wir haben gezeigt, dass wir bereit für Juventus sind“, schickte der Stürmer nach seinem Dreierpack eine Botschaft an seinen Ex-Trainer. Es sind dieser Tage die einzigen Botschaften, die Icardi abseits des Platzes verschickt. Und das, obwohl er seltener zum Einsatz kommt, als seine Leistungen es her geben.
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