Fußball, Christian Ziege: „Ich habe nach dem Tod meiner Frau Pia eine Weile gebraucht“

Christian Ziege ist zurück in Gladbach – nicht als Star, sondern als U17-Co-Trainer. Die Rückkehr folgt auf eine Zeit der Trauer und des Innehaltens. Nun spricht der langjährige Nationalspieler über die schwere Zeit, die hinter ihm liegt und den anstehenden Neustart.

Er ist nach über 17 Jahren zurück in Gladbach. Christian Ziege, der bis Dezember 2008 für Borussia als Spieler, Sportdirektor und Trainer gearbeitet hatte, absolvierte am Mittwochabend seine erste Einheit am Borussia-Park – als Co-Trainer von Chefcoach Denis Hauswald bei der U17 des Vereins.

Der Fußball hatte zuletzt keine große Rolle mehr im Leben des 53-Jährigen gespielt. Seine Frau Pia, mit der er seit 1997 verheiratet war, starb im letzten Jahr nach langer schwerer Krankheit.

Ziege, der 72 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auflief, sagte zu „Bild“: „Ich habe nach dem Tod meiner Frau Pia, um die ich mich zuvor rund um die Uhr gekümmert hatte, erst einmal eine Weile gebraucht, bis Fußball wieder denselben Stellenwert für mich hatte wie vorher. Dann habe ich mir ganz simpel gedacht, ich gehe auf den Verein zu und sage, dass ich ganz gerne wieder in dem Bereich, in dem ich mich am besten auskenne, arbeiten würde. Ich habe gesagt: Wenn es eine Möglichkeit gibt, dem Verein zu helfen und ihn zu unterstützen, in welcher Form auch immer, komme ich gerne zurück. Wir haben uns dann ein paarmal in verschiedenen Konstellationen unterhalten. Und schließlich hat mich der Klub gefragt, ob ich mich mit der Aufgabe als Co-Trainer der U17 identifizieren kann – und da freue ich mich drauf.“

Seine beste Zeit als Profi hatte er bei den Bayern verbracht. Warum nun die Rückkehr zu Borussia? Ziege: „Als Profi habe ich in Gladbach nicht mehr so viel leisten können, weil ich mich ja hier dann verletzt habe und aufhören musste. Was mich mit Borussia vor allem verbindet, ist, dass ich hier die Möglichkeit bekommen habe, meine zweite Karriere zu starten. Erst als U17-Trainer, danach als Sportdirektor. Diese Zeit hat unfassbar Spaß gemacht und ich bin noch heute stolz darauf. Mit den Veränderungen nach dem Abstieg in sportlicher Hinsicht und auch von der Herangehensweise, ist die Basis von dem, was Borussia heute ist, entstanden. Und ich habe hier viele Menschen, viele Freunde, kennengelernt, mit denen ich eine gute Zeit verbinde.“

Auf Ziege folgte einst Max Eberl

Im Dezember 2008 hatte er als Gladbacher Sportdirektor trotz eines Vertrags bis 2011 freiwillig aufgehört – und so den Weg in der Bundesliga für Max Eberl freigemacht. Ziege: „Gemeinsam mit Steffen Korell habe ich Max, der zu diesem Zeitpunkt Nachwuchschef war, damals sofort mit ins Boot geholt. Ich habe immer gesagt, dass dieser Job keine One-Man-Show ist, sondern, dass wir das zusammen machen. Ich habe aber auch von Anfang an gesagt, dass ich noch meinen Fußball-Lehrer machen möchte – und so ist es dann gekommen, dass er den Job als Sportdirektor übernommen hat. Mich freut es, was er für eine Karriere auf höchstem Level hingelegt hat.“

U17-Coach Hauswald (35) freut sich unterdessen über die Ziege-Rückkehr: „Als junger Trainer kann ich natürlich nur davon profitieren. Ich bin total dankbar, die Möglichkeit zu haben, eine solche Persönlichkeit mit so vielen Erfahrungswerten an meiner Seite zu haben. Als ich das erste Mal davon gehört habe, dass die Möglichkeit besteht, war ich sofort begeistert und die ersten Treffen und Gespräche haben das auch bestätigt.“

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.