
Bei einem Stadtderby in Brasilien eskaliert die Lage. Es fliegen die Fäuste, wilde Tritte werden verteilt. Die Militärpolizei muss schlichten. Der Schiedsrichter bricht im Anschluss einen Rekord, der seit 1954 bestand.
Es ist ein Zusammenprall, wie er im Fußball Woche für Woche zigfach vorkommt. Christian, Stürmer von Cruzeiro, versuchte, einen abgeprallten Ball ins Tor zu spitzeln. Er kam zu spät, Atlético Mineiros Torwart Everson hatte sich den Ball schon geschnappt. Christian konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und traf Everson mit dem Schienbein am Kopf. Unglücklich ja, sicherlich auch schmerzhaft, aber eigentlich kein Grund für das, was im Stadtderby von Belo Horizonte folgte.
Der Keeper nahm den Treffer nicht einfach hin, sondern sprang direkt auf und mit vollem Körpergewicht in die Hüfte seines Gegners hinein. Wenig später kniete er über seinem Gegenspieler. Die Lage eskalierte. Aus beiden Lagern kamen Spieler und Verantwortliche angesprintet. Everson bekam einen Stoß und landete im Netz seines eigenen Tores. Es entbrannte eine Massenschlägerei, die sich schnell von einer Seite des Spielfeldes auf die andere verlagerte.
Negativ-Highlight: Auf den Videos, die in den sozialen Medien von dem Spiel in Brasilien kursierten, ist zu sehen, wie Cruzeiros Lucas Villalba rund zehn Meter Anlauf nimmt, um dann mit einem Kung-Fu-Schwung auf Atlético-Kapitän Hulk einzutreten. Erst nach zehn Minuten und mithilfe der Militärpolizei und weiterer Sicherheitskräfte konnte die Situation beruhigt werden. Auch auf den Rängen gab es Tumulte.
Schiedsrichter Matheus Delgado Candançan brach das Spiel, bei dem es um die Meisterschaft des Bundesstaates Minas Gerais ging, ab. 1:0 stand es zu diesem Zeitpunkt für Cruzeiro, die sechsminütige Nachspielzeit war beinahe abgelaufen. Konsequenzen in Form von Roten Karten gab es auf dem Platz keine. Im offiziellen Spielbericht tauchen dann aber trotzdem 23 Rote Karten auf. Das ist Rekord in Brasilien. Zuvor lag dieser bei 22 Roten Karten, aufgestellt bei der Partie zwischen Portuguesa und Botafogo im Jahr 1954.
21 Rote Karten mit derselben Begründung
Die Begründungen der nachträglichen Platzverweise lesen sich so: „Er wurde des Feldes verwiesen, weil er während der Schlägerei seine Gegner geschlagen und getreten hat.“ 21 Mal taucht diese Formulierung wortgleich im Spielbericht auf, nur die beiden Auslöser – Christian und Everson – bekamen gesonderte Einträge. Auch BVB-Zugang Kauã Prates, der im Sommer nach Deutschland wechseln wird, gehört zu den Rot-Sündern. Dort begründete Schiedsrichter Candançan auch, warum er die Karten nicht auf dem Feld zeigte. Es sei eine „allgemeine Panik ausgebrochen, die es unmöglich machte, die Rote Karte zu zeigen“.
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Der ehemalige brasilianische Nationalspieler Hulk (39) entschuldigte sich zwar für die Szenen. „Ich werde nicht müde werden, mich zu entschuldigen. Wir versuchen zu beschwichtigen, aber wenn man heißblütig ist und sieht, wie ein Mitspieler angegriffen wird, reagiert man automatisch. Trotzdem hätte das so nicht passieren müssen“, sagte der Atlético-Kapitän.
Dennoch übte er auch Kritik am Unparteiischen: „Ich habe dem Schiedsrichter schon zu Beginn des Spiels gesagt, dass es Ärger geben würde. Er hatte keine Persönlichkeit. (…) Er hatte Angst, das Finale zu pfeifen.“
luwi
