Raus aus den Federn und los geht’s. Ob Joggingrunde, Radtour, Schwimmen oder Training auf dem Rudergerät – wer sich am frühen Morgen zu einer schweißtreibenden Bewegung aufraffen kann, senkt sein Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Übergewicht offenbar besonders effektiv. Zu diesem Ergebnis kommen Ärzte und Wissenschaftler aus Boston, die ihre Studie demnächst auf dem Jahreskongress der amerikanischen Kardiologen vorstellen.
Die Forscher hatten die Gesundheitsdaten von mehr als 14 000 Erwachsenen erfasst und mit der per Fitness-Tracker ermittelten Pulsfrequenz in Verbindung gesetzt. Dabei zeigte sich, dass jene Studienteilnehmer, die morgens zwischen sieben und acht Uhr körperlich aktiv waren, einen niedrigeren Blutdruck, geringere Blutfette und seltener eine Neigung zu Diabetes aufwiesen als jene Probanden, die zu anderen Tageszeiten Sport trieben. So hatten Morgenschwitzer zu 31 Prozent seltener verengte Herzkranzgefäße, zu 18 Prozent seltener Bluthochdruck, zu 21 Prozent seltener erhöhte Cholesterinwerte und zu 30 Prozent seltener Diabetes – unabhängig von der Gesamtdauer ihrer täglichen Sportaktivitäten. Auch wurden Frühsportler weniger häufig wegen Herz-Kreislauf-Leiden behandelt.
Sind Morgensportler generell disziplinierter?
„Natürlich ist jede Art von Sport besser als kein Sport, aber wir haben versucht, mit dem Zeitpunkt der körperlichen Aktivität eine weitere Dimension zu erfassen“, sagt Prem Patel, der Erstautor der Studie. „Wer morgens Sport treiben kann, für den scheint der Nutzen für Herz, Kreislauf und Stoffwechsel größer zu sein.“ Die Autoren verweisen zudem darauf, dass die aufgezeichnete Herzrate zuverlässiger die tatsächliche körperliche Aktivität erfasst als Selbstauskünfte zum Ausmaß der regelmäßigen Bewegung.
Trotz der großen Stichprobe ist allerdings unklar, ob es sich bei dem beobachteten Zusammenhang lediglich um eine Korrelation oder um eine Ursache-Wirkung-Beziehung handelt. „Es gibt Hinweise dafür, dass sich Menschen, die früh am Morgen Sport treiben, generell gesundheitsbewusster verhalten“, führt Karsten Köhler, der an der TU München die Abteilung für Bewegung, Ernährung und Gesundheit leitet, als mögliche Erklärung an. Wer sich zu schweißtreibenden Aktivitäten vor der Arbeit aufrafft, richtet sich womöglich auch sonst disziplinierter nach Ratschlägen für ein gesundes Leben.
Zudem wird Sport am Morgen zumeist nüchtern betrieben. Das stimuliert die Fettverbrennung stärker als am Nachmittag oder Abend, wenn die Glykogenspeicher in Muskeln und Leber durch die vorangegangene Nahrungsaufnahme stärker gefüllt sind. Auch diese Varianten des Stoffwechsels sowie von der Tageszeit abhängige Unterschiede im Essverhalten und der Essensmenge nach dem Sport könnten die Ergebnisse der Forscher aus Boston erklären, so Köhler.
Da die Studie noch nicht veröffentlicht ist, besteht die Möglichkeit zur Nachfrage am Sonntag, wenn die Ergebnisse auf dem Kardiologenkongress in New Orleans vorgestellt werden. Immerhin findet die Präsentation erst mittags um 12.30 Uhr statt, sodass den Wissenschaftlern wie auch den Besuchern vorher genügend Zeit für Frühsport bleibt.
